Im Gespräch mit Kontext erklärt Schadt, man müsse "wirklich nicht viel über Marx wissen, um zumindest mal drüber zu stolpern, dass er in seinen mehrbändig geplanten 'Kapital'-Bänden, von denen dann ja drei veröffentlicht wurden, eine Ableitung des Staates geplant hatte. Allerdings ist er nicht mehr dazu gekommen." Aber wenn man das Hauptwerk des Philosophen aufmerksam lese, seien Überlegungen zum Staat eigentlich schwer zu übersehen, etwa im achten Kapitel am Beispiel der englischen Fabrikgesetzgebung. Laut Schadt gehe allein aus dieser Passage hervor, dass Marx im bürgerlichen Staat eine notwendige Voraussetzung für die kapitalistische Warenproduktion gesehen habe: als Instanz, die Vertragsbeziehungen regelt und den Schutz des Privateigentums über ein Gewaltmonopol durchsetzt. Daneben gebe es noch eine Reihe anderer prominenter Fundstellen zum Staat.

Mitte August hat Schadt eine Replik für die linke Tageszeitung "nd" verfasst. Hintergrund war eine aktuelle Geschichte im Spiegel: "Marx hat es geahnt", stand auf dem Cover. Der "haarige Kopf", wie der "Spiegel" Marx in Abgrenzung zu bartlosen Glatzen nennt, zierte das Titelblatt des Magazins, weil der Kapitalismus "seine nächste Eskalationsstufe erreicht" habe, "vom Turbo- zum Doppelturbo-Kapitalismus". Chefredakteur Dirk Kurbjuweit führt dazu aus, mit Blick auf den KI-Kapitalismus seien sie sich in der Redaktion schnell einig gewesen, dass sie das Thema mit Karl Marx "illustrieren" wollten. Das haben sie 2023 schon mal gemacht, damals mit der Frage: "Hatte Marx doch recht?" Das Fragezeichen sei inzwischen verschwunden, betont Kurbjuweit: "Der Kapitalismus entwickelt sich mehr und mehr in eine üble Richtung, wie es Marx prophezeit hat." Zugleich stellt der Chefredakteur aber klar: "Die Antwort darauf ist nicht der Marxismus", da dieser seine eigenen Katastrophen zu verantworten habe. Eine andere Antwort gibt Kurbjuweit aber nicht.