Zunächst wird es erst einmal persönlich in dieser Podcastfolge. Fünf Jahre auf den Tag gibt es das Zweiergespräch nun schon, der Philosoph und der Fernsehmoderator versichern sich blumig gegenseitiger Sympathie, bevor sie sich der Denkzettelwahl in Sachsen-Anhalt zuwenden, vielmehr dem Erfolg der AfD. Im Gegensatz zu dem Kanzler Merz jedoch, der seine Rede im Bundestag wieder nur mit längst als wirkungslos ausgemachtem AfD-Bashing tränkte, versuchen die beiden Talker eine Tiefenanalyse.

Ausgangspunkt ist eine Reise Richard David Prechts nach Köthen am Wahlwochenende. Die Stadt in Sachsen-Anhalt erschien ihm als Sinnbild einer eigentümlichen ostdeutschen Gegenwart: Die Häuser alle hübsch saniert, die Plätze hergerichtet, doch Entscheidendes fehle – Menschen. Vor allem junge Menschen, Kinder, wirtschaftliche Bewegung. Hinter den frisch gestrichenen Fassaden scheinen die Menschen die Erfahrung des Schrumpfens zu machen, stellt er fest.

Bierbänke gegen Parteiprogramme – das ist das Rezept?

Er hat eine persönliche Beziehung zu Köthen, seine Mutter ist dort aufgewachsen, er selbst war 1974 mit neun Jahren das erste Mal da. Und gleich ganz traurig, weil das dortige Schloss nicht geöffnet hatte. Die ornithologische Sammlung des Künstlers und Wissenschaftlers Johann Friedrich Naumann wollte er anschauen, der einer der ersten Vögel-Präparatoren der Goethe-Zeit war. Die Sammlung trägt heute das Label „National wertvolles Kulturgut“, das Schloss ist abermals zu und die weltberühmte Vogelsammlung seit sechs Jahren ausgelagert. Aus der für 2022 angekündigten Wiedereröffnung wird nichts, vor 2032 brauchen die Köthener nicht drauf hoffen.