In eineinhalb Wochen wählen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Ähnlich wie in Sachsen-Anhalt könnte das eine richtungsweisende Wahl werden. Seit Jahrzehnten war das Land in SPD-Hand, doch aktuelle Umfragen sehen die AfD als stärkste Kraft. Drei Parteien kämpfen währenddessen um den Einzug in den Schweriner Landtag. Was macht die Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen der Parteien aus?Manuela Schwesig, SPD„Entweder ich oder die AfD“, lautet das inoffizielle Wahlkampfmotto von Manuela Schwesig. Die 52 Jahre alte Diplom-Finanzwirtin ist amtierende Ministerpräsidentin und übernahm das Amt 2017, nachdem ihr Vorgänger Erwin Sellering (SPD) aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Schwesig gehört zu den beliebtesten deutschen Politikerinnen und Politikern. In einer Umfrage des Instituts Infratest dimap vom 3. September gaben 60 Prozent der Befragten an, sie würden in einer Direktwahl Schwesig zur Ministerpräsidentin wählen. Den AfD-Kandidaten Leif-Erik Holm würden dagegen nur 25 Prozent der Befragten wählen.Doch die Beliebtheitswerte von Schwesigs Partei sprechen eine andere Sprache. Aktuelle Umfragen sehen die SPD bei rund 30 Prozent. Damit läge sie weit hinter ihrem Wahlergebnis der vergangenen Landtagswahl, die sie mit 39,6 Prozent klar gewann. Doch die Partei scheint aufzuholen – Anfang des Jahres sahen Meinungsforscher die SPD noch bei knapp 25 Prozent.„Entweder ich oder die AfD“: Die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) setzt auf ihre Beliebtheit.dpaKritisiert wurde Schwesig in der Vergangenheit vor allem für ihre Rolle bei der Gründung der Klimaschutzstiftung Mecklenburg-Vorpommern und dem Bau der Pipeline Nord Stream 2. Inhaltlich setzt die ehemalige Bundesfamilienministerin auf die Beibehaltung der beitragsfreien Kita und des Tariftreuegesetzes, das Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen zur Zahlung tariflicher Löhne verpflichtet. Die beitragsfreie Kindertagesförderung in Mecklenburg-Vorpommern wurde in Schwesigs erster Amtszeit als Ministerpräsidentin 2020 eingeführt und gilt ohne Enddatum.Überregional distanzierte Schwesig sich zuletzt immer wieder deutlich von der schwarz-roten Bundesregierung. Sie kritisierte die Rentenreform genau wie die Kürzungen im Gesundheitssystem oder beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende.Leif-Erik Holm und Enrico Schult, AfDDie AfD geht mit einer ungewöhnlichen Zweiteilung in die Landtagswahl: Enrico Schult ist Landes- und Fraktionsvorsitzender sowie Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl. Doch das macht ihn nicht zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, denn diese Rolle kommt seinem Ko-Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm zu.Spitzenkandidat und „Ministerpräsidentenkandidat“: die AfD-Doppelspitze Leif-Erik Holm und Enrico SchultPicture AllianceDer 56 Jahre alte Schweriner ist Bundestagsabgeordneter der AfD und gehört zu den Gründungsfiguren der Partei. Seit 2013 ist er AfD-Mitglied und fast genauso lange Landesvorsitzender. Sollte es nicht zu einer AfD-Regierung kommen, könnte Holm sein Mandat im Bundestag einfach behalten. Der gelernte Elektromonteur arbeitete jahrelang als Radiomoderator, unter anderem beim NDR. Den Rundfunkstaatsvertrag will er im Falle einer AfD-Regierungsverantwortung sofort kündigen. Holm ist nicht über die Landesliste abgesichert. Wen würden Sie wählen?Am 20. September 2026 findet die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern statt. Vergleichen Sie die Antworten der Parteien mit Ihren Standpunkten. Zum Wahl-O-Mat Anders als Enrico Schult: Der 47 Jahre alte Vermessungstechniker steht auf Platz 1 der Landesliste. Seit 2021 ist er Mitglied des Landtags, wo er sich vor allem den Themen Bildung und Finanzen widmete. Schult trat 2015 in die AfD ein und nennt „die Migrationskrise“ die „Mutter aller Krisen“. Die in Mecklenburg-Vorpommern viel diskutierten Nord-Stream-Pipelines möchte seine Partei wiedereröffnen und darüber Erdgas aus Russland beziehen.Simone Oldenburg, Die LinkeDie Spitzenkandidatur ist für Simone Oldenburg nichts Neues. Bereits 2021 war sie Spitzenkandidatin der Linken und wurde nach der Wahl Bildungsministerin sowie stellvertretende Ministerpräsidentin in der rot-roten Landesregierung. Bevor sie 2011 in den Landtag einzog, war die 57 Jahre alte Wismarerin zunächst kommunalpolitisch aktiv.Aus der Schule in den Landtag: Schulleiterin Simone Oldenburg (Die Linke) ist amtierende Bildungsministerin.dpaOldenburg war bis zum Eintritt in die Landesregierung Lehrerin und arbeitete mehr als 15 Jahre als Schulleiterin. Da überrascht es kaum, dass ihr Hauptthema Bildung ist. Daneben steht Oldenburg für antifaschistische Positionen ein. Im Wahlkampf tritt die Partei unter dem Slogan „Wir treten nach oben“ an.Daniel Peters, CDUUngewöhnliche Wahlkampfstrategien beherrscht Daniel Peters. In Mecklenburg-Vorpommern macht er gerade jedenfalls Wahlkampf mit einem Fischbrötchen-Slogan: Wie beim Fischbrötchen gelte, „die Mitte ist das Beste“. Außerdem wirbt der Rostocker auch auf dem Datingportal Tinder um Wählerstimmen – in der Hand ein Fischbrötchen. „Daniel, 45“ schreibt möglichen Nutzern: „Ich interessiere mich für dein Leben. Lass uns besprechen, was besser werden muss.“Fischbrötchen und Tinder: Daniel Peters (CDU) setzt auf ungewöhnliche Wahlkampfstrategien.dpaDer 45 Jahre alte Politikwissenschaftler ist seit April 2024 Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU. In den vergangenen Monaten kritisierte er immer wieder, dass der Wahlkampf auf ein Duell zwischen Schwesig und der AfD reduziert werde.Die aktuellen Umfragen sehen die CDU bei rund neun Prozent. Damit droht der Partei ihr schwächstes Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern und eines ihrer schwächsten Ergebnisse überhaupt.Claudia Müller, Bündnis 90/Die GrünenClaudia Müller sitzt im Bundestag, ist aber im Nordosten verwurzelt. Die 45 Jahre alte Spitzenkandidatin ist in Rostock geboren und studierte in Stralsund Baltic Management. Die Betriebswirtin ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2022 bis 2025 Teil der Bundesregierung – zunächst als Koordinatorin für maritime Wirtschaft und Tourismus, später als Parlamentarische Staatssekretärin im Landwirtschafts- und Bildungsministerium.Zurück aus Berlin: Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Müller war Teil der Ampelregierung.AFPAnfang des Jahres wurde Müller bei der Neuwahl der Grünen-Landesliste nach innerparteilichen Zerwürfnissen auf den Spitzenplatz gewählt. Inhaltlich setzt Müller Schwerpunkte auf Energiepolitik, eine starke maritime Wirtschaft und den Schutz der Ostsee.Umfragen sehen die Grünen derzeit bei fünf Prozent; ob sie in den Landtag einziehen, ist demnach unsicher.Peter Schabbel und Sabine Firnhaber, BSWDas BSW tritt im Nordosten mit einer Doppelspitze an. Peter Schabbel und Sabine Firnhaber führen die erst 2024 gegründete Landespartei in den Wahlkampf. Aktuelle Umfragen sehen sie bei vier Prozent und damit in der Nähe der Fünfprozenthürde. Ein Einzug in den Landtag gilt demnach aber als ungewiss. Landesvorsitzender Schabbel ist 1966 geboren und seit mehr als 30 Jahren selbständiger Heilpraktiker und Osteopath. Er ist ausgebildeter Fachkrankenpfleger und Rettungsassistent. Zu seinen Schwerpunkten zählt die Gesundheitspolitik.Neu im Landtagswahlkampf: Das BSW tritt mit dem Spitzenduo Peter Schabbel und Sabine Firnhaber erstmals in Mecklenburg-Vorpommern an.Omer MessingerFirnhaber ist Landwirtin und Unternehmerin. Ihre politische Laufbahn begann 2019 als Mitorganisatorin der Bauernproteste. 2020 wurde sie zur Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern gewählt, doch ihr Amt ruht im Zuge des Wahlkampfs gerade. Im Nordosten tritt das BSW mit dem Slogan „Frischer Wind in MV! Mit Vernunft. Für Gerechtigkeit“ an. Ebenso wie die AfD möchte das BSW die Nord-Stream-Pipelines wiedereröffnen und direkte Gaslieferungen aus Russland wieder in die Wege leiten.Jakob Schirmer und Jessica Mendle, FDPAuch die FDP ist mit einer Doppelspitze unterwegs: Jakob Schirmer und Jessica Mendle bilden das Spitzenduo der Partei. Im Wahlkampf präsentieren sie sich mit dem Slogan „Du willst was reißen? Wir auch“. Dass die Partei es über die Fünfprozenthürde schafft, gilt als unwahrscheinlich. 2021 zogen sie nach zehn Jahren wieder in den Landtag ein und besetzten fünf Sitze im Parlament in Schwerin. Wegen eines Übertritts und eines Austritts verloren sie aber ihren Fraktionsstatus und bilden seither eine Gruppe.Wollen etwas reißen: Jessica Mendle und Jakob Schirmer (FDP) kämpfen um den Einzug in den Schweriner Landtag.dpaSchirmer ist Jurist und setzt seine politischen Schwerpunkte in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Der Vierundvierzigjährige will einen schlanken, modernen Rechtsstaat. Mendle ist ausgebildete Krankenschwester und selbständige Unternehmerin. Inhaltlich setzt die Dreiundvierzigjährige Schwerpunkte in der Sozial- und Wirtschaftspolitik.
Wahl MV 2026: Wer sind die Spitzenkandidaten?
In Mecklenburg-Vorpommern geht der Wahlkampf in die entscheidende Phase. Wofür stehen die Spitzenkandidaten der Parteien?











