Die Huthi erobern die Hafenstadt Mocha: Jetzt kontrolliert Iran auch noch den Zugang zum Roten MeerNach heftigen Kämpfen fiel die Kleinstadt an der jemenitischen Westküste an die proiranischen Milizionäre. Die Niederlage ist nicht nur ein Debakel für Jemens offizielle Regierung.10.09.2026, 16.23 Uhr3 LeseminutenKämpfe in Mocha: Die jemenitische Hafenstadt wurde am Mittwochabend von den Huthi erobert.Abdulnasser Alseddik / APDie Angreifer kamen in der Dämmerung, unter dem Schutz von Raketen und Granaten. Immer wieder gingen ihre Geschosse auf Mocha nieder. Am Mittwochabend gegen acht Uhr Lokalzeit hatten die Verteidiger offenbar genug.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zuerst, so sagt ein Jemen-Kenner, seien die Eliteeinheiten abgezogen, danach die saudischen Berater. Am Ende hätten auch die einfachen jemenitischen Regierungssoldaten das Weite gesucht.Seither ist Mocha, die triste, staubige Hafenstadt an Jemens Westküste, in der Hand der Huthi. Die zur Staatsmacht mutierten Bergkrieger, die seit 2015 weite Teile Nordjemens beherrschen, erzielten damit einen ihrer grössten militärischen Erfolge der letzten Jahre.Den Huthi gelingt ein CoupMocha war die letzte Stadt unter Kontrolle der Regierungstruppen am Roten Meer. Mit der Eroberung der Kleinstadt, die aus ärmlichen Betonblöcken und ein paar sandverwehten Strassen besteht, gelang den von Iran unterstützten Huthi ein besonders grosser Coup.Sie kontrollieren jetzt nämlich auch die nahe gelegene Meerenge von Bab al-Mandab – jenes «Tor der Tränen», welches das Rote mit dem Arabischen Meer verbindet und das für den Welthandel von grosser Bedeutung ist.Von nun an können die Huthi den Schiffsverkehr dort nach Belieben lahmlegen. «Der Fall von Mocha ist deshalb ein geopolitisches Erdbeben», sagt der Jemen-Experte Farea al-Muslimi von der Denkfabrik Chatham House.Dem Kollaps waren heftige Kämpfe zwischen den Huthi und den jemenitischen Regierungstruppen vorausgegangen. Die Rebellen und die international anerkannte Regierung bekämpfen sich seit 2015. Damals hatten die Huthi in der Hauptstadt Sanaa die Macht an sich gerissen.Ignoranz und StreitereienDanach war der Konflikt eingeschlafen. Jüngst eskalierte er jedoch. Schuld daran ist der Iran-Krieg der Israeli und der Amerikaner. Sowohl die mit Saudiarabien verbündeten Regierungstruppen als auch die Huthi versuchen seither, sich das Chaos am Golf zunutze zu machen.Dabei erweisen sich die von Iran unterstützen Huthi im Augenblick als weitaus erfolgreicher. «Die Regierung hingegen hat die Kampfkraft der Huthi komplett unterschätzt», sagt Muslimi. Diese Ignoranz habe massgeblich zum Debakel in Mocha beigetragen.Schuld am Huthi-Vormarsch sind aber auch interne Streitigkeiten im Regierungslager. Denn die Anti-Huthi-Front ist eine zusammengewürfelte Koalition aus Stammeskriegern, Islamisten und südjemenitischen Separatisten, die wenig zusammenhält.In letzter Zeit hatten sich die Anti-Huthi-Kämpfer sogar gegenseitig bekämpft, als von Saudiarabien unterstützte Gruppen in Südjemen gegen separatistische Verbündete der Vereinigten Arabischen Emirate ins Feld zogen.Eine Katastrophe für SaudiarabienDabei müssten beide Golfmächte eigentlich ein Interesse daran haben, die Huthi kleinzuhalten. Sowohl Riad als auch Abu Dhabi hatten die jemenitische Regierung jahrelang mit Waffen, Luftangriffen und Geld in ihrem Kampf gegen die Rebellen unterstützt. Zudem leiden beide unter iranischen Angriffen auf ihre Infrastruktur.Doch Zerstrittenheit, Chaos und Misstrauen machen eine koordinierte Reaktion schwer. Dabei hätten die Regierungstruppen und ihre Unterstützer eigentlich gewarnt sein müssen. Schliesslich widerstanden die Huthi in den letzten Jahren nicht nur ihren Gegenangriffen.Sie überlebten auch eine heftige Bombenkampagne der Israeli und der Amerikaner während des Gaza-Kriegs. Washington und Jerusalem wollten die Huthi damals für ihre Unterstützung der palästinensischen Hamas und den Beschuss von Schiffen bestrafen.Trotzdem wirken die eigentlich als geschwächt geltenden Huthi heute stärker denn je. Vor allem für Saudiarabien ist das eine Katastrophe. Denn spätestens seit der Sperrung der Strasse von Hormuz laufen fast alle Ölexporte Riads durch das Rote Meer.«Für Teheran ist das ein grosser Sieg»Jetzt ist auch noch dessen Südausgang gesperrt – und das ausgerechnet durch einen Verbündeten Irans. «Für Teheran ist das ein grosser Sieg», sagt Farea al-Muslimi. «Die Iraner beherrschen jetzt neben der Strasse von Hormuz auch die zweite wichtige Meerenge des Nahen Ostens.»Viele Optionen bleiben den Saudi und ihren jemenitischen Verbündeten nicht. Riad hatte noch versucht, die Lage zu beruhigen, und etwa Pakistan darum gebeten, via Iran auf die Huthi einzuwirken. Allerdings ohne Erfolg, wie der Fall von Mocha zeigt.Am Donnerstag schlug Riad zurück und flog offenbar erste Angriffe auf die gefallene Stadt. Wirklich beeindruckt von den Bombardements scheinen die Huthi aber nicht zu sein. In den Tagen zuvor hatten sie auf ähnliche Angriffe mit einer Raketenbarrage auf saudische Ölanlagen geantwortet.Am Ende gehe es den Huthi und deren iranischen Verbündeten sowieso nicht um Mocha oder den Rest Jemens, sagt Muslimi. «Sondern hauptsächlich um die Kontrolle der Meerenge von Bab al-Mandab. Und die haben sie jetzt.» Sie von dort wieder zu verdrängen, dürfte schwierig werden.Passend zum Artikel
Huthi erobern Mocha – Iran kontrolliert das Tor zum Roten Meer
Nach heftigen Kämpfen fiel die Kleinstadt an der jemenitischen Westküste an die proiranischen Milizionäre. Die Niederlage ist nicht nur ein Debakel für Jemens offizielle Regierung.










