Außenminister Johann Wadephul hat die Erwartung geäußert, dass die Ukraine mehr Bestellungen bei der deutschen Rüstungsindustrie aufgibt. Er verwies am Mittwoch darauf, dass Deutschland der größte Unterstützer der Ukraine ist. „Und es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert“, sagte er in einem Podcast der „Bild“-Zeitung. Der CDU-Politiker sagte, „zum jetzigen Zeitpunkt“ sei man „nicht ganz zufrieden mit dem“, was es an Bestellungen in Deutschland gebe. Er habe darüber auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei seinem Besuch im August in Kiew gesprochen.Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte dazu, auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe gegenüber Selenskyj die Erwartung geäußert, dass Deutschland als größter Geldgeber für die Ukraine angemessen berücksichtigt werde.Berlin hat den EU-Kredit im BlickBerlin hebt lange schon den beiderseitigen Nutzen der Rüstungskooperation hervor, nicht nur wegen der Aufträge für die Rüstungsindustrie, sondern auch, weil Deutschland von den Erfahrungen der Ukraine und der technologischen Entwicklung – zum Beispiel bei den Drohnen – profitieren kann. Wadephul sagte dazu: „Wir haben interessante Start-ups, zum Beispiel im Drohnenbereich. Wir lernen ja auch als Deutsche sehr von der Kriegsführung dort.“Als größter Unterstützer der Ukraine zahlt Deutschland auch bilateral Hilfen an Kiew, in diesem Jahr sollen es 11,5 Milliarden Euro sein. In Berlin hat man bei dem Thema der Bestellungen aber vor allem den EU-Kredit über 90 Milliarden Euro in diesem und nächsten Jahr im Blick, von dem 60 Milliarden in die Rüstung fließen sollen. Mit dem Geld kann die Ukraine Bestellungen in Europa auslösen; an diesen hat auch Berlin Interesse.Eine besonders große Bestellung wurde zuletzt aber in Schweden vorgenommen – nachdem Stockholm alte Gripen-Kampfflugzeuge an Kiew überlassen hatte, wurden von der Ukraine neue Modelle bestellt. Berichten zufolge soll eine erste Tranche von 16 neuen Gripen an Kiew ein Auftragsvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro haben. Auch zwischen Paris und Kiew bahnen sich Verträge über Rafale-Kampfflugzeuge und SAMP/T-Flugabwehr an.Ukraine setzt auf verschiedene deutsche WaffenGleichwohl ist die Ukraine seit Jahren der Hauptempfänger deutscher Rüstungsexporte – meist als Teil der bilateralen Hilfe. Die Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen, dass Kiew auch im ersten Halbjahr 2026 klar an der Spitze liegt. Der Ukraine wurden Ausfuhrgenehmigungen im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro erteilt; danach folgen die USA mit 1,6 Milliarden Euro. Damit wurden für die Ukraine in diesem Jahr bereits mehr Rüstungsexporte genehmigt als 2025 (rund 2,2 Milliarden Euro). Aus der Bundesregierung hieß es erst vergangene Woche, dass man bald wieder Iris-T-Flugabwehrraketen an Kiew liefern werde und Tausende Kampfdrohnen.Kiew hat seit Beginn des russischen Angriffskrieges bei mehreren deutschen Rüstungsunternehmen Waffen unterschiedlichen Typs bestellt und ausgeliefert bekommen, darunter Luftverteidigungssysteme, Kampf- und Schützenpanzer, Panzerhaubitzen, Drohnen und Radarsysteme. Einer der wichtigsten Lieferanten ist Rheinmetall. Erst im Juni gab das Unternehmen einen Großauftrag für die Lieferung von 155-mm-Artilleriegeschossen und Treibladungen an die Ukraine im „hohen zweistelligen Millionenbereich“ bekannt.Zwar sind die deutschen Rüstungsexporte in die Ukraine weiterhin auf hohem Niveau, gingen 2025 aber stark zurück. 2024 hatte die Bundesregierung noch Ausfuhren im Wert von knapp 8,2 Milliarden Euro genehmigt, im vergangenen Jahr brach diese Zahl um mehr als 70 Prozent ein. Das dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass die Ukraine weitaus weniger auf ausländische Waffen angewiesen ist als zuvor. Die heimische Rüstungsindustrie macht sich immer unabhängiger vom Westen. 2025 wurden nach offiziellen Angaben nur 18 Prozent der Militärgüter importiert. Das Verteidigungsministerium teilte jüngst mit, dass von den rund 1500 neuen Waffen und Ausrüstungen, die dieses Jahr für die Streitkräfte freigegeben wurden, fast 91 Prozent in der Ukraine hergestellt wurden.