Eigentlich wollte sich das privilegierte PSG ganz auf den Champions-League-Hattrick konzentrieren – aber jetzt gibt es in der heimischen Liga einen AufstandParis Saint-Germain gilt in Frankreich als systematisch bevorzugt und kann auch beim Kontinentalverband Uefa auf eine starke Hausmacht zählen – dennoch erlebt Europas dominantes Team einen Horrorstart in der Ligue 1.07.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenParis Saint-Germain und der Captain Marquinhos erleben einen schwierigen Saisonstart, wieder einmal.Michael Baucher / ImagoDer neue Rasen im Prinzenpark sah prima aus, aber zu dem Thema später noch mehr. Spektakulärer ist für den Anfang die Nachricht, dass der Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain auch sein viertes Saisonspiel nicht gewonnen hat. Nach einer Niederlage im französischen Supercup bei Lens und zwei Ligaremis in Rennes und Lille gab es zur Heimpremiere ein 1:2 gegen die AS Monaco.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit liegen die Hauptstädter jetzt schon sieben Punkte hinter den Monegassen, die mit dem Brasilianer Filipe Luís zudem einen vielversprechenden Trainer verpflichtet haben. So einen Rückstand holt man nicht so schnell auf. Könnte die Ligue 1 diese Saison also erstmals seit 2021 einen anderen Meister als den Hauptstadtklub erleben? Auch Lille mit Davide Ancelotti, dem Sohn der Trainerlegende Carlo Ancelotti, und Lens mit dem ehemaligen Frankfurt-Coach Dino Toppmöller präsentierten interessante neue Übungsleiter. Und Rennes und Lyon gelten ebenfalls als Anwärter auf eine zumindest solide Spielzeit.Dabei möchte sich PSG doch eigentlich ganz auf die Champions League konzentrieren. Nach zwei Triumphen in Folge peilen die Franzosen in der neuen Europacup-Saison, die für sie am Mittwoch zu Hause gegen Slovan Bratislava beginnt, den Hattrick an. Drei Titel in Serie gelangen seit der Erweiterung des Wettbewerbs über die Landesmeister hinaus nur Real Madrid (2016–2018).PSG und die opportunen SpielverschiebungenAn der heimischen Front ist angesichts der immensen Budgetunterschiede schon die Aussicht auf Spannung eine kleine Sensation. PSG bewegt rund 900 Millionen Euro Etat, die Konkurrenz maximal ein Fünftel davon. Nicht der einzige Pariser Wettbewerbsvorteil, wie die Rivalen unken.Nach den zwei Remis an den ersten Spieltagen wurden wieder die altbekannten Debatten über die Bevorzugung von PSG geführt. In Lille glich der Favorit erst durch zwei Treffer in der Nachspielzeit aus, wobei das 2:2 über eine Minute nach Ablauf des angezeigten Zuschlags fiel. «Ein Skandal», zeterte Lilles Präsident Olivier Létang.Und damit zum Rasen im Prinzenpark. Wenige Tage vor dem Saisonstart gegen Rennes erklärte PSG ihn wegen der Sommerhitze für unbespielbar, schlug aber keinen Ausweichort vor. Die Liga verlegte den Match daher nach Rennes. Später beschloss sie, das Rückspiel am 6. März dafür in Paris austragen zu lassen. «Nicht dass wir auch im März eine Hitzewelle bekommen», kommentierte Rennes’ Trainer Franck Haise ironisch. Sein Verein will verwaltungsgerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen.Ein Heimspiel mehr oder weniger kann in der entscheidenden Saisonphase einen Unterschied machen – nicht zuletzt mit Blick auf die europäischen Wettbewerbe, in denen Anfang März die K.-o.-Phase beginnt. Und damit jene Zeit, in der die Pariser schon seit Jahren mit dem Manöver opportuner Spielverschiebungen auffallen. Vorige Saison etwa liessen sie ihre Ligapartien zwischen den Hin- und Rückspielen von Achtelfinal und Viertelfinal kurzerhand verlegen. Während sich der kontinentale Gegner in seinem Heimatbetrieb abmühte, konnte PSG eine volle Woche den zweiten Match vorbereiten.Die Ligue 1 gestattete ihrem Zugpferd das Privileg. Gemeinsam schmiedete man die Argumentation, ein erfolgreiches PSG sichere Punkte in der Uefa-Fünfjahreswertung, damit Europacup-Startplätze für alle französischen Teams und handele also im nationalen Interesse. Die betroffenen Vereine waren indes weniger begeistert.Der FC Nantes, Opfer der ersten Verlegung, sah seinen Matchrhythmus zwei Wochen lang unterbrochen, um dann später wegen des Nachholtermins drei Ligaspiele in einer Woche absolvieren zu müssen. Am Saisonende stieg er ab.Noch pikanter war die zweite Affiche, die für die Pariser Erholungsbedürfnisse verschoben wurde – es handelte sich um das Spitzenspiel beim RC Lens. Die ganze Saison über hatten sich die beiden Vereine ein enges Duell um die Tabellenführung geliefert. Der Besuch der Pariser in der «Hölle des Nordens» hätte zum ursprünglichen Termin fünf Spieltage vor Schluss zumindest ein wenig den Charakter eines Finales gehabt. Als dann vier Tage vor Saisonende endlich gespielt wurde, war die Liga bereits zugunsten von Paris entschieden. Ein demoralisiertes Lens hatte inzwischen zu viele Punkte gelassen.«Die Ligue 1 wird immer mehr zu einer blossen Variable degradiert, um die europäischen Imperative gewisser Seiten zu befriedigen», hiess es zu der Angelegenheit in einem Statement des RC Lens. Im französischen Fussball stelle sich eine grundsätzliche Frage: «Die des Respekts vor dem eigenen Wettbewerb.»Die französischen Klubs fühlen sich ausgeliefertIn Frankreich wird seit Jahren diskutiert, ob der katarische Einstieg bei PSG im Jahr 2011 dem nationalen Fussball mehr gebracht oder genommen hat. Damals erwarben die Katarer auch die Medienrechte, doch der erhoffte Boom für alle blieb aus. Inzwischen muss die Ligue 1 über einen eigenen Kanal senden, im Ausland ist sie teilweise gar nicht zu empfangen. Die Vereine können sich nur über Spielerverkäufe finanzieren. Umso mehr fühlen sie sich als Vasallen dem europäischen König PSG ausgeliefert.Kann nach Belieben schalten und walten: der PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi.Mustafa Yalcin / ImagoDoch auch auf kontinentaler Ebene scheint der PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi nach Belieben schalten und walten zu können. Der Katarer steht der mächtigen europäischen Klubvereinigung EFC vor, im europäischen Fussballverband Uefa sitzt er im Exekutivkomitee. Die Agentur UC3, mit der Klubs und Uefa neuerdings gemeinsam die Rechte der Champions League vermarkten, hat er entscheidend mitgeprägt.Da ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die Uefa gegen die Pariser Praxis der Spielverschiebungen vor Champions-League-Wochen vorgehen wird – ohnehin hat sie auf nationale Kalenderplanungen wenig Einfluss.Kaum noch nötig hat Paris inzwischen die Komplizenschaft der Uefa-Finanzaufpasser. Jahrelang verschonte der Verband PSG trotz massiven Bilanzungleichgewichten mit harten Strafen. Doch mittlerweile wirtschaften die Franzosen geradezu vorbildlich. Sie erzielen jetzt sogar Überschüsse auf dem Transfermarkt.Ein Plus von 182 Millionen Euro hat der Klub diesen Sommer durch Spielerimporte und -exporte erzielt – mehr als jeder andere Verein in Europa. Dafür musste das Triumvirat aus Khelaifi, dem Sportdirektor Luís Campos und dem Trainer Luis Enrique nicht einmal Stammspieler abgeben. Nur auf der Bank sitzen neue Gesichter. Statt Bradley Barcola (zu Liverpool) oder Gonçalo Ramos (zu Milan) etwa Ferran Torres, der Siegtorschütze im WM-Final, der aus Barcelona kam.Bei PSG will man wegen des vermasselten Saisonstarts daher nicht in Panik verfallen. Auch in den vergangenen Jahren lief die Mannschaft immer erst im Frühjahr zur Topform auf. Nach ihrem Horrorstart muss sie nun allerdings fürchten, dass es für die Meisterschaft dann schon zu spät sein könnte. Die gedemütigte Ligue 1 probt den Aufstand. Jedenfalls auf dem Platz.Passend zum Artikel