Es gibt diese Situationen, in denen mein Ärger kurz davor ist, meinen Verstand zu überholen: Jemand unterbricht einen Kollegen zum dritten Mal. Eine Kollegin kommt wieder zu spät und unvorbereitet in ein Meeting. Eine gerade getroffene Absprache wird ignoriert. Und ehe ich mich versehe, liegt mir ein Satz auf der Zunge, der normalerweise nicht zu meinem Sprachgebrauch gehört: „Kannst du dich bitte einfach mal zusammenreißen und nicht immer nur dein Ding machen?“In der Theorie wissen wir vermutlich alle, dass Wörter wie „immer“ und „du“ oder Formulierungen wie „einfach mal“ nicht besonders hilfreich sind, wenn man mit seinem Gegenüber in ein konstruktives Gespräch kommen will. Sie verwandeln eine einzelne Beobachtung im Nu in ein Urteil über den ganzen Menschen. Trotzdem rutschen sie einem manchmal heraus, besonders wenn die eigene Geduld strapaziert und der Kalender voll ist.Genau deshalb möchte ich Ihnen heute noch einmal das Interview „So äußern Sie Kritik, die motiviert statt frustriert“ ans Herz legen. Meine Kollegin Wiebke Harms hat sich mit Marc Oliver Opresnik, Professor für Marketing und Management an der Technischen Hochschule Lübeck, über eine Frage unterhalten, die vermutlich jede Führungskraft kennt: Wie lässt sich Ärger so ausdrücken, dass es nicht verletzend wirkt und sich trotzdem etwas verändert?