DatenanalysePro ArtikelSchweizer Schüler gehören zu den besten in Europa. Doch mit den Deutschen verbindet sie eines: Sie werden schlechterDie Ergebnisse der Pisa-Studie für Deutschland, Österreich und die Schweiz zeigen die Schwachstellen der Schulsysteme. Ein Vergleich in Grafiken.09.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenIllustration: Joana Kelén / NZZ, Bild: GettyDie gute Nachricht vorneweg: Schweizer Jugendliche gehören zu den klügsten in Europa. Und sie haben mehr Kompetenzen als ihre Altersgenossen in Deutschland und Österreich. Die schlechte Nachricht: Das Niveau sinkt auch in der Schweiz. Und das seit Jahren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Dienstag sind die Ergebnisse der neusten Pisa-Studie für 2025 erschienen. Seit dem Jahr 2000 wird alle drei Jahre der Bildungserfolg von 91 Ländern bewertet. Dafür wird untersucht, wie gut 15-Jährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sind.Im deutschsprachigen Raum schneiden die Schweizer Schüler insgesamt am besten ab. In der Kategorie Lesen sind die Unterschiede zwischen Österreich und der Schweiz zwar statistisch nicht signifikant, dafür ist der Vorsprung der Schweiz in der Mathematik umso grösser. Deutschland schneidet im Vergleich am schlechtesten ab.Was macht die Schweiz besser – und was Deutschland falsch?Das Leistungsniveau ist auf einem Tiefstand – mit einer AusnahmeSchaut man auf den Durchschnitt der OECD-Länder, war der Leistungsstand nie so gering wie heute. Seit der letzten Pisa-Erhebung im Jahr 2022 sind vor allem die Lesekompetenz (–14 Punkte) und die Rechenfähigkeiten (–9 Punkte) gesunken, die Kenntnisse in Naturwissenschaften haben sich nur geringfügig verringert (–3 Punkte).Die Schweiz, Deutschland und Österreich reihen sich in diesen Trend ein, auch hier sind die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler auf einem Tiefstand. Mit einer Ausnahme: Im Bereich Naturwissenschaften konnten die Schweiz und Österreich den Abwärtstrend in letzter Zeit stabilisieren oder sogar umkehren.Deutschland sackt dagegen in allen drei Bereichen weiter ab. Dabei hatte Deutschland schon 2001 nach der ersten Erhebung einen «Pisa-Schock» ausgerufen. Der Staat versprach daraufhin Reformen. Doch das hat langfristig wenig geändert. An die schlechten Pisa-Ergebnisse scheint man sich mittlerweile gewöhnt zu haben.Im Vergleich mit Asien liegt der deutschsprachige Raum zurückSo desaströs die Ergebnisse für Deutschland klingen mögen, im internationalen Vergleich stehen die deutschen Schüler relativ gut da, die österreichischen auch. In allen drei Kompetenzbereichen liegen die Schüler über dem OECD-Durchschnitt. Die Schweiz gehört weltweit zu den besten zwanzig Ländern.Doch mit wem vergleicht man sich? Die fünf besten Länder weltweit in den Naturwissenschaften stammen alle aus Asien. Auf Platz 1 rangiert China. Gemessen wurde dort allerdings nur in den vier chinesischen Provinzen Peking, Schanghai, Jiangsu und Zhejiang. Die Regionen gehören zu den wohlhabendsten Teilen Chinas und sind kaum repräsentativ für das ganze Land. Sie eignen sich daher nur bedingt für einen internationalen Vergleich. Anders sieht das für den zweiten Platz aus: Singapur. Ebenso für Japan und Südkorea.Asien hat in den vergangenen Jahrzehnten einen gigantischen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg erfahren, heute befinden sich dort die Wachstumszentren der Welt. Das liegt an klugen politischen Entscheidungen, aber auch am Ehrgeiz seiner Bewohner.Interessanterweise zeigt sich aber selbst in den bildungsstarken asiatischen Ländern der gleiche Trend wie in Europa: Die Fähigkeiten der Schüler sinken, zum Beispiel bei der Lesekompetenz.Das Lesen ist jene Fähigkeit, die in den vergangenen zehn Jahren am stärksten zurückgegangen ist, in den OECD-Ländern um durchschnittlich 28 Punkte, in den teilnehmenden Ländern ausserhalb der OECD um 16 Punkte. Junge Menschen haben immer mehr Schwierigkeiten beim Lesen komplexer Texte. Warum, ist noch unklar. Eine naheliegende Erklärung sind die veränderten Lesegewohnheiten der jungen Menschen: Sie lesen im Digitalen zwar ständig, doch die Texte sind kürzer und weniger komplex. Zudem imitieren sie oft die gesprochene Sprache. Beides könnte das Verstehen von längeren Texten erschweren.Der genauere Blick auf Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt zwar keine Antwort darauf, warum die Jugendlichen dort schlechter lesen. Aber die Daten zeigen andere Probleme des Bildungssystems auf.Die Schweiz erzielt gute Ergebnisse, gibt dafür aber auch viel Geld ausDie Ergebnisse der Schweiz sind im Vergleich zu ihren Nachbarländern und dem OECD-Schnitt sehr gut. Aber: Sie sind auch teuer erkauft.Die Studienautoren haben die Leistungen der Schülerinnen und Schüler auch in Relation zu den kaufkraftbereinigten Bildungsausgaben der teilnehmenden Länder gesetzt. Es zeigt sich: Die Schweiz gibt für einen Schüler während der Schulzeit im Durchschnitt 234 000 Dollar aus, nur in Luxemburg ist dieser Wert höher. In Deutschland sind es 148 000 Dollar.Andere Länder erreichen ein ähnliches Leistungsniveau ihrer Schüler mit geringeren Ausgaben. Die Schweiz scheint noch Potenzial zu haben, die Effizienz seines Bildungssystems zu steigern. Zwar zeigt sich generell eine positive Korrelation zwischen höheren Ausgaben für Bildung und besseren Leistungen. Der Zusammenhang wird aber bei höheren Summen immer weniger ausgeprägt.Kinder aus benachteiligten Elternhäusern haben es in Deutschland schwerer als in Österreich und der SchweizDer Geldbeutel der Eltern soll nicht über den Bildungserfolg der Kinder bestimmen, das ist das liberale Aufstiegsversprechen der westlichen Demokratien nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch sie konnten es nicht einhalten, allen voran Deutschland nicht.Wer in Deutschland aus einfachen Verhältnissen kommt, schneidet in der Pisa-Studie im Durchschnitt deutlich schlechter ab als Kinder aus besser gestellten Elternhäusern. Dieser Unterschied ist ausgeprägter als im Durchschnitt der OECD-Länder. Und er ist auch deutlich höher als in der Schweiz und Österreich.Blickt man auf die einzelnen Ergebnisse in den Naturwissenschaften, zeigt sich eine enorme Diskrepanz. Zwischen Schülern aus benachteiligten Elternhäusern und Schülern aus begünstigten Elternhäusern liegen in Deutschland Testresultate, die sich durchschnittlich um 125 Punkte unterscheiden.Schüler mit Migrationshintergrund haben es an deutschen Schulen besonders schwerÄhnlich sieht es mit dem Blick auf die Herkunft aus. Jugendliche mit einem Migrationshintergrund haben es in der Schule oft schwerer als andere Kinder. Sie sprechen die Sprache möglicherweise nur ungenügend, kennen das Schulsystem nicht und verfügen über schlechtere Netzwerke. Etwa wenn es um einen Nachhilfelehrer geht.Die Pisa-Ergebnisse illustrieren, wie sehr das den Bildungserfolg erschwert. In der Pisa-Studie schneiden Schüler mit Migrationshintergrund im OECD-Durchschnitt um 42 Punkte schlechter ab als ihre Altersgenossen ohne einen solchen Hintergrund.In Deutschland ist der Abstand mit 83 Punkten fast doppelt so hoch. Deutschland hat damit deutlich grössere Probleme als andere Länder, seine Migranten in den Schulen zu integrieren. Die Zahl von 83 Punkten mag abstrakt klingen, doch sie verweist offenkundig auf ein gesellschaftliches Problem.Jeder dritte Mensch in Deutschland hat laut dem Statistischen Bundesamt einen Migrationshintergrund. Wenn diese Menschen langfristig schlechter gebildet sind als Deutsche ohne Einwanderungsgeschichte, entfernen sich die Milieus voneinander. Zudem gehen der Wirtschaft kluge Köpfe verloren.In Österreich (–67 Punkte) und der Schweiz (–54 Punkte) ist der Abstand geringer als in Deutschland, liegt aber immer noch über dem OECD-Schnitt.Die Erkenntnisse der Pisa-Studie für den deutschsprachigen Raum sind altbekannt. Die Leistungen werden schlechter, Deutschland hat besonders Probleme damit, seine Migranten zu integrieren. Und die Schweiz? Die steht verhältnismässig gut da.Mitarbeit: Joana Kelén12 KommentareMarc Anderson vor 51 MinutenDer Knick, ab dem es überall abwärtsgeht ist der Moment der massenhaften Verbreitung von iPhones anno 2007-14, ich hatte damals auch Schülerinnen in der Zeit zwischen Grundschule und Gymnasium im Haus, davor hatten sie noch Harry Potter gelesen, dann kamen Facebook, Netflix, WhatsApp, Mariokart, niemand ahnte wie massiv das die Gehirne der Kinder zerstören würde, kommt mir fast vor wie BSE, in der Schweiz wie anderswo. Man dachte sich: Endlich Ruhe. Ist die GenZ ff. dümmer als Boomer-Zillennials, ich finde nicht, aber Bücher lesen habe ich seither niemanden mehr gesehen. Mit Musik und Filmen kennen sich manche, insbesondere Frauen allerdings sehr früh sehr gut aus und Romane lesen können die ja während ihrer eigenen Schwangerschaften und Elternzeiten dann noch.Jürg Leupold vor 52 Minuten1 EmpfehlungWar ja voraussehbar für alle ohne Scheuklappen: Massenimmigration + weltfremde Dauer-Schulreformen = Niedergang der CH Volksschule. Wer schulpflichtige Kinder hat, weiss Bescheid….auch ohne PISA Studie.Passend zum Artikel
Pisa-Studie: Schweiz, Deutschland und Österreich im Vergleich
Die Ergebnisse der Pisa-Studie für Deutschland, Österreich und die Schweiz zeigen die Schwachstellen der Schulsysteme. Ein Vergleich in Grafiken.











