Der Pariser Eiffelturm, so viel Sekundärvolkskunde muss schon sein, ist so etwas wie der Leuchtturm der französischen Aufklärung. Nicht offiziell natürlich, aber symbolisch. Man kann ihn mieten und in die gewünschten Lichterfarben kleiden, etwa in die ukrainischen, damit sich die Ukrainer in ihrem Verteidigungskrieg gegen Russland nicht allein fühlen. Es gibt auch heitere Anlässe, sportliche zum Beispiel. Aber strahlen wollen damit alle, und zwar weihevoll in die ganze Welt.Am vergangenen Wochenende trug sich nun auf dem Eiffelturm etwas zu, das so gar nicht in dessen ideelle aufklärerische Aura passen will.Die traditionell religiöse hinduistische Organisation mit dem etwas länglichen Namen „Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha“, kurz BAPS, forderte von der Betreibergesellschaft des Turms, dass einer geistlichen Delegation bei deren Besuch in der dritten Etage keine weiblichen Angestellten des Personals begegnen sollen. Denn das würde die Herrschaften brüskieren.Auch in der Politik erhob sich eine Welle der Empörung, die Betreibergesellschaft will nun ermittelnAngereist waren diese aus Indien, dafür gab es einen Anlass: In Bussy-Saint-Georges, einem Vorort östlich von Paris, wurde ein großer Hindutempel eingeweiht. 21 Millionen Euro kostete der Bau. Die hinduistische Gemeinde feierte dreizehn Tage lang, zum Abschluss gab es ein „Kulturfest“ unter dem Eiffelturm mit vielen tanzenden Menschen in fröhlich bunten Gewändern.Während sie tanzten, fuhren die Geistlichen im Aufzug hoch in den dritten Stock – und begegneten bei ihrer Visite offenbar keiner einzigen Frau. Die städtische Betreibergesellschaft Sete, kurz für Société d’exploitation de la tour Eiffel, hatte ihr weibliches Personal tatsächlich abgezogen, es nach Hause geschickt oder in private Räume gebracht. Sie hat die Frauen vor den Besuchern versteckt. Sie fand offenbar, dass nichts die indisch-französische Freundschaft trüben sollte in diesem „historischen Moment“. Die konservative und hindunationalistische BAPS steht dem indischen Premier Narendra Modi sehr nahe.Man weiß gar nicht, was in diesem Fall schwerer wiegt: die Rückständigkeit der Geistlichen oder der Kniefall der Betreibergesellschaft der „Dame de fer“, der Eisernen Lady, wie der Eiffelturm im Volksmund genannt wird.Die Gewerkschaften des Personals setzten sich zusammen und fanden, da sei eine Grenze überschritten worden, unerhört sei das. Diesen Montag streikten sie. Viele Touristen mögen sich geärgert haben, der Eiffelturm ist nun mal ein Imperativ jeder Tour. Aber hier ging es gerade um alles, um Prinzipien.Aus der Politik erhob sich eine Welle der Empörung. Der neue Bürgermeister der Stadt, der Sozialdemokrat Emmanuel Grégoire, versprach eine rasche Ermittlung. Was da passiert sei, sagte er, entspreche nicht den Werten, die von der „Tour Eiffel“ getragen würden.Auch die Betreibergesellschaft will jetzt ermitteln, so steht es in einem Kommuniqué, in dem man sich sehr zerknirscht gibt über das eigene Handeln. „Keine protokollarischen, kulturellen oder religiösen Erwägungen können eine Abweichung vom Grundsatz der Gleichstellung von Männern und Frauen rechtfertigen.“ Geht doch.