Warum Frauen am Eiffelturm für hinduistische Mönche weichen musstenFür eine religiöse Delegation mussten Mitarbeiterinnen des Pariser Wahrzeichens offenbar ihre Plätze verlassen und bestimmte Bereiche meiden. Es folgte ein Streik. Und die Frage: Wo endet religiöse Rücksichtnahme?08.09.2026, 14.07 Uhr4 LeseminutenDer Eiffelturm ist ein öffentliches Wahrzeichen. Doch die weiblichen Beschäftigten wurden am Samstag von hier verbannt.Christophe Ena / AP«Homme, es-tu capable d’être juste?», fragte die französische Schriftstellerin Olympe de Gouges 1791 in der Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin. Also: Mann, bist du fähig, gerecht zu sein? In ihrer an die Nationalversammlung gerichteten Erklärung forderte Gouges die Gleichstellung der Frauen und fragte weiter, wer dem Mann die souveräne Macht gegeben habe, ihr Geschlecht zu unterdrücken.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.235 Jahre später herrschten offenbar wieder längst überwunden geglaubte Zustände. Wie französische Medien berichten, mussten am Wochenende Frauen ihren Arbeitsplatz räumen, damit religiöse Würdenträger ihnen nicht begegneten. Eine Delegation der hinduistischen spirituellen Bewegung Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha, kurz Baps, hatte am Samstag den Eiffelturm besichtigt. Dies im Vorfeld der Einweihung eines neuen Tempels in Bussy-Saint-Georges östlich der französischen Hauptstadt.Wie die Sete, die Gesellschaft, die den Eiffelturm im Auftrag der Pariser Stadtverwaltung betreibt, bestätigte, hatte die Baps-Delegation angefragt, ob ein Besuch, der «die Interaktionen mit Frauen einschränkt», möglich sei.Baps regelt den Umgang seiner Sadhu-Mönche mit Frauen sehr deutlich: Ein Sadhu soll nicht mit Frauen sprechen, sie berühren oder Umgang mit ihnen pflegen, sogar absichtliches Anschauen ist untersagt. Zwar hat Baps auch Frauenorganisationen und stellt diese Regeln als monastische Disziplin dar. Die Organisation selbst schreibt, ihr früherer geistlicher Führer Pramukh Swami habe einmal eine öffentliche Einladung abgelehnt, weil durch seine Teilnahme Frauen nach hinten umgesetzt hätten werden müssen. Swami habe befürchtet, dass sie sich verletzt fühlen könnten.Frauen «ausgegrenzt, ersetzt, unsichtbar gemacht»Laut Gewerkschaften wurden Mitarbeiterinnen des Eiffelturms am Wochenende angewiesen, ihre Arbeitsplätze während des Besuchs zu räumen, so dass männliche Kollegen ihre Plätze einnehmen konnten. Zudem sollten die weiblichen Mitarbeitenden bestimmte Bereiche während der Anwesenheit der Mönche nicht betreten. Laut «Le Figaro» beschrieben die Betroffenen dies als «berufliche Vorgaben», die dazu geführt haben, dass «weibliche Beschäftigte aufgrund ihres Geschlechts ausgegrenzt, ersetzt und unsichtbar gemacht wurden».Die Belegschaft war so empört, dass sie am Montag in den Ausstand trat. Der Eiffelturm blieb an dem Tag geschlossen, am Dienstag öffnete er wieder. Baps teilte am Montagabend auf X mit, dass zu keiner Zeit irgendjemandem der Zutritt zum Eiffelturm verwehrt gewesen sei. Die Organisation bat diejenigen um Entschuldigung, die durch die Situation verletzt worden seien.Der Vorfall hat auch empörte Reaktionen in der Politik ausgelöst. Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire forderte schnellstmögliche Aufklärung. Auch Ariel Weil, sozialdemokratischer Bürgermeister von Paris-Centre und Präsident der Sete, forderte «Klarheit». Der französische Politiker und ehemalige Kurzzeitpremierminister Michel Barnier, zu dessen Wahlkreis der Eiffelturm gehört, schrieb auf X: «Man versteckt Frauen nicht. Man wischt sie nicht weg, man respektiert sie und verteidigt ihre Freiheit.»Je prends connaissance du mouvement de colère des salarié·es de la tour Eiffel et je veux leur dire que leur mécontentement est légitime.Il n’est pas acceptable que de telles conditions puissent être tolérées. Ce ne sont ni mes valeurs, ni celles que doit porter la tour Eiffel,… https://t.co/3srttJpxPo— Emmanuel Grégoire (@egregoire) September 7, 2026