Sieben Jahrzehnte war die Eisenbahnbrücke über dem Tumen-Fluss die einzige Landverbindung zwischen Nordkorea und Russland. Die Sowjetunion hatte das Stahlträgerwerk absichtlich so tief über den Fluss gezogen, dass chinesische Schiffe dort nicht hindurchpassen und über das Dreiländereck somit keinen Zugang ins Japanische Meer erhalten. Diesen Zugang strebt China über den Tumen weiterhin an.An diesem Montag allerdings weihten Russen und Nordkoreaner kaum hundert Meter weiter flussabwärts der „Freundschaftsbrücke“ eine weitere Überquerung ein. Es ist ihre erste gemeinsame Straßenbrücke. Benannt wird sie nach dem sowjetischen Offizier Jakow Nowitschenko, der dem nordkoreanischen Gründungsdiktator Kim Il-sung bei einem Attentatsversuch einst das Leben gerettet haben soll. „Seine Heldentat vor vielen Jahren erinnert an den unvergleichlichen Mut der koreanischen Helden, die zuletzt Seite an Seite mit unseren Soldaten gekämpft und russischen Boden verteidigt haben“, sagte Russlands Ministerpräsident Michail Mischustin, per Video der Eröffnungszeremonie zugeschaltet.Ebenfalls zugeschaltet war sein nordkoreanisches Gegenüber Pak Thae-song. Vor Ort an der zweispurigen Brücke wurden der nordkoreanische Botschafter in Russland Sin Hong-chol, der erste Vizeministerpräsident Kim Tok-hun sowie Russlands Ressourcenminister Alexandr Koslow, Verkehrsminister Andrej Nikitin und weitere Funktionäre gesehen. Nordkoreas Staatsmedien berichteten am Dienstag darüber.Baukosten trägt offenbar RusslandDen Bau der rund einen Kilometer langen Brücke hatten Russlands Herrscher Wladimir Putin und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un 2024 vereinbart, als beide Seiten ein umfassendes Militärabkommen schlossen und Pjöngjang den Russen seither mehr als 15.000 Soldaten für den Angriffskrieg gegen die Ukraine geschickt hat. Mit dem Bau der Brücke war im April 2025 begonnen worden. Die Baukosten trägt offenbar Russland. Unbestätigten Berichten zufolge stellte Russland dafür rund hundert Millionen Dollar bereit, die Brücke soll von einem in Sotschi ansässigen Unternehmen gebaut worden sein.Auf nordkoreanischer Seite wurden vor ein paar Monaten ein Grenzposten und kleinere Hallen eines Warenlagers fertiggestellt. Der russische Abschnitt wurde am Grenzort Khasan ausgebaut, dort befindet sich auch eine Station der Eisenbahn. Die Straßenbrücke soll nun die Transportkosten senken und gilt als Symbol für die proklamierte Verstetigung der Beziehungen. Ob über die Brücke auch nordkoreanische Soldaten verlegt werden, ist nicht bestätigt. Nordkoreas Staatsmedien meldeten, die Brücke diene „der vielseitigen Zusammenarbeit“, und zwar im „Personenverkehr, Tourismus und Handel“. Nach Angaben der Agentur TASS können täglich dreihundert Fahrzeuge und 2323 Menschen die Brücke und Grenzanlage passieren. Der Grenzübergang auf russischer Seite in Khasan ist für zehn Spuren ausgelegt.In Südkorea wurde bemerkt, dass kleinteilige LKW-Transporte und ihre Ladung aus der Ferne schwerer zu beobachten seien als größere Eisenbahntransporte. Das könnte die Brücke auch zu einem Logistikkorridor für militärische und unter weitere Sanktionen fallende Güter machen.Mutmaßlich ebenfalls mit russischer Technik ausgestattet sein wird zudem der Zerstörer Kang Kon, den Nordkorea am Sonntag in Wonsan offiziell in Dienst stellte. Es ist der zweite Zerstörer, der laut Regime Marschflugkörper mit Nuklearsprengkopf verschießen kann. „Der Zerstörer der neuen Generation kann den Feinden einen vernichtenden Vergeltungsschlag versetzen, da er Teil des staatlichen nuklearen Abwehrsystems ist“, meldete Nordkoreas Staatsnachrichtenagentur KCNA am Montag.„Schon die bloße Ankündigung der Indienststellung unseres Schiffes, eines echten Angriffszerstörers, wird genügen, um unsere Ansichten und unsere Position der Weltöffentlichkeit zu verdeutlichen“, wurde Kim zur Indienststellung des 5000-Tonnen-Schiffes zitiert. 2025 war es nach dem Stapellauf zunächst gekentert. In acht Monaten werde er weitere Pläne zur Kriegsmarine enthüllen, sagte Kim, ohne Näheres zu verraten. Das Schwesterschiff Choe Hyon wurde im Juni in Dienst gestellt, von beiden Zerstörern wurden bereits Marschflugkörper getestet.