Am 1. Juli jährte sich zum 25. Mal der Amtsantritt von Walter Frank als Vorstand einer kleinen Raiffeisenbank im bayerischen Plankstetten im Altmühl-Naturpark. Ein Jubiläum gab es trotzdem nicht zu feiern. Sein Kollege Elmar Weiß hatte am 1. September sogar vor 40 Jahren bei derselben Bank angefangen, einer der kleinsten in Deutschland. Doch ausgerechnet an Franks Jubiläumstag berief die Finanzaufsicht Bafin die beiden Vorstände ab und stellte sie mit sofortiger Wirkung frei. Wenige Tage später enthob sie auch den dreiköpfigen Aufsichtsrat seines Amtes. Seither kennt die deutsche Finanzbranche Plankstetten, ein Dorf mit 367 Einwohnern.Dabei haben im genossenschaftlichen Bankensektor bereits seit Jahren gleich mehrere und deutlich größere Volksbanken Ärger hervorgerufen. Betrugsfälle, riskante Immobiliengeschäfte fragwürdige Kredite: Die Stützung der Institute soll die Finanzgruppe inzwischen schon mehr als eine Milliarde Euro gekostet haben.Vielleicht ist das mit ein Grund, warum die Finanzaufsicht inzwischen hart durchgreift, wenn sie merkt, Bankvorstände halten sich nicht an die Regeln, sogar bei einer Mini-Bank. Und so ist der Konflikt in dem Dorf inzwischen eskaliert und wird an diesem Freitag bei einer außerordentlichen Hauptversammlung wohl einen neuen Höhepunkt erreichen.„Alles kein Zufall.“Bekannt ist Plankstetten im Altmühltal-Naturpark eigentlich durch seine prächtige Benediktinerabtei. Wenige Fußminuten unterhalb des Klosters steht ein ehemaliges Dorfschulhaus, ein Baudenkmal mit weißen Fensterrahmen, seit Jahrzehnten Zentrale und einzige Filiale der Raiffeisenbank Plankstetten. Immer wieder spielte sich hier variantenreich die Geschichte von den unbeugsamen Galliern in einem kleinen Dorf ab, die Widersachern trotzen.Das sei also alles kein Zufall, sagen Menschen, die den beiden Bankern wohlgesinnt sind. Dahinter stecke womöglich ein Komplott gegen die Bank. Und von diesen Unterstützern gibt es in Plankstetten viele. Aus Kreisen der Finanzaufsicht heißt es dagegen, die Vorstände hätten sich schlichtweg schon lange der Zusammenarbeit mit der Aufsicht verweigert und seien immer wieder auf Konfrontationskurs gegangen. Das Bankgeschäft sei nun einmal reguliert; man könne nicht einfach machen, was man wolle.Der Konflikt hat eine lange Vorgeschichte. Bereits Ende der 2000er-Jahre wollte der Genossenschaftsverband Bayern die Plankstettener Raiffeisenbank mit der größeren Nachbarbank in Berching fusionieren. Die Raiffeisenbank wehrte sich, wurde aus dem Verband ausgeschlossen und schloss sich dem Prüfungsverband Mecklenburg-Vorpommern an. Später wandelten die Mitglieder sie in eine Aktiengesellschaft um, die ihre genossenschaftliche Prägung jedoch bewahrte. „Bank geht auch anders“, lautet ihr Slogan bis heute. Mit einer Bilanzsumme von 180 Millionen Euro gehört die Raiffeisenbank Plankstetten zu den kleinsten Instituten im genossenschaftlichen Sektor. 2025 verdiente das Geldhaus mit zuletzt acht Beschäftigten knapp vier Millionen Euro vor Steuern, etwas mehr als 2024.Dieses Modell, das ununterbrochen vom Duo Weiß und Frank geführt wurde, entwickelte sich angeblich prächtig. „Deutschlands beste Bank“, sagt eine Kundin. Die Bafin sei demgegenüber der Inbegriff von „Versagen, Inkompetenz, Ignoranz und Schlafmützigkeit“. Die Behörde darf sich nach eigener Aussage zu dem Fall nicht äußern. In Aufsichtskreisen heißt es jedoch, hier würden staatliche Institutionen und Verwaltungshandeln mutwillig infrage gestellt. Bankkunden müssten eben darauf vertrauen können, dass alle Banken – große und kleine – in Deutschland beaufsichtigt und reguliert würden.Warum die Bafin eingegriffen hat, bleibe im Dunkeln, sagen die GeschasstenAm 24. Juni 2026 verlangte die Bafin jedenfalls vom Aufsichtsrat, die Vorstände Weiß und Frank sofort ihres Amtes zu entheben. „Wir wollten erst eine genaue Begründung haben, warum wir das tun sollten“, sagt Aufsichtsratschefin Ursula Gomringer der SZ. Deshalb habe der Aufsichtsrat alle Unterlagen einsehen und prüfen wollen, die einen solchen Schritt aus Sicht der Finanzaufsicht erforderlich machten. Das sei ihm verwehrt worden. Die Bafin berief die Vorstände daraufhin selbst ab und ersetzte sie durch den ehemaligen Banker Odo Steinmann. Einige Tage später suspendierte sie auch den Aufsichtsrat und setzte Sandra Michelfelder, eine ehemalige Mitarbeiterin der Frankfurter Bankgesellschaft, als weitere Sonderbeauftragte ein. Ende August erklärten die drei Aufsichtsräte ihren Rücktritt.Die genauen Gründe für das drastische Eingreifen liegen aus Sicht der früheren Führungsmannschaft gleichwohl im Dunkeln. Zumal Steinmann selbst in der Lokalpresse mit der Aussage aufhorchen ließ, die Raiffeisenbank stehe wirtschaftlich solide da. Auch andere Indikatoren für den Zustand der Bank sind zumindest ausweislich des Offenlegungsberichts 2025 positiv.Was die Bafin derzeit betreibe, sei ein „Bankraub in Plankstetten“, schreiben Weiß und Frank in einem Brief an die Aktionäre. Ihre Abberufung sei nach erfolgreichen Jahrzehnten im Amt für viele Plankstettener nicht nachvollziehbar. Die Jahresabschlüsse seien schließlich regelmäßig ohne größere Beanstandungen testiert worden. Als möglicher Grund gilt die großzügige Vergabe von Überziehungskrediten, die zwar hohe Zinseinnahmen bringt, bilanziell aber riskant ist. Weiß hält auf Anfrage dagegen, dass 87 Prozent dieser Kredite gut besichert seien.Ende August unterlagen die beiden abberufenen Vorstände schließlich auch vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt. Das Gericht bestätigte Verwarnungen der Bafin aus dem Jahr 2024. Nach den Entscheidungen hatten Weiß und Frank eine 2022 angeordnete Sonderprüfung „rechtswidrig behindert“.Diesen Freitag kommt es in der Kulturhalle im nahe gelegenen Berching womöglich zum Showdown. Die Sonderbeauftragten haben die Tagesordnung der Hauptversammlung zwar so geändert, dass Weiß und Frank keine dominante Rolle mehr spielen; als Aktionäre können sie sich jedoch zu Wort melden. Die Öffentlichkeit und Medienvertreter sind ausgeschlossen.