Nach einer besonders langen Sommerpause von vier Monaten geht es in die nächste »Tatort«-Saison. Ab jetzt werden die neuen Folgen schon ab Freitag in der ARD-Mediathek abrufbar sein, bevor sie am Sonntag im Ersten in der linearen Ausstrahlung zu sehen sind. Den Auftakt macht ein neuer Fall von Kommissarin Lindholm.

Das Szenario:Wettlauf gegen das Vergessen. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) erhält von einem Kollegen den Hinweis, dass in einem Demenzdorf unerkannt ein Serienmörder lebe. Das Problem: Hauptkommissar Vogel (Andreas Lust) leidet selbst unter schleichendem Gedächtnisverlust und ist eigentlich vom Dienst suspendiert. Energisch liefert er eine Indizienkette, weshalb der alte hilflose Mann in der Unterbringung ein »dissozialer Psychopath« sei, der drei Kinder und vier Erwachsene ermordet habe. Seine zusehends fahrigeren Ausführungen untermauert Vogel stets mit der Redewendung: »Ich sag’s, wie es ist.« Aber sagt er wirklich immer noch, wie es ist oder war, oder ist er längst selbst Opfer einer beginnenden Demenz?

Der Clou:Gesellschaft ohne Gedächtnis. Im Jahr 2030 werden drei Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt sein, heißt es einmal im Laufe der Handlung. Trotz solcher Informationseinschübe ist dieser »Tatort« kein Themenfilm, der sich sozialpolitisch an einer Problemlage abarbeitet. Stattdessen liefert Regisseur und Autor Alexander Adolph, der zuvor unter anderem die sensationelle Münchner »Polizeiruf«-Folge »Morgengrauen« gedreht hat, einen Ermittlungsthriller, der den Erinnerungsdefekt lustvoll, manchmal unerwartet lustig zum Teil der Erzählung macht. Damit holt er die Erkrankung sehr effizient ins Bewusstsein der Fernsehöffentlichkeit.