KommentarDie USA ignorieren das Öl-Problem, das sie mit dem Iran-Krieg selbst geschaffen habenDie Welt hat ein Versorgungsproblem – nicht beim Rohöl, sondern bei Treibstoffen. Tanken ist teuer, vor allem Diesel: Die Trump-Regierung hat nicht verstanden, wie der Ölmarkt funktioniert.09.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenVoller Tank, leeres Portemonnaie: Der Preisaufschlag für Treibstoff im Vergleich mit Rohöl ist auf Rekordniveau.Urs Flüeler / KeystoneDer Iran-Krieg steckt in seinem siebten Monat. Die Kämpfe zwischen den USA und Teheran sind wieder eskaliert. Amerikas Streitkräfte beschiessen nun auch iranische Tanker. Huthi-Rebellen greifen saudische Ölanlagen an. Der Rohölpreis kratzt an der Marke von 100 Dollar je Fass der Referenzsorte Brent. Das ist hoch, aber er stand schon höher. Da wäre es verständlich, wenn das öffentliche Interesse an dem 4000 Kilometer entfernten Schlagabtausch allmählich schwindet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch an der Tankstelle kehrt das Interesse schlagartig zurück. Anders als Rohöl notieren die Preise für Treibstoffe auf einem Hoch. Am teuersten ist Diesel. In der Schweiz kostet der Liter Diesel durchschnittlich 2.26 Franken, wie der Touringclub ermittelt hat. In den USA muss für eine Gallone (3,8 Liter) der Rekordwert von durchschnittlich 5.90 Dollar bezahlt werden. Das ist doppelt schmerzhaft, weil Diesel nicht nur für Personenwagen gebraucht wird, sondern auch in vielen Wirtschaftsbereichen, von der Landwirtschaft über Bau und Industrie bis zur Logistik.Das wahre Nadelöhr am GolfBei Ölprodukten wie Benzin und Diesel ist das weltweite Angebot durch den Iran-Krieg stärker zurückgegangen als beim Rohöl. Für den Rohstoff wurden alternative Exportwege aus der Golfregion aufgetan, etwa über Pipelines. Bei den Produkten ist das schwierig – die Pipelines sind nicht für sie konstruiert. Die Ausfuhren von Rohöl aus der Region hatten vor den jüngsten Gefechten wieder 70 bis 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht, schätzt die Investmentbank Goldman Sachs. Bei den raffinierten Treibstoffen waren es nur 40 Prozent.Weil aus dem dicken, schweren Rohöl der Golfregion hauptsächlich Diesel oder auch Kerosin hergestellt wurden, ist der Mangel hier besonders gross. Hinzu kommen Produktionsausfälle in Russland, dem ehemals zweitgrössten Dieselexporteur. Ukrainische Angriffe haben russische Raffinerien lahmgelegt, Moskau hat die Exporte zugunsten der inländischen Versorgung gestoppt. Man kann der Ukraine keinen Vorwurf machen, dass sie in ihrem Überlebenskampf den Aggressor Russland dort trifft, wo es weh tut.Hauptsächlich wegen der Probleme in der Golfregion und in Russland werde derzeit weltweit rund ein Viertel weniger Ölprodukte exportiert als vor einem Jahr, schreibt Goldman Sachs. Nach Jahren schleppender Investitionen können die Raffinerien im Rest der Welt den Mangel nicht kompensieren.Rohöl kann man nicht tankenSo öffnet sich die Schere: Brent-Rohöl ist heute etwa die Hälfte teurer als vor einem Jahr. Doch die Preisaufschläge für Diesel und Kerosin sind an den Weltmärkten um mehr als das Dreifache gestiegen und liegen in Europa und den USA auf Rekordniveau.Die Regierung von Donald Trump muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie vor Kriegsbeginn die potenziellen Auswirkungen nicht angemessen bedacht hat. Washington hat verkannt, wie komplex die Lieferketten und Abhängigkeiten in der Mineralölwirtschaft auch in einem globalen Markt sind. Dem Laien ist kaum vorzuwerfen, dass er wenig Gedanken darauf verwendet, wie aus Rohöl jenes Produkt wird, das er in den Tank seines Wagens füllt. Der Führung des mächtigsten Landes der Erde ist diese Gedankenlosigkeit nicht zu verzeihen.Kein Licht am HorizontErleichterungen sind nicht in Sicht. In den kommenden Monaten stehen in vielen Raffinerien Wartungen an. Die Dieselnachfrage erreicht im Herbst ein Hoch, unter anderem für die Ernte in der Landwirtschaft oder in der Transportbranche vor dem Weihnachtsgeschäft. Zusätzliche Rohölversorgung hilft nur, wenn die Raffinerien mehr Öl verarbeiten können. Das könnten sie nicht, merkt die Grossbank HSBC trocken an.Viele Analysten erwarten auch für 2027 anhaltende Preisaufschläge für Treibstoffe. Linderung würde eine stabile politische Lösung im Iran-Krieg und für die Strasse von Hormuz bringen. Die Raffinerien der Region müssen die Produktion wieder aufnehmen und die Treibstoffe exportieren können.Im Moment deutet darauf wenig hin. Damit wird in Washington eine Frage immer drängender: Was wiegt schwerer? Ein Problem im Vorfeld nicht zu erkennen – oder es zu ignorieren, auch wenn es offensichtlich ist?11 KommentareAlexander Buck vor 15 MinutenWieso wurde bei diesem Artikel das Heizöl ausgeblendet? 2025 wurden in der Schweiz die folgenden Mengen verkauft:
Teurer Diesel: Trump hat nicht verstanden, wie der Ölmarkt funktioniert
Die Welt hat ein Versorgungsproblem – nicht beim Rohöl, sondern bei Treibstoffen. Tanken ist teuer, vor allem Diesel: Die Trump-Regierung hat nicht verstanden, wie der Ölmarkt funktioniert.






