Spanien ermöglicht die Einbürgerung von Zehntausenden Personen, die in der Westsahara geboren sind. Das Parlament in Madrid hat am Donnerstag einem entsprechenden Gesetzentwurf der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez zugestimmt. Demzufolge können alle Personen, die vor der Unabhängigkeit am 29. September 1977 in der ehemaligen spanischen Kolonie in Nordafrika geboren wurden, die spanische Staatsbürgerschaft beantragen. Auch deren Kinder sollen damit ein Recht auf die Einbürgerung erhalten. Dem Gesetzentwurf stimmten insgesamt 168 Abgeordnete zu und 31 dagegen. 145 Parlamentsmitglieder enthielten sich.Durch das neue Gesetz erhalten Schätzungen zufolge 80.000 bis 120.000 Personen das Recht auf Einbürgerung in Spanien. Die sahrauisch-spanische Abgeordnete Tesh Sidi von dem linken Koalitionspartner Sumar feierte die Abstimmung als Korrektur einer „historischen Ungerechtigkeit“. „Bislang mussten Sahrauis zehn, 14 oder sogar 24 Jahre warten, um die spanische Staatsangehörigkeit zu beantragen, obwohl sie einen spanischen Vater und einen rechtmäßigen Wohnsitz hatten“, sagte sie. „Sich der Stimme zu enthalten oder mit Nein zu stimmen bedeutet, sich auf die Seite Marokkos zu stellen.“ Lange hatte Madrid die marokkanischen Autonomiepläne für die Westsahara nicht anerkannt. Erst 2022 hat Madrid diese und damit die marokkanische Hoheit über das Gebiet offiziell unterstützt.Das Gesetz zur Einbürgerung dürfte die Spannungen zwischen Madrid und Rabat nun weiter verschärfen, nachdem die Beziehung nach dem Ansturm von 80.000 Migranten aus Marokko auf die spanische Exklave Ceuta Ende Juli ohnehin schon weiter belastet wurde.