Die Huthi-Miliz hat die Kontrolle über die strategisch wichtige Hafenstadt Mokha an der Westküste des Jemens übernommen. Das berichteten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters am Donnerstag übereinstimmend unter Berufung auf jemenitische Militärkreise sowie Augenzeugenberichte. Damit kontrolliert die von Iran unterstützte Miliz einen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres. Außerdem hieß es, die Huthi hätten am Donnerstag die Insel Zuqar im Süden des Roten Meeres eingenommen. Die jemenitischen Streitkräfte zogen sich demnach nach Gefechten zurück und verlegten ihre Truppen südlich der Stadt Mokha, nahe dem Bab al-Mandab, neu.Der Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Die wegen der gefährlichen Navigationsbedingungen auch als „Tor der Tränen“ bekannte Meerenge ist eine der zentralen Strecken für den Transport von Rohöl und Kraftstoffen aus der Golfregion über den Suezkanal ins Mittelmeer sowie in umgekehrter Richtung für Handelsgüter mit Ziel Asien, darunter russisches Öl. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Irankriegs hat der Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen.Zentraler Handelsweg gekapptIn der vergangenen Woche hatte die Huthi-Miliz eine groß angelegte Offensive begonnen, die auf die Küstengebiete entlang der Meerenge abzielt. Damit versucht die Miliz, sich eine entscheidende Position zu verschaffen, um Schiffe daran zu hindern, ein Nadelöhr des Welthandels zu passieren. Darüber hinaus gibt es ihnen die Möglichkeit, drei wichtige Versorgungslinien der von Saudi-Arabien gestützten Regierung im Süden des Landes abzuschneiden.Eine Blockade des Bab al-Mandab würde zudem auch für Golfstaaten wie ⁠Saudi-Arabien einen zentralen Handelsweg kappen. Bereits Ende Juli hatte die Miliz eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und greift seitdem immer wieder saudi-arabische Öltanker sowie Ölanlagen an.Mit der Einnahme Mokhas kontrollieren die Huthi nun einen Großteil der jemenitischen Westküste. Mokha, etwa 150 Kilometer entfernt von der Hafenstadt Hudaida, war bislang ein wichtiger Stützpunkt für jemenitische Regierungstruppen, die entlang der Rotmeerküste operieren. Die Einnahme der Stadt durch die Huthi-Miliz könnte nun zu einem vollständigen Rückzug der Regierungstruppen im Süden des Landes führen. Schon jetzt kontrollieren die Huthi weite Teile des Jemens, darunter die Hauptstadt Sanaa.Die von Iran unterstützte Miliz kämpft seit Jahren gegen die Regierung im Jemen. Seit dem Jahr 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe. Im Zuge des Irankriegs ist aber auch der Konflikt im Jemen wieder aufgeflammt. Die Feuerpause, die vor vier Jahren ausgerufen wurde, ist nach den Gefechten in der jüngsten Zeit praktisch hinfällig.