Die niederländische Diskuswurf-Europameisterin Jorinde van Klinken sah sich am vergangenen Wochenende zu einem Satz veranlasst, der dem internationalen Leichtathletikverband zu denken geben sollte: „Da aus World Athletics inzwischen World Running geworden ist, werde ich nun meine Saison beenden und mir die dringend benötigte Auszeit nehmen“, schrieb die 26-Jährige auf Instagram.Es wäre leicht, van Klinkens Kritik für überzogen zu halten. World Athletics hat in den vergangenen Jahren vergleichsweise viel getan, um auch Athleten aus den weniger populären (Wurf- und Sprung-)Disziplinen finanziell zu unterstützen. Sie hat damit aber auch einen wunden Punkt der Ultimate Championships getroffen, dem Extraklasse-Meeting von World Athletics, das von diesem Freitagabend an (19.00 Uhr im ARD-Livestream) erstmals ausgetragen wird.Die Verkürzung geht auf Kosten ganzer DisziplinenEine Veranstaltung mit drei Abendsessions kann unmöglich alle Disziplinen umfassen. In Budapest fehlen unter anderem der Kugelstoß und der Diskuswurf. Im Dreisprung gibt es nur einen Wettbewerb für die Frauen, im Hammerwurf nur für die Männer. Und vielleicht liegt der Reiz dieses Formats auch gerade darin, sich im Stadion nicht zwischen mehreren Events entscheiden zu müssen.Bei den Ultimate Championships geht die notwendige Verkürzung allerdings auf Kosten ganzer Disziplinen. World Athletics will die Sportart attraktiver machen, indem es die besten Athleten der Welt zusammenbringt. Doch indem der Verband entscheidet, welche Disziplinen er ins Programm aufnimmt, legt er auch fest, welche Leistungen als publikumswürdig gelten – und welche nicht.Nicht interessant genug? Jorinde van Klinken legt den Diskus für dieses Jahr zur Seite.ReutersFür Athletinnen wie van Klinken, die von der zusätzlichen Aufmerksamkeit profitieren könnten, bedeutet das: Ihnen bleibt nicht nur der Start verwehrt. Sie haben auch keine Chance auf das Preisgeld, das World Athletics als eine neue Wertschätzung für die Athleten versteht. Werfer und Springer haben es ohnehin schwerer als Läufer, Sponsorenverträge zu bekommen, und ausgerechnet ihnen wird die Möglichkeit genommen, sich zu zeigen.Die Leichtathletik kann sich nicht darauf verlassen, dass ihr Status als Kernsportart ausreicht, um auch abseits von Olympischen Spielen ein großes Publikum zu erreichen. Sie muss sich verändern, wenn sie vor allem für jüngere Menschen wieder interessant werden will. Aber Leichtathletik heißt auf Englisch nicht ohne Grund „track and field“. Kaum eine andere Sportart vereint so viele unterschiedliche Bewegungsformen. Die Leichtathletik lebt von ihrer Breite: vom kurzen Sprint bis zum langen Marathon, vom explosiven Sprung bis zum komplexen Wurf.Indem World Athletics Disziplinen aus dem Programm streicht, von denen der Verband annimmt, dass sie die Zuschauer weniger interessieren als andere, riskiert er, dass bei den Athleten der Eindruck entsteht, ihre Disziplinen seien nicht so wichtig. Dabei ist nicht jede weniger beachtete Disziplin uninteressant, möglicherweise wird sie auch nur nicht interessant genug erzählt.„Das ist keine Leichtathletik, und es ist nicht gut für unseren Sport. Hört auf, uns auszuschließen“, fordert Dreisprung-Olympiasieger Pedro Pichardo aus Portugal. World Athletics sollte nicht den Fehler machen, zu glauben, dass die Leichtathletik nur eine Zukunft hat, wenn sie sich auf einige wenige Disziplinen reduziert. Die Besten der Welt sind nicht die ganze Leichtathletik.