KommentarHinduistische Fundamentalisten wollten sich in Paris nicht von weiblichem Personal bedienen lassen. Das liessen sich die Angestellten nicht bieten und streikten – gut so!09.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer Eiffelturm wurde zum Schauplatz eines unwürdigen Theaters.Christophe Ena / APFür religiöse Fanatiker sind Europas Städte offenbar ein Sündenpfuhl, ein Kontinent voller Gefahren und sinnlicher Verlockungen. Nur so lässt sich die groteske Szene erklären, die sich am Samstag in Paris abspielte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Eine rund 100-köpfige Delegation der erzkonservativen hinduistischen Sekte Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (Baps) hatte die höchste Plattform des Eiffelturms für eine private Veranstaltung gebucht. Weil die Keuschheitsvorschriften der Baps den Geistlichen jegliche Interaktion mit Frauen verbieten, verlangte die Organisation, dass keine weiblichen Angestellten anwesend sein sollten.Der Skandal ist, dass die Betreiber des Eiffelturms eingeknickt sind. Augenzeugen berichteten danach, dass sich die Mitarbeiterinnen hätten verstecken müssen, während ihre männlichen Kollegen die Gäste bedient hätten. Verständlicherweise sorgte das beim Personal für grossen Unmut – und in typisch französischer Aufmüpfigkeit beschlossen die Angestellten, einen Streik zu veranstalten. Deshalb blieb der Eiffelturm am Montag geschlossen, erst am Dienstag konnten die Touristen wieder auf das Wahrzeichen der Stadt.Mehr als eine SommerposseMan könnte das als Sommerposse abtun, zumal sich die hinduistische Organisation im Nachhinein entschuldigte und behauptete, ihre Mitglieder glaubten an die «universellen Werte des gegenseitigen Respekts». Doch genau hier liegt die Problematik des Vorfalls: Es widerspricht fundamentalen westlichen Werten, wenn Frauen als gefährliche Verführerinnen oder minderwertige Wesen betrachtet und aus der Öffentlichkeit verdrängt werden.Besonders heikel ist, dass die Eiffelturm-Betreibergesellschaft Sete in öffentlicher Hand ist. Wenn sogar in Frankreich, das die Laizität hochhält, ein solcher Entscheid zugunsten von religiösen Fanatikern gefällt wird, ist das ein Alarmzeichen.Die Errungenschaften der Aufklärung sind im Grundsatz nicht verhandelbar. Dazu gehören die Gleichheit von Mann und Frau, die Trennung von religiöser und staatlicher Sphäre oder das Recht, das eigene Leben ohne Bevormundung durch Glaubensgemeinschaften zu gestalten. Zuwanderer und Feriengäste aus anderen Kulturkreisen müssen sich an solche Regeln halten, sonst sind sie nicht willkommen.Wo die roten Linien sindEin zentraler Wert der Aufklärung ist auch die Toleranz. Deshalb gibt es Spielraum für Verhaltensweisen, die sich aus den religiösen Überzeugungen einzelner Gemeinschaften ableiten und allgemeinen Gepflogenheiten zuwiderlaufen. Es gibt keinen guten Grund, einen hinduistischen Geistlichen oder einen ultraorthodoxen Juden in privaten Situationen zu zwingen, einer Frau die Hand zu geben. Wenn eine Zeugin Jehovas eine Bluttransfusion ablehnt und deshalb stirbt, ist das ihre freie Entscheidung.Doch eine rote Linie ist dann überschritten, wenn das Pochen auf Sonderregeln sich negativ auf Dritte auswirkt und das friedliche Zusammenleben gefährdet. Speziell die staatlichen Institutionen müssen hier wachsam sein. Schulen dürfen es nicht zulassen, dass junge Muslime sich weigern, ihren Lehrerinnen die Hand zu geben, oder dass fromme Schülerinnen verschiedener Konfessionen dem Schwimmunterricht fernbleiben.Kantinen sollten nicht in vorauseilendem Gehorsam Schweinefleisch vom Menuplan streichen und ausschliesslich Halal-Gerichte anbieten. Universitäten oder öffentliche Schwimmbäder dürfen Forderungen nach Geschlechtertrennung niemals nachgeben.All das ist in Europa schon vorgekommen. Dass es sich vorerst um Einzelfälle handelt, ist kein Grund zur Sorglosigkeit. Der Westen muss seine humanistischen Werte konsequent und beherzt verteidigen, im Grossen und im Kleinen. So wie es die Mitarbeiterinnen im Eiffelturm gemacht haben, die nicht einfach hinter der Wand verschwinden wollten.34 KommentareClaus F. Dieterle vor 13 Minuten"Hinduistische Fundamentalisten ..." viel wichtiger ist doch die Aussage von Jesus Christus in Johannes 14, 6 "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich".Dirk Wetzel vor 22 MinutenPostkolonialismus trifft auf Feminismus. Da kann man bei der Verwaltung des Eifelturms schon mal die Orientierung verlieren, welche ideologische Strömung gerade höher zu gewichten ist…Passend zum Artikel
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