Das Geplänkel in Sachsen-Anhalt nach diesem Donnerschlag wird noch eine Weile andauern. Denn alle Parteien werden vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin in knapp zwei Wochen darauf achten, ihre Chancen, wenn sie dort denn welche haben, zu wahren oder noch zu verbessern. Das gilt für die SPD, die nun erst einmal auf Schwesig-Kurs einschwenkt, wie für die AfD, die zeigen muss, wie sie mit Verantwortung umgeht. Auch für sie ist diese Wahl eine Zäsur.Der Wahlsieger Ulrich Siegmund hatte vor der Wahl noch zurückgezuckt. Nur mit einer satten absoluten Mehrheit, so war er zu verstehen, wollte er Ministerpräsident werden. Das ließ sich als Taktik begreifen, um noch den letzten Nichtwähler vom Sofa zu holen, aber auch als Drückebergerei. Am Wahlabend ließ Alice Weidel vor allen anderen Politikern dann keinen Zweifel daran, dass die AfD den Regierungsauftrag habe. Da war noch nicht einmal sicher, dass das BSW in den Landtag kommen würde.Ohne BSW wird es nicht gehenOhne dieses BSW wird es nicht gehen. Vielleicht macht sich Siegmund Hoffnungen darauf, dass der eine oder andere CDU-Abgeordnete überlaufen könnte. Doch Sven Schulze war sich seiner Sache sehr sicher, dass es dazu nicht kommen werde. Bleibt nur das BSW als Mehrheitsbeschaffer einer AfD-Minderheitsregierung.Die Wagenknecht-Partei hat den Preis dafür sogleich hochgeschraubt – bis hin zu dem Gedanken, im Landtag nicht Siegmund, sondern einen überparteilichen Ministerpräsidenten zur Wahl zu stellen. Der AfD kann das gar nicht gefallen. Wen sollte, wen müsste, wen könnte dieser Kandidat in sein Kabinett holen? Vor allem: Wer sollte dieser Überparteiliche sein? Hans-Georg Maaßen? Wurden AfD und BSW gewählt, um Witze zu reißen?Das BSW will mit allen Parteien reden. Da Sahra Wagenknecht das BSW in Magdeburg, anders als ihre abtrünnigen Truppen in Thüringen, kontrolliert, lässt sich ausmalen, womit diese Gespräche enden – im Zweifel wieder bei der AfD und einer Enthaltung bei der Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten. Der AfD-Mann wird bis dahin recht schnell lernen müssen, eine neue Rolle anzunehmen. Er wird eines Tages, will er regieren, die Kompromisskultur beschwören müssen, die seine Partei so verachtet und über Jahre in Misskredit gebracht hat.
AfD in Sachsen-Anhalt: Ist Ulrich Siegmund bereit zu regieren
Will die AfD in Sachsen-Anhalt regieren, muss sie Kompromisse schließen. Das war bislang ein von ihr so verachtetes Markenzeichen der „Altparteien“.














