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Die Stimmung an den Finanzmärkten, hier die Börse in New York, trübt sich zunehmend ein. Foto: Bloomberg Finanzmärkte: Am Anleihemarkt braut sich der perfekte Sturm zusammen Die Renditen wichtiger Anleihen erreichen Niveaus wie zuletzt zu Finanzkrisenzeiten. Dahinter stehen mehrere Faktoren, die sich gegenseitig noch verstärken. Eine brisante Lage.

Rund fünf Prozent – so viel Rendite pro Jahr bringt die zehnjährige US-Staatsanleihe gerade, einer der wichtigsten Bonds weltweit. 3,5 Prozent sind es bei der zehnjährigen Bundesanleihe. Zuletzt hatte sie solch einen Wert im Finanzkrisenjahr 2009 erreicht. 4,4 Prozent muss das hochverschuldete Frankreich zahlen, 5,4 Prozent Rendite verlangen Investoren bei Gilts, den britischen Staatsanleihen.Die allgemein erwartete Anhebung des Leitzinses der Europäischen Zentralbank (EZB) um einen Viertelprozentpunkt auf 2,5 Prozent am Donnerstag war am Anleihemarkt nur Begleitmusik. Die Renditen kennen derzeit ohnehin nur eine Richtung: weiter nach oben.Dahinter steckt ein unguter Mix verschiedener Faktoren, deren Effekte sich oft überlagern und gegenseitig noch verstärken. Am Anleihemarkt braut sich nicht weniger als ein perfekter Sturm zusammen. Noch hoffen viele, dass er vorüberzieht. Und wenn nicht? Dann dürften die derzeitigen Rekordstände bei den Anleiherenditen noch nicht der Schlusspunkt sein.Hyperscaler Am Anleihemarkt entbrennt der Kampf ums Kapital Weil Hyperscaler wie Amazon, Meta oder Alphabet immer mehr Unternehmensanleihen ausgeben, wird die Konkurrenz für Staatsanleihen größer. Welche Folgen das hat. von Saskia LittmannInflation setzt Notenbanken unter DruckMit der US-Notenbank Fed und der Bank of Japan (BoJ) entscheiden kommende Woche zwei weitere wichtige Notenbanken über ihre Leitzinsen. Auch wenn die BoJ traditionell etwas vorsichtiger agiert als Fed und EZB, ist die Datenlage nun ein starkes Argument für Erhöhungen. In beiden Fällen wird mehrheitlich mit solch einer Entscheidung gerechnet.Kreml-Finanzen Anatomie der putinschen Schattenflotte Russland verkauft trotz harter Sanktionen weiter massenhaft Öl. Über neue Routen und Drehkreuze fließen Milliarden in die Kriegskasse. Diese Datenrecherche zeigt das Ausmaß. von Thomas StölzelIn den USA werden vor allem die Inflationsdaten für den August als richtungsweisend angesehen; sie sollen am Freitagnachmittag veröffentlicht werden. Je höher die US-Inflation ausfällt, desto eher dürfte auch die Fed zu einer Zinserhöhung gezwungen sein. Sollten die Daten hingegen positiv überraschen, dürfte sich der Anleihemarkt zumindest kurzfristig etwas entspannen.„Das sind beunruhigende Zeiten“Investoren nehmen höhere Leitzinsen teils schon vorweg, indem sie höhere Renditen einpreisen. Das drückt die Kurse von Anleihen und treibt deren Renditen. Beide entwickeln sich stets spiegelbildlich. „Das Erreichen von fünf Prozent bei der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sieht hier eher wie eine Unvermeidlichkeit als wie eine Prognose aus“, sagte Padhraic Garvey, Analysechef bei der Großbank ING. „Das sind beunruhigende Zeiten für die Anleihemärkte.“Problematisch sind die Zinsentscheidungen vor allem, weil höhere Leitzinsen die Konjunktur tendenziell belasten. Unternehmen müssen für Kredite mehr zahlen, Verbraucher konsumieren weniger. Eine schwächelnde Konjunktur aber konterkariert die Hoffnungen, dass Staaten wie die USA durch einen wirtschaftlichen Aufschwung aus ihren hohen Schulden herauswachsen.Das Schreckgespenst der Stagflation – also einer Kombination aus steigenden Preisen und schwächelnder Wirtschaft – verunsichert Investoren. Sollen sie ihr Geld jetzt auf längere Zeit zu festen Zinsen anlegen? Welchem Schuldner können sie noch vertrauen?Anleihen Was passiert, wenn die Renditen weiter steigen? von Susanne Bickel und Saskia LittmannUS-Finanzminister Bessent enttäuscht die MärkteAuch die Staaten selbst belasteten den Bondmarkt zuletzt zusätzlich. Japan verkaufte mehrfach im großen Stil US-Staatsanleihen, um so die schwache eigene Währung, den Yen, zu stützen. Die japanischen Devisenreserven fielen im August nach Daten des nationalen Finanzministeriums um gut sechs Prozent gegenüber dem Vormonat, so stark wie nie zuvor in der Aufzeichnung.Die USA wollten den Markt für US-Staatsanleihen jüngst eigentlich beruhigen, mit einer Ausweitung ihres Rückkaufprogramms. Doch US-Finanzminister Scott Bessent enttäuschte. Zwar hatte er am Mittwoch angekündigt, länger laufende US-Staatsanleihen im Volumen von bis zu sechs Milliarden Dollar zurückzukaufen. Damit hielt er Wort: Ursprünglich hatte er im August nur davon gesprochen, die Rückkäufe von zwei Milliarden Dollar wenigstens verdoppeln zu wollen.Wirklich gekauft wurden dann aber nur Treasuries – also US-Staatsanleihen – für gut fünf Milliarden Dollar. Zudem hatten Anleiheinvestoren ohnehin mit noch mehr Rückkäufen gerechnet. Schon nach Bekanntgabe der Pläne stiegen die Renditen der Treasuries einfach weiter.Bessent gab sich danach trotzdem gelassen. Der Markt für Treasuries sei in sehr guter Verfassung, sagte er in einem Interview mit dem konservativen Politikstrategen Steve Bannon. Es klang mehr nach Selbstvergewisserung denn nach nüchterner Analyse. 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