Unsere frühere Berliner-Zeitung-Kollegin Eva Corino schreibt in ihrem Nachruf auf ihren Vater Karl Corino: „Von 1970 bis 2002 war Corino als Literaturredakteur des Hessischen Rundfunks tätig.“ Der Satz klingt nach einer ganz normalen – sehr langen – Station in einem Journalistenleben. Sie weist im Weiteren darauf hin, was daran so besonders war.Denn Karl Corino, der am 9. September im Kreise seiner Familie gestorben ist, nutzte seine Stelle beim öffentlich-rechtlichen Radio, um Brücken in die DDR zu bauen. „Transit“ hieß die Sendung, in der er Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem Osten zu Wort kommen ließ. Volker Braun, Sarah und Rainer Kirsch und Ulrich Plenzdorf interviewte er, er holte Christa Wolf ins Studio, als sie 1974 zu Besuch auf der Frankfurter Buchmesse war. Corino widmete sich auch Autoren, die in der DDR nicht publizieren konnten, und solchen, die in den Westen gegangen waren und ein Publikum suchten. Darüber wurde noch Anfang der Neunzigerjahre viel gesprochen.
Die Stasi schrieb mit
Er brachte Reiner Kunze ins Gespräch und verschaffte ihm den Kontakt zum S.-Fischer-Verlag für sein Buch „Die wunderbaren Jahre“, er sendete Manuskripte von Wolfgang Hilbig und Gert Neumann. „Corino wird als ein ,ausgezeichneter Kenner der DDR-Kulturszene‘ bezeichnet. Seine Fachgebiete sind Literatur und Theater“, heißt das in einem 1977 von der Staatssicherheit der DDR erstellten Dossier über ihn. Man kann überhaupt einiges über seine Arbeit nachlesen bei der Stasi: wie oft er in die DDR reiste zum Beispiel und dass er sich besonders auf Literaten konzentriere, „die in bestimmten Fragen eine abweichende Haltung zur sozialistischen Kulturpolitik der DDR einnehmen“.








