Man liebt Tennis ja nicht nur, weil es so ein großartiger Sport und so ein forderndes Spiel ist – sondern auch, weil binnen weniger Ballwechsel sehr schnell erkennbar ist, mit wem man es auf dem Platz zu tun hat. So ein Match ist einfach das beste Psychogramm: Steht da auf der anderen Seite eine Zaghafte mit wenig Körperspannung, erkennbar bemüht, ja keinen Fehler zu machen? Die geht bestimmt auch im echten Leben immer auf Nummer sicher.Oder rennt da ein Haudrauf über den roten Sand, der auf den gelben Filzball eindrischt, als würde er auch sonst am liebsten alles kurz und klein schlagen? Könnte unangenehm werden, lieber mal ruhig bleiben, bevor es eskaliert.Dann aber gibt es noch die, die noch einen weiteren Gegner ausmachen als den auf dem Platz. Sie beschimpfen den Wind, der einfach weht und ihre ach so präzisen Schläge aus der Bahn trägt; sie mosern über den nächtlichen Regen, der den Platz rutschiger gemacht habe. Wenn sie ein Break kassieren, wechseln sie danach mit Ansage den Schläger, weil an dem wird’s gelegen haben, an einem selbst: eher nicht.Eine Kollegin kommentierte dieses durchaus verbreitete Phänomen, mangelnde sportliche Erfolge durch externe Widrigkeiten zu erklären, einmal mit einem schön bodenständigen Spruch aus ihrer münsterländischen Heimat: „Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt’s an der Badebuxe.“Wobei die Verkehrung der Verhältnisse keine Spezialität von Amateuren ist. Bei der Dart-WM 2003 erklärte der englische Spieler Mervyn „The King“ King seine Niederlage mit der Klimaanlage in der Halle – deren Luftzug habe die Flugbahn seiner Pfeile beeinträchtigt. Blöderweise war das Gerät gar nicht eingeschaltet gewesen. Bei der Fußball-WM 2006 wiederum beschuldigten die Spieler aus der Ukraine arglose Frösche. Deren nächtelanges Gequake habe ihnen den Schlaf und damit so viel Energie geraubt, dass sie praktisch zwangsläufig von den Spaniern vom Platz gefegt werden mussten.Und damit zu einem aktuellen sportlichen Großereignis, den US Open, bei denen Tennis gespielt wird, und zwar auch noch von Deutschlands Nummer eins, Alexander Zverev. Betrachtet man seine Karriere, scheint er Badebuxen-Argumentationen zumindest nicht abgeneigt zu sein. Legendär, wie er nach seinem Ausscheiden bei den BMW Open in München 2024 zeterte, bei so einem Wetter sei es für ihn „unmöglich zu gewinnen“. Es hatte genieselt, und ja, es war mit sieben Grad auch wirklich kalt gewesen. Nur für den Gewinner, den Chilenen Cristian Garín, eben auch.Aktuell sind die Bälle, mit denen alle bei dem Grand-Slam-Turnier in New York spielen müssen, ein großes Thema für Alexander Zverev. Auf die müsse man „draufhacken“, damit sie überhaupt irgendwo hingingen, schimpfte er, sie seien eine „absolute Vollkatastrophe“, und das mag ja auch sein. Dann aber schob er einen vorauseilenden Satz nach, nicht, dass er da falsch verstanden wird. Er sage das, ganz egal, ob er „das Turnier gewinne oder verliere“.