PfadnavigationHomeSportLeichtathletikWorld Athletics Ultimate ChampionshipsFür die deutschen Leichtathletinnen bleibt beim neuen Premium-Event nur die ZuschauerrolleStand: 12:19 UhrLesedauer: 5 MinutenOlympiasiegerin Yemisi Mabry darf in Budapest nicht startenQuelle: NICOLAS TUCAT/AFPBei der ersten Austragung der World Athletics Ultimate Championships werden in 13 olympischen Einzeldisziplinen nur fünf deutsche Aktive starten – und zwar ausschließlich Männer.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDie Ernüchterung unter den deutschen Leichtathleten dürfte seit Wochenbeginn groß sein. Zugeben möchte das niemand, doch die am Montag durch den Weltverband erfolgte Nominierung der Starterfelder für den Saisonhöhepunkt zeigt, was die zahlreichen Medaillengewinne bei den Europameisterschaften im Vormonat in Birmingham im Vergleich zu den Leistungen mit den Weltbesten wert sind. Wenn sich ab Freitag in Budapest an drei Abenden die Elite zu ihren ersten World Athletics Ultimate Championships trifft, werden in den jeweils 13 olympischen Einzeldisziplinen beider Geschlechter nur fünf deutsche Aktive starten – und zwar ausschließlich Männer.Dass keine einzige deutsche Frau als Solistin zu sehen sein wird, liegt auch am Gutdünken des Veranstalters, dessen Ansinnen es ist, nur die aus seiner Sicht attraktivsten und am meisten Dramatik versprechenden Wettbewerbe zu präsentieren. „Der Rhythmus der Wettkämpfe, das Tempo, die Inszenierung in Zusammenarbeit mit den Fernsehsendern soll der Leichtathletik neue Impulse verleihen“, sagt Sebastian Coe, Präsident des Weltverbandes, im Gespräch mit WELT und fügt hinzu: „Ich möchte neue Zielgruppen begeistern, die vielleicht nicht von Natur aus Leichtathletik-Fans sind, und gleichzeitig die traditionellen Fans wie mich nicht vor den Kopf stoßen.“Lesen Sie auchDie Disziplinen seien laut Coe keinesfalls willkürlich ausgewählt worden. „Das wissen wir durch unsere Marktforschung“, erzählt der 69-jährige Brite, der sein neues Premium-Event künftig alle zwei Jahre im Wettkampfkalender verankern möchte. „Wir sprechen mit Fans, sowohl digital als auch persönlich, analysieren ihre Reaktionen auf unsere Meisterschaften und messen sogar Pulsfrequenzen und andere physiologische Reaktionen während der Übertragung.“Malaika Mihambo verletztZu den Aussortierten durch die Marktanalyse gehören unter anderem die Kugelstoßerinnen. Sie werden nicht in Aktion zu sehen sein, was besonders bitter für Yemisi Mabry ist. Die Rheinländerin wäre so wie alle Olympiasieger von Paris, die vorjährigen Weltmeister von Tokio und die Gewinner der Diamond-League-Serie automatisch für die Ultimate Championships qualifiziert gewesen. Die restlichen Startplätze – im Sprint und auf den Mittelstrecken sind es bis zu 16, in den Sprung- und Wurfdisziplinen acht – wurden über die Weltranglisten vergeben.Als aktuelle Zweitplatzierte im Weitsprung-Ranking hätte auch an Malaika Mihambo beim Stelldichein der Superstars kein Weg vorbeigeführt. Im Gegensatz zum Kugelstoßen wird ihre Disziplin ausgetragen. Die Erfolgreichste ihrer Zunft im zurückliegenden Jahrzehnt musste ihre Saison jedoch wegen einer Oberschenkelverletzung vorzeitig beenden, was angesichts der reizvollen Preisgelder noch zusätzlich traurig stimmt.Lesen Sie auchDer Weltverband schüttet so viel Geld aus wie noch nie für eine Meisterschaft – insgesamt zehn Millionen US‑Dollar. Keiner der 381 Nominierten aus 65 Ländern wird ohne Zuverdienst heimkehren. Das Mindestsalär liegt bei 2000 US‑Dollar. Die 26 Siegerinnen und Sieger der Einzeldisziplinen kassieren 150.000, die Zweitplatzierten 75.000, die Drittplatzierten 40.000 US‑Dollar. Bei den beiden Mixed-Staffeln beträgt das Preisgeld für die Plätze eins bis drei 80.000, 40.000 und 24.000 US-Dollar.„Das sind natürlich Prämien, die einen zusätzlichen Motivationsschub auslösen“, bekennt Julian Weber. Neben dem zweimaligen Europameister im Speerwerfen vertreten Robert Farken über 1500 Meter, die 400-Meter-Hürdenläufer Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz sowie Hammerwerfer Merlin Hummel als Einzelkämpfer die deutschen Farben. Wobei Weber die größten Chancen besitzt, das Wettkampfjahr als „Champion der Champions“ zu krönen.Speerwerfer Weber: „Ich bin heiß auf ein Happy End.“Am Sonntag gilt es für den 32-jährigen Mainzer, der seit sechs Jahren beim SC Potsdam unter Burkhard Looks trainiert. Noch fehlt dem Sportsoldaten ein bedeutsamer Triumph über den europäischen Kontinent hinaus. Vergeblich versuchte er bislang, sich einen Podestplatz bei Olympischen Spielen oder Welttitelkämpfen zu sichern. Das Pech scheint förmlich an seinem Speer zu kleben: vierter Platz bei den Sommerspielen in Tokio 2021. Damals fehlten ihm 14 Zentimeter auf Bronze. Vierter Platz bei der WM 2022 in Eugene/USA und wieder ein vierter Rang bei der WM ein Jahr später in Budapest. Bei den Sommerspielen in Paris kam der muskelbepackte Hüne auf Rang sechs, vor zwölf Monaten bei der WM in Tokio wurde er als Favorit lediglich Fünfter.Es sei längst überfällig, sagt Weber, dass er sein Trauma der Erfolgslosigkeit bei globalen Großereignissen überwindet. Dabei sei nicht das Mentale das Problem, sondern das Körperliche. Eine Tendinopathie hielt ihn immer wieder vom kontinuierlichen Training ab, die schmerzhafte Erkrankung der Achillessehne wollte einfach nicht besser werden. Hinzu kamen Rücken- und Schulterprobleme. Irgendeine Malaise habe er immer, doch er vermag es auch, sich stets durchzubeißen.Wozu Weber selbst in scheinbar ausweglosen Situationen in der Lage ist, bewies er erst unlängst bei seinem zweiten EM-Sieg. Als keiner mehr an einen Titelgewinn glaubte, holte er im letzten Versuch zum ganz großen Wurf aus und schleuderte das 800 Gramm schwere Gerät auf 90,40 Meter. So weit hatte in der Geschichte dieser Meisterschaften noch keiner geworfen.Lesen Sie auchMit dieser Weite rangiert er in der diesjährigen Weltbestenliste hinter Rumesh Tharanga Pathirage aus Sri Lanka auf Platz zwei. Der 23-jährige Asiate steht mit 92,62 Metern zu Buche. „Rumesh“, anerkennt Weber, „hat sich grandios entwickelt. Das heißt aber nicht, dass er die Championships schon gewonnen hat.“ Zumal der Wettkampf nicht unter den bekannten Regeln ausgetragen wird, mit jeweils sechs Versuchen für jeden Werfer. In Budapest haben alle acht Qualifizierten nur zwei Versuche, danach verbleiben die sechs Besten im Wettbewerb, wobei zum vierten und letzten Versuch nur noch die vier Führenden antreten dürfen. Weber ist „sehr gespannt auf das kurzweilige Format“ und beschreibt seine Ambitionen für den finalen Auftritt mit den Worten: „Ich bin heiß auf ein Happy End.“