PfadnavigationHomePanoramaPodcast-Radar„Merz ist einfach eine Provinz-Nase, Spahn ein Rassist“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 24.10.2025Lesedauer: 6 Minuten„Diese Partei will die CDU erklärtermaßen zerstören, sie will ein anderes Land“, warnte Bundeskanzler Merz nach der PräsidiumsklausurQuelle: AFP/JOHN MACDOUGALLEs spitzt sich zur Gretchenfrage der Union zu: Wie umgehen mit der AfD? Im Anschluss an eine zweitägige Präsidiumsklausur erhob Bundeskanzler Merz die Partei zwar zum „Hauptgegner“, doch eine strategische Neuausrichtung scheint fraglich. Das Dilemma der Union dominiert die deutschen Podcasts.Die CDU ringt weiter mit sich. Nachdem erste prominente Unionsvertreter bereits dafür geworben hatten, die Abgrenzung zur AfD aufzuweichen, ist die Parteispitze am vergangenen Wochenende in Klausur gegangen, um über den Kurs für die kommenden Landtagswahlen zu beraten. Friedrich Merz zeigte sich hinterher entschlossener denn je. „Diese Partei will die CDU erklärtermaßen zerstören, sie will ein anderes Land“, erklärte der Bundeskanzler am Montag im Konrad-Adenauer-Haus. „Es trennen uns nicht nur Details. Es trennen uns von der AfD grundsätzliche Fragen und grundsätzliche politische Überzeugungen.“Für Merz sei die AfD der „Hauptgegner“. Deren „immer wieder bemühte ausgestreckte Hand“ sei eine, die in Wahrheit „uns vernichten“ wolle. Statt „Miesmacher-Rhetorik“ verbreitete der CDU-Vorsitzende hinsichtlich der Landtagswahlen 2026 Optimismus. „Wir wollen bei allen diesen Wahlen und können bei allen diesen Wahlen die stärkste politische Kraft in diesem Land bleiben.“Lesen Sie auchWie sollte die Union künftig mit der AfD umgehen? Und wie lässt sich deren Wählerschaft überhaupt noch erreichen? Ein Überblick.„Machtwechsel“: Ein Fall von „Merz’schem Erwartungsmanagement“Robin Alexander bot in „Machtwechsel“ zwei Lesarten der Klausurergebnisse an. Böswillig betrachtet handele es sich um einen Fall von „Merz’schem Erwartungsmanagement“. Der Bundeskanzler wecke mit „großen Ansagen“ eine Menge Erwartungen, die letztlich nicht erfüllt würden, urteilte der stellvertretende WELT-Chefredakteur. Lesen Sie auchZu einer wohlwollenderen Einschätzung komme Alexander, wenn er zwischen Strategie und Haltung unterscheide. Die Haltung der CDU, sich einer Zusammenarbeit zu verweigern, sei bestätigt worden. „Es bleibt dabei: Mit denen wird nicht regiert. Mit denen werden keine Absprachen gemacht.“ Aber die Strategie, die Partei inhaltlich zu stellen, sei „tatsächlich eine andere“.Lesen Sie auchIm Zuge der Klausur war Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des Rheingold Instituts, als Experte aufgetreten. Er hatte den Unionspolitikern seine Analyse präsentiert, was Menschen dazu gebracht hatte, zuletzt erstmals AfD zu wählen, und womit die CDU diese Wähler zurückgewinnen könnte. Alexander skizzierte als zentrale These, dass viele Menschen die AfD wählten, obwohl sie über deren Frauenbild, Putin-Nähe und Ausländerfeindlichkeit unglücklich seien. Dieses „Störgefühl“, diese „Triggerpunkte“ zu bedienen, sei die Lehre, die die Union aus dem Grünewald-Vortrag gezogen. „Man will künftig den Leuten klarer machen, warum es keine gute Idee ist, AfD zu wählen.“„The Pioneer Briefing“: „AfD-Wähler geraten in einen Selbstkorrumpierungsprozess“Besagter Grünewald war am Mittwoch in „The Pioneer Briefing“ zu hören, wo er seine Erkenntnisse über die AfD-Wählerschaft teilte. Globale Probleme wie der Klimawandel, der Krieg in der Ukraine oder die Migrationswellen hätten eine „Zombie-Qualität“ erreicht. Vielen Menschen fehle die Hoffnung, dass noch Abhilfe geschaffen werden könne. Sie zögen sich „ins Private, ins Schneckenhaus zurück“, schilderte der Psychologe. Die Außenwelt blendeten sie aus, während sie die eigene „Schneckenhaus-Wirklichkeit“ etwa durch Inflation als bedroht wahrnehmen. Scholz’ Zeitenwende habe bei ihnen psychologisch nie stattgefunden. „Sie flüchten sich sozusagen in eine Nachspielzeit“, in der die Zustände aufrechterhalten werden können. Davon profitiere die AfD.Dabei seien viele AfD-Wähler nicht überzeugt von deren Politik. Sie sähen die Partei als „Kampfhund“, der die etablierten Parteien „auf die richtige Fährte führen“ solle und zugleich vom Bundeskanzler an die Leine gelegt werden sollte. Während nur wenige die politische Brandmauer infrage stellten, plädierte Grünewald dafür, die „soziale Brandmauer“ einzureißen. Lesen Sie auchIn Gesprächen hätten ihm Menschen berichtet, alle aus dem Bekanntenkreis auszusortieren, die eine andere Meinung haben. Wer etwa AfD-nahe Positionen geäußert habe, werde „gedisst oder gecancelt“. „Denen bleibt fast nichts anderes übrig, als sich eine alternative Heimat zu suchen“, erklärte der Psychologe. „Das machen sie auch gekränkt – und mitunter geraten sie dadurch in einen Selbstkorrumpierungsprozess.“ Schrittweise übernähmen sie unbehagliche Positionen, um die neu gewonnene Heimat nicht gleich wieder zu verlieren. „Elefantenrunde“: „Was soll das mit dem Stadtbild? Das ist einfach Bullshit“Grünewald hatte zuvor gegenüber WELT auf das Dilemma des Brandmauer-Konzepts verwiesen. „Wenn die Bürger das Gefühl haben, dass Reformen nicht in Gang kommen und Probleme nicht gelöst werden, dann wird die Brandmauer zur Staumauer“, hatte er Anfang Oktober erklärt. „Dann bekommen die Menschen das Gefühl, das jenseits der Brandmauer Leute sitzen, die es womöglich besser hinbekommen. Und dann wird die Brandmauer womöglich irgendwann obsolet, weil ein Regieren ohne die AfD nicht mehr möglich sein wird.“ Im Podcast „Elefantenrunde“ von Hajo Schumacher stimmte der Politikberater Frank Stauss dem zu. Es sei „extrem fatal“, wenn CDU-Politiker ausstrahlten, „wir könnten eigentlich viel mehr erreichen, wenn wir mit denen was zusammen machen würden“.Stauss zeigte sich „überrascht“ und „dankbar“, dass Friedrich Merz im Vorfeld der Klausur auf eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung verwiesen hatte, aus der hervorgegangen war, dass die AfD „im Spektrum der rechtsvölkischen, nationalen, extremistischen Parteien in Europa zu den extremistischsten“ zähle, deren erklärtes Ziel es sei, die konservativen Parteien „zu vernichten“. Die Einstufung der AfD als „Hauptgegner“ durch Merz bewertete der Politikberater als „sehr, sehr klares Statement“ in bislang unbekannter Deutlichkeit. Dafür habe sich der Bundeskanzler mit seiner „Stadtbild“-Aussage wiederum am „Erzählungsduktus der AfD“ bedient.Lesen Sie auch„Was soll das mit dem Stadtbild? Das ist einfach Bullshit“, beanstandete Stauss. Er sei im baden-württembergischen Wiesloch mit Gastarbeiter-Familien aufgewachsen, die seit den 1950er Jahren das Stadtbild der Republik prägten. Merz sei „einfach eine Provinz-Nase“, urteilte der frühere Organisator von SPD-Kampagnen für Klaus Wowereit oder Hannelore Kraft.Weniger nachsichtig zeigte sich Stauss mit Jens Spahn, dessen Verteidigung des CDU-Vorsitzenden alles „verschlimmbessert“ habe. Während er Merz „noch den ‚Benefit of the Doubt‘“ zugestehe, sei der CDU-Fraktionsvorsitzende „einfach ein Spießbürger, ein ausländerfeindlicher Rassist. Das ist er. Das beweist er eigentlich immer wieder.“„Unboxing News“: „Die AfD weiß, dass sie Agenda-Setzerin ist“„Wir sind das letzte Bollwerk, was aus Sicht der AfD zwischen ihr und der Macht steht“, sagte Andreas Bühl, Vorsitzender der CDU-Fraktion Thüringen, mit robuster Attitüde bei „Unboxing News“ von „Deutschlandfunk Nova“. „Wir haben eine hohe Verantwortung, dass wir das verhindern, damit nicht Leute wie Björn Höcke hier in Thüringen den nächsten Ministerpräsidenten stellen.“ Aus seiner Sicht brauche es ein „konkretes Umsteuern in vielen Punkten“, wie es die Bundesminister Alexander Dobrindt in der Migration und Katherina Reiche in der Wirtschaft bereits vorgelegt hätten, um gegen den politischen Gegenspieler vorzugehen. „Wenn wir diese großen Themen abräumen und dafür Antworten liefern, dann hat man schon mal viel getan, um der AfD was entgegenzusetzen.“Lesen Sie auchIn derselben Ausgabe des Podcasts gestand Populismus-Forscher Marcel Lewandowsky, „immer wieder überrascht“ zu sein, dass die Union „zu doch sehr ähnlichen strategischen Schlussfolgerungen“ komme. „Am Ende heißt es immer, man müsse die AfD inhaltlich und durch ‚gute Politik‘ stellen. Ich habe aber immer den Eindruck, man weiß gar nicht so richtig, was das ist“, gab er gegenüber Moderation Rahel Klein zu Protokoll. „Es hat so etwas Appellhaftes, aber eine richtige entwickelte Strategie kann ich da eigentlich gar nicht sehen.“Er nehme es Merz ab, dass dieser kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit der AfD habe. Gleichwohl gebe es eine „inhaltliche“ und „sprachliche Annäherung“ an die Partei, die ebendieser helfe. „Wenn die konservativen Parteien in solchen gesellschaftspolitischen Fragen – vor allem der Migration – nach rechts rücken, wie man so sagt, dann nützt das auf der Wählerebene vor allem eben den ganz rechten Parteien“, führte Lewandowsky aus. Es verwundere, dass sich die etablierten Parteien „teilweise gar nicht mehr als Agenda-Setzer zu sehen scheinen, sondern der AfD hinterherlaufen und versuchen, sie wieder einzufangen“, beurteilte der Politikwissenschaftler. „Und die AfD weiß, dass sie Agenda-Setzerin ist.“‚Podcast-Radar‘ von vergangener Woche: „Die SPD hat den Ernst der Lage nicht verstanden“ – „Absoluter Wahnsinn“ um Wehrdienst-Modell
Podcast-Radar: „Merz ist einfach eine Provinz-Nase, Spahn ein Rassist“ - WELT
Es spitzt sich zur Gretchenfrage der Union zu: Wie umgehen mit der AfD? Im Anschluss an eine zweitägige Präsidiumsklausur erhob Bundeskanzler Merz die Partei zwar zum „Hauptgegner“, doch eine strategische Neuausrichtung scheint fraglich. Das Dilemma der Union dominiert die deutschen Podcasts.










