Der andere Blickvon Susanne Gaschke, BerlinDeutschland fällt bei der Bildung immer weiter zurück. Aber das muss nicht so seinNie waren deutsche Schüler laut Pisa-Studie schlechter im Lesen, Schreiben und Rechnen. Das hat ganz wesentlich mit der Migration zu tun. Es ist höchste Zeit, gegenzusteuern.08.09.2026, 17.40 Uhr3 LeseminutenMit der Rechenkompetenz deutscher Schüler geht es bergab.APSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Abend», heute von Susanne Gaschke, Autorin der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vor 25 Jahren knallte den Deutschen die erste Pisa-Studie um die Ohren und beraubte sie der Illusion, ein im Grossen und Ganzen ordentliches Schulsystem zu besitzen.Seither ging es nur noch bergab: Heute messen die Bildungsforscher der OECD die schlechtesten Lese- und Rechenleistungen der Kinder in Deutschland seit Beginn der vergleichenden Studien. Asiatische Staaten, allen voran China, enteilen hingegen bei den Ergebnissen. Das verheisst nichts Gutes für die Zukunft der deutschen Gesellschaft.Was sind die Ursachen der Underperformance – und wie lässt sie sich bekämpfen? Praktiker machen eine Reihe von Vorschlägen zur Verbesserung des schulischen Lernens. Dabei sei das erste Jahr wichtiger als alles andere, sagen sie. Denn in dieser Zeit müsse eine Arbeitshaltung entwickelt werden, die viele Eltern ihren Sechsjährigen heute nicht mehr gern zumuten wollten.Leistungsorientierung ist in Deutschland zu lange als nebensächlich oder gar reaktionär betrachtet worden. Dabei haben Kinder durchaus Freude daran, sich miteinander zu messen. Von zentraler Bedeutung ist die Konzentration auf das Wesentliche: auf das Lesen, das Schreiben, das Rechnen im Zahlenraum von 1 bis 10.Überangebot an zerstreuenden AktivitätenZu lange wurde in den Grundschulen – und dies zum Schaden der Kinder – ein Überangebot an Projekten und zerstreuenden Aktivitäten gepflegt: gesundes Frühstück hier, bewegte Pause dort, Meerschweinchen im Klassenzimmer, Inklusion um jeden Preis, Digitalisierung ohne Sinn und Verstand.Tatsächlich kommt es aber auf ganz grundsätzliche Fähigkeiten an: Die Hand-Auge-Hirn-Koordination der Schreibschrift beispielsweise ist kein sinnloser Drill, sondern dient der gedanklichen Klarheit. Wer sauber schreibt, denkt meistens auch folgerichtig. Eine gezielte Förderung des Grundwortschatzes hilft gerade Kindern mit Migrationshintergrund.Ein grosses Thema ist zudem die allfällige Ablenkung: Inzwischen hat sich nicht nur in pädagogischen Kreisen herumgesprochen, dass Bildschirme die menschliche Konzentrationsfähigkeit systematisch zerstören.Je bildungsferner die Familien sind, desto mehr müssen Pädagogen deshalb dafür werben, dass mit den Kindern gesprochen, dass ihnen vorgelesen wird. Ruhigstellung per Smartphone oder Computerspiel gefährdet jeden zu erhoffenden Bildungserfolg.Ein zusätzliches Problem im Schulalltag ergibt sich aus der Tatsache, dass inzwischen zu viele «Quereinsteiger» in den Schulen arbeiten, die weder über die nötige fachliche noch über die pädagogische Qualifikation für den Umgang mit Schulkindern verfügen.Diese Kräfte geben gewiss ihr Bestes – aber ihre Bemühungen laufen allzu oft auf konfliktfreie Bespassung hinaus. Und es schadet der Profession, wenn für den Lehrerberuf, wie in manchen Bundesländern geschehen, mit dem Hinweis auf Freizeit und Ferien geworben wird.Wie soll ein in erster Linie freizeitorientierter Laie Autorität ausstrahlen? In den skandinavischen Ländern, aber auch in Asien wird die Lehrerpersönlichkeit deutlich klarer wertgeschätzt. Das hat Folgen für die Wirksamkeit des Unterrichts.Von Hamburg lernenAlle Einwanderungsländer, so auch Deutschland, haben damit zu kämpfen, dass Kinder ohne Sprachkenntnisse im Schulsystem schlecht zurechtkommen. Das schlägt sich in Testergebnissen nieder.Deutschunterricht muss deshalb oberste Priorität geniessen. Sprachliche Souveränität ist die unhintergehbare Voraussetzung für den Zugang zu allen anderen Fächern, auch zu Mathematik und Naturwissenschaften.Deshalb ist das «Leseband» genannte, 20-minütige tägliche Lesetraining an Hamburger Schulen ein ausgezeichnetes Vorbild für ganz Deutschland. Schulpolitik ist Ländersache – und der Föderalismus erzeugt in dieser Frage noch immer viel zu wenig Konkurrenz.Neben Hamburg liegen Sachsen und Bayern bei den Schulleistungen vorn; an ihnen sollten sich die übrigen Länder orientieren.54 KommentareKarsten Hens vor 36 MinutenSeit der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren gleichen sich die Reaktionen darauf in Form von Empörung, Reformitis, Aktionismus und Lehrerbeschimpfung in verblüffend ähnlicher Weise. Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, ob diese Reaktionen, die auch diesmal nicht lange auf sich warten ließen, nicht einer »Evaluation« und einem Abgleich mit der Realität unterzogen werden sollten.