PfadnavigationHomePolitikDeutschlandNRW-MinisterpräsidentWüst legt in AfD-Verbotsdebatte nach – Weidel wünscht Arbeitsgruppe „viel Vergnügen“Stand: 08.09.2026Lesedauer: 3 MinutenAls erster CDU-Politiker bringt NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst ein AfD-Verbotsverfahren ins Gespräch. Dorothea Schupelius berichtet über das Vorhaben Wüsts und erklärt, warum ein neuer Reform-Streit in der Bundesregierung droht.Nach dem Landtagswahl-Debakel plädiert NRW‑Ministerpräsident Hendrik Wüst für eine Arbeitsgruppe zur AfD‑Prüfung. CSU-Chef Söder zeigt sich skeptisch. Die AfD reagiert mit Spott.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenNRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und möglichen Folgen. Diese Prüfung müsse ergebnisoffen sein und dürfe nicht automatisch zu einem Verbotsverfahren führen, sagte der CDU-Politiker.„Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot, denn das Verbot einer politischen Partei kann nur der letzte Weg sein, wenn wir unsere Verfassung schützen wollen“, teilte Wüst bei X mit. Er erklärte: „Es muss nun eine Struktur geben, in der diese Fragen von Bund und Ländern sorgfältig, professionell und seriös geprüft werden.“Aus Sicht des NRW-Regierungschefs sollten in der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutz, aber auch Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. „Es geht insgesamt um die Frage, wie der Staat verfassungsrechtlich mit einer Partei umgeht, die mindestens in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolgt“, so der CDU-Politiker.Söder warnt vor Märtyrerstatus für AfDCSU-Chef Markus Söder reagierte skeptisch auf den Vorstoß: „Bei allem grundsätzlichen Verständnis, dass es einem lieber wäre, diese AfD wäre nicht da, ist die Realität, dass es verfassungsrechtlich kaum durchsetzbar ist“, sagte er nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Neben einem jahrelangen Verfahren bestehe die Gefahr, dass die AfD einen neuen Märtyrerstatus erhalte. Die AfD müsse inhaltlich gestellt werden.Lesen Sie auchDie CSU werde sich Gesprächen in einer Bund-Länder-Gruppe zwar nicht grundsätzlich verschließen, „aber das ist ja nichts anderes als ein Ausdruck auch von Unsicherheit“, betonte Söder. „Man muss in einer Demokratie mit demokratischen Mitteln arbeiten und der demokratische Weg heißt, sich auf die nächsten Wahlen anders vorzubereiten als in Sachsen-Anhalt, klarere Argumente zu finden.“ Die CSU glaube nicht, dass ein Verbotsverfahren funktioniere.Am Montagabend hatte Wüst bei einer Talk-Veranstaltung mit der „Transformationsforscherin“ Maja Göpel in Berlin erstmals gefordert, einen ersten konkreten Schritt zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren zu machen. Die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Materialsammlung gilt als entscheidend für das Verfahren. „Ich habe heute etwas gesagt, das hat öffentlich bisher, glaube ich, kein CDU-Mensch gesagt: dass ich dafür bin, diese Arbeitsgruppe einzusetzen, die diese Arbeit dann leistet“, sagte Wüst.Lesen Sie auchAuch bei der Digitalmesse „Digital X“ der Deutschen Telekom ging Wüst am Dienstagvormittag auf der Bühne auf die AfD und die Folgen der Sachsen-Anhalt-Wahl ein. Er warnte vor der Vorstellung, die AfD könne sich entzaubern. Vielmehr säße eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt an wichtigen Schalthebeln: „Jede Woche werden in Landeskabinetten in Deutschland die Führung von Polizei, die Führung von Gerichten eingesetzt. Der Kern des Gewaltmonopols dieses Staates liegt in den Ländern.“Einzelne AfD-Landesverbände – darunter Sachsen-Anhalt – werden vom jeweiligen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Einen Antrag auf ein Parteiverbot beim Bundesverfassungsgericht können ausschließlich der Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung stellen. Die Entscheidung liegt dann beim Bundesverfassungsgericht.AfD findet Arbeitsgruppe zum Parteienverbot lächerlichDer Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann, übte scharfe Kritik an Wüsts Vorschlag. „Darüber lache ich, aber wirklich“, hatte der AfD‑Politiker in der Sendung „Stimme am Morgen“ von WELT TV gesagt. Das zeige „nur die Verzweiflung dieser Anhänger innerhalb der CDU von links und linksgrün“. Der Vorstoß sei aus seiner Sicht eine „Offenbarung von Teilen der CDU als politisch ernstzunehmende Organisation“.Lesen Sie auchAfD‑Parteichefin Alice Weidel äußerte sich ähnlich: „Ich musste lachen, als ich das gelesen habe, dass Herr Wüst tatsächlich diese Arbeitsgruppe zum Verbotsverfahren der Alternative für Deutschland anstrebt. Was soll man dazu sagen?“, sagte sie im Gespräch mit WELT TV. Es sage eher etwas über Herrn Wüst und sein Demokratieverständnis aus als über die AfD. „Das scheint einherzugehen mit den desaströsen Wahlergebnissen. Da muss man dann schnell mal die stärkste Kraft verbieten wollen. Also, ich wünsche ganz viel Vergnügen dabei.“dpa/kami
NRW-Ministerpräsident: Wüst legt in AfD-Verbotsdebatte nach – Weidel wünscht Arbeitsgruppe „viel Vergnügen“ - WELT
Nach dem Landtagswahl-Debakel plädiert NRW‑Ministerpräsident Hendrik Wüst für eine Arbeitsgruppe zur AfD‑Prüfung. CSU-Chef Söder zeigt sich skeptisch. Die AfD reagiert mit Spott.









