Migräne ist eine der verbreitetsten Erkrankungen auf der Welt, bei vielen geht es über starke Kopfschmerzen hinaus. Und für manche verändern sie ein Leben.

S ie mag nicht, wenn es zu kalt ist, und auch nicht, wenn es zu warm ist. Sie hasst Hörsäle, die Hamburger U-Bahn, große Plätze in Städten. Allgemein findet sie alle Orte schrecklich, wo es laut und hell ist. Urlaube mag sie auch nicht sonderlich, besonders nicht die Vorbereitungen: Wäsche waschen, Koffer packen, vor lauter Aufregung nicht schlafen können und schließlich losfahren, ohne zu wissen, wie es an dem Ort überhaupt sein wird, an dem sie ihre nächsten Tage oder Wochen verbringt.

Also, Caro Sajok selbst mag das schon, sehr sogar. Nur die Krankheit in ihrem Kopf kann das alles nicht ausstehen.

Sajok lebt seit ihrer Kindheit mit Kopfschmerzen. Migräne, so schätzt sie, hat sie ungefähr, seitdem sie 13 Jahre alt ist. Früher konnte sie die noch gut mit Ibuprofen behandeln, mit der Zeit wurden ihre Beschwerden aber immer häufiger und intensiver. Eine endgültige Diagnose hat die 21-Jährige Lehramtsstudentin an diesem sonnigen Dienstag Ende Juli erst seit knapp zwei Wochen. Genauer: seit dem Tag, an dem sie in die Schmerzklinik in Kiel kam, die weltweit erste neurologisch-verhaltensmedizinische Klinik für die spezialisierte Behandlung von Migräne. 16 Tage lang dauert nun ihr stationärer Aufenthalt. Am 13. Tag sitzt sie auf einer von drei Bänken im Schatten des Klinikgartens. Von hier aus kann man die Vögel in den Baumkronen zwitschern hören und Fähren beobachten, die auf die nur wenige hundert Meter entfernte Kieler Förde zusteuern.