Alkohol, Milch und Motorräder: Trump will Amerikaner mit Importverboten vom Konsum kanadischer Waren abhalten Die Vereinigten Staaten verbieten die Einfuhr weiterer Produkte aus Kanada. Doch der Handelskonflikt mit dem Nachbarland könnte für die Republikaner bei den Zwischenwahlen zum Problem werden.09.09.2026, 14.24 Uhr3 LeseminutenKanadas Premierminister Mark Carney besuchte 2025 ein Flugzeugwerk von Bombardier. Trump will die kanadischen Flugzeuge boykottieren.Carlos Osorio / ReutersDer Handelsstreit der Vereinigten Staaten mit Kanada eskaliert erneut. Am Dienstag verbot Donald Trump den Import von kanadischen Milchprodukten, fast allen alkoholischen Getränken und Motorrädern. Das Verbot soll am 29. September in Kraft treten. Darüber hinaus verhängte der amerikanische Präsident weitere Zölle in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Produkte wie Käse, Papier und Möbel. Diese sollen bereits ab Mitte September gelten. Kanada ist der zweitgrösste Handelspartner der USA und historisch ein enger Verbündeter.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die neuen Handelsbeschränkungen sind als Reaktion auf kanadische Gegenzölle zu sehen, die am Dienstag in Kraft traten und auf amerikanische Güter im Gegenwert von rund 20 Milliarden Dollar abzielten. Diese kanadischen Gegenzölle in Höhe von 15 bis 50 Prozent betreffen eine Vielzahl von amerikanischen Produkten, die von Stahl und Haushaltsgeräten bis hin zu Milchprodukten und Elektronik reichen.Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, diese seien eine Vergeltungsmassnahme für Zölle gewesen, die der amerikanische Präsident Trump zuvor auf ein ähnliches Importvolumen aus Kanada verhängt habe. Carney hatte am Dienstag gesagt, dass er den wieder eskalierenden Handelskonflikt nicht als konstruktiv erachte. Die kanadischen Gegenzölle seien jedoch notwendig, «um unsere Arbeitnehmenden, unsere Unternehmen und unsere Gemeinden zu schützen».Jeder will seine Wirtschaft schützenDamit geht das «Wie du mir, so ich dir»-Spiel zwischen den USA und Kanada in eine weitere Runde. Ein Trump-Beauftragter sagte nach Bekanntgabe der amerikanischen Massnahmen gegen die kanadischen Gegenzölle: Präsident Trump tue dies erneut, um sicherzustellen, dass gleiche Wettbewerbsbedingungen gewahrt und Vergeltungsmassnahmen verhindert würden sowie die amerikanische Produktion geschützt werde.Offenbar sollen die wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Strafmassnahmen aber zunächst gering sein. Gemäss Informationen der «Washington Post» erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter auf informeller Basis, dass die neuen Beschränkungen lediglich ein Handelsvolumen im «einstelligen Milliardenbereich» beträfen.Das Gesamtvolumen der von amerikanischen Zöllen betroffenen kanadischen Exporte – 20 Milliarden Dollar – bleibe unverändert. Aber es drohen weitere amerikanische Massnahmen. So sollen Zölle auf kanadische Metalle und Fahrzeuge per Januar 2027 auf 50 Prozent angehoben werden. Diese Drohung Trumps gilt gemäss dem Regierungsvertreter nach wie vor.Zudem seien die amerikanischen Handelsbeschränkungen aufgrund der von Kanada verhängten Verbote für amerikanische Alkoholprodukte auf provinzieller Ebene gerechtfertigt. Trumps Team stehe jedoch weiterhin in Kontakt mit kanadischen Vertretern. In den kommenden Tagen könnten Gespräche über eine Lösung stattfinden.Souveränität Kanadas respektierenAuf kanadischer Seite signalisiert man Gesprächsbereitschaft. Dominic LeBlanc, der für den Handel mit den USA zuständige kanadische Minister, schrieb auf X: «Sobald die Vereinigten Staaten bereit sind, in einen Dialog zu treten, wird unsere Regierung in gutem Glauben und konstruktiv daran arbeiten, sicherere und für beide Seiten vorteilhafte Handelsbeziehungen aufzubauen, welche die Souveränität Kanadas uneingeschränkt respektieren.»Schon diese Forderung erfüllen die USA derzeit nicht. Der amerikanische Präsident hat wiederholt verlangt, dass Kanada zum 51. Gliedstaat der USA werde. Am 27. August ordnete Trump an, dass der Lake Ontario, der zwischen den beiden Ländern liegt, in Lake America umbenannt werde. Er begründete die Namensänderung mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Sees für die USA und behauptete, die tiefsten Abschnitte lägen auf amerikanischem Gebiet.Trump bedrängt Kanada seit Monaten. So schrieb er am Dienstag auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social, dass er den amerikanischen Regierungsbehörden untersagen wolle, kanadische Waren zu kaufen. Und einen Tag bevor Ottawa die Gegenzölle umsetzte, rief Trump dazu auf, den kanadischen Konzern Bombardier zu boykottieren. Die Aktien des Flugzeugherstellers sackten ab.Die amerikanische und die kanadische Wirtschaft sind jedoch eng verflochten. Bombardier beschäftigt Tausende Angestellte in den USA und bezieht Komponenten von unzähligen amerikanischen Zulieferern. Sollte Bombardier leiden, träfe das auch viele amerikanische Arbeitnehmer.Betroffene Swing StatesEine Lösung zum Handelskonflikt schien Ende August zwischen den beiden Ländern in greifbarer Nähe. Doch in letzter Stunde scheiterten die Verhandlungen. Beide Seiten beschuldigten sich, den Verhandlungstisch verlassen zu haben.Die Zollpolitik Trumps kommt gemäss Umfragen bei der Bevölkerung schlecht an. Angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten und des Iran-Kriegs erreicht der amerikanische Präsident derzeit historisch niedrige Zustimmungswerte. Und die neueste Eskalation im Zollstreit mit dem Nachbarland könnte die Aussichten der Republikaner bei den Zwischenwahlen im November weiter verschlechtern.Trumps aggressives Vorgehen könnte kanadische Gegenmassnahmen nach sich ziehen, die besonders Unternehmen und Arbeitnehmende in angrenzenden Staaten wie Michigan, Maine oder Iowa träfen. Diese Swing States sind zwischen Republikanern und Demokraten besonders hart umkämpft. Trump ist darauf angewiesen, dass seine Popularität in ihnen nicht weiter abnimmt.Passend zum Artikel
Der Handelsstreit könnte für Republikaner zum Problem bei den US-Zwischenwahlen werden
Die Vereinigten Staaten verbieten die Einfuhr weiterer Produkte aus Kanada. Doch der Handelskonflikt mit dem Nachbarland könnte für die Republikaner bei den Zwischenwahlen zum Problem werden.










