Am Sonntagabend zogen rund 2000 Personen mit Kerzen und Blumen zu jenem Haus in Florenz, in dem die 46 Jahre alte Lorena I. bis zu ihrer Ermordung am vergangenen Donnerstag gewohnt hatte. Zu dem Lichterzug hatte Bürgermeisterin Sara Funaro aufgerufen. Zuvor hatte Franco I., der Vater des Mordopfers, in einem eindringlichen Video die Politik dazu aufgefordert, parteiübergreifend alles zu unternehmen, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern – von der Schulerziehung über die bessere personelle und finanzielle Ausstattung von Frauenhäusern bis zu Gesetzesverschärfungen.Ministerpräsidentin Giorgia Meloni antwortete dem verzweifelten Vater, es sei „immer eine Niederlage für uns alle, wenn eine Frau von jemandem getötet wird, der ihr Liebe und Schutz versprochen hat“. Sie versicherte, „im Namen einer Gesellschaft, die Frauen und deren Freiheit schützt“, weiter gegen Gewalt gegen Frauen zu kämpfen.Sie versuchte, aus dem Kofferraum Hilfe zu rufenLorena I. hatte vor Wochen die Beziehung zu dem 36 Jahre alten Federico V. beendet, weil der sie betrogen hatte. V. wollte die Trennung nicht akzeptieren, bedrängte sie immer aggressiver. Aus Angst war Lorena I. schließlich vorübergehend zu ihren Eltern nach Apulien zurückgekehrt. Deren Rat, sich wegen der Bedrohung an die Behörden zu wenden, war sie nicht gefolgt.Am Donnerstag um die Mittagszeit lauerte Federico V. seiner ehemaligen Partnerin in der Garage von deren Wohnhaus auf, misshandelte und fesselte sie, ehe er sie in den Kofferraum seines Autos verfrachtete. Von dort konnte die verletzte und desorientierte Frau mehrere Hilferufe absetzen, nachdem sie ihr Handy aus dem Rucksack hatte angeln können, den Federico V. ebenfalls in den Kofferraum geworfen hatte.Der Polizei gelang es, den Wagen zu lokalisieren – er fuhr auf der Autobahn in Richtung Rom. Dort stoppte Federico V. auf einem 45 Meter hohen Viadukt und stieß Lorena I. in die Tiefe. Als die Polizei, die den Autobahnabschnitt hatte sperren lassen, am Tatort eintraf, stand der Täter neben seinem auf dem Standstreifen abgestellten Wagen, jenseits der Leitplanke, mit dem Rücken zum Abgrund. Der Mutter von Lorena I. hatte er zu dem Zeitpunkt per Textnachricht schon mitgeteilt, dass ihre Tochter nicht mehr lebe – wovon die Einsatzkräfte an Ort und Stelle nichts wissen konnten.Rund 40 Minuten lang versuchte eine junge Polizistin, Federico V. zu überreden, sich den Beamten zu ergeben. Sie tat es auf Knien, mitten auf der Fahrbahn, wie auf veröffentlichten Handyaufnahmen von Polizisten und Rettungskräften zu erkennen ist. Sie hoffte, damit auch die entführte verletzte Frau retten zu können, die sie im Kofferraum des abgestellten Autos vermutete.Schließlich stürzte sich Federico V. in die Tiefe. Dort fanden die Einsatzkräfte neben dem Leichnam des Mörders auch den seines Opfers. Eine Autopsie des Leichnams von Lorena I. soll klären, ob sie schon tot war, als sie von Federico V. von der Brücke gestürzt wurde.