PSG auf dem Weg zur Dynastie: Der Pariser Fussballklub beherrscht von opulent bis pragmatisch alle SpielweisenParis Saint-Germain gelingt als zweiter Mannschaft die Titelverteidigung in der Champions League. Auf der Basis seiner Spielidee hat es beeindruckende Varianz und Mentalität entwickelt.Florian Haupt, Budapest31.05.2026, 15.35 Uhr4 LeseminutenDie Spieler von Paris Saint-Germain feiern ihren Trainer Luis Enrique, nachdem die den Titel in der Champions League verteidigt haben.IMAGO/Mutsu Kawamori / ImagoSie gingen nicht und gingen nicht. Anderthalb Stunden nach Abpfiff vergnügte sich die Pariser Sieges-Entourage immer noch auf dem Rasen der Budapester Puskás-Arena. Selbst ihre feurigen Fans hatten die Szenerie mittlerweile mit all ihren Bengalos verlassen. Aber die Spieler blieben immer weiter, feierten oder liessen einfach das Geschehen auf sich wirken. Fühlt es sich so an, wenn man eine Dynastie begründet?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der europäische Fussball gehört Paris Saint-Germain. Als erst zweite Mannschaft nach Real Madrid konnte die Equipe von Trainer Luis Enrique die Champions League unter dem heutigen Namen (seit 1992) verteidigen. Im Final bezwang sie Arsenal im Penaltyschiessen. Ein Titel kann einer Dynamik in den entscheidenden Saisonwochen geschuldet sein, die in einem K.o.-Wettbewerb so wichtig ist. Ein zweiter ist die Bestätigung, dass es sich um ein Ausnahmeteam handelt. «Der erste war historisch, der zweite ist es noch mehr», sagte Luis Enrique: «Wir sind in der Gruppe der grössten Klubs angekommen, mit einer Spielweise, die den Leuten gefällt.»Vom Madrid des Titelhattricks zwischen 2016 und 2018 hebt den PSG ab, dass er auf einer klaren Spielphilosophie aufbaut. Sein Ballbesitz- und Pressingfussball ist identifizierbar und weniger von Launen einzelner Stars abhängig. Mit einer Grundidee allein aber verteidigt man keinen Titel. Die zweite Champions League beeindruckt, weil Paris sie aus der Rolle des Gejagten sowie in einer komplizierten Saison mit viel Müdigkeit nach der Klub-WM und vielen Verletzten gewann. Aber auch, weil es in den entscheidenden Runden auf ganz verschiedene Weisen zu reüssieren verstand.Dominant und opulent wie im Achtelfinal und Viertelfinal gegen Chelsea (Gesamtergebnis 8:2) und Liverpool (Gesamt 4:0). Per offener Feldschlacht wie im allseits als historisch gefeierten Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern (5:4). Aber auch pragmatisch wie im defensivstarken Rückspiel (1:1). Sowie mit Glaube und Glück im Final gegen die Verhinderungskünstler von Arsenal. Die Londoner Defensivstrategen hatten die Partie nach ihrer frühen Führung durch Kai Havertz genau dort, wo sie wollten. Doch der PSG fand einen Weg, wo kaum einer zu sein schien.«In Paris haben wir gerade die Blume», sagte Luis Enrique. Auf Spanisch ist das die Formulierung für Fortüne, und die wiederum ist bekanntlich die Schwester der Mentalität. Das ist vielleicht das Erstaunlichste in der Metamorphose des PSG von einem Klub der grossen Ankündigungen zu einem der grossen Taten: Wenn es läuft, gewinnt er so brillant wie beim 5:0 im Vorjahresfinal gegen Inter Mailand. Und wenn es nicht so läuft wie nun in Budapest, gewinnt er halt trotzdem.Arsenal: Schrecken für das unterhaltungsorientierte Publikum«Mühsam» und «frustrierend» sei der Match gewesen, so Luis Enrique, «unglaublich» und «sehr schwer zu erreichen» der Sieg. Der Fussball ist nicht immer so spektakulär wie gegen die Bayern. Nein, es gibt weiter auch Mannschaften wie Arsenal. Ein Team, jedenfalls in seiner Version der letzten Monate, ohne jede ästhetische Ambition, das gleich den Anstoss fast senkrecht in die Luft kickte, um das erste Gedränge zu provozieren. Meister der Zerstörung. Schrecken für das unterhaltungsorientierte Publikum. Jede Ecke, jeder Einwurf und jeder Freistoss verschleppt bis zur Tortur. Die Budapester VIPs waren so gelangweilt, dass sie weit vor und lange nach der Halbzeitpause die Canapés den Befreiungsschlägen vorzogen und ihre Sitze leer liessen.Arsenal definierte über weite Strecken, was in Budapest gespielt wurde. Es liess die Pariser Virtuosen so gewöhnlich aussehen wie lange niemand mehr. Erst als der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert kurz nach Wiederbeginn reichlich spät die erste Verwarnung für Zeitspiel aussprach, erhielt die Partie ein Mindestmass an Rhythmus. Dem PSG genügte es, um die eine kleine Lücke herauszuspielen, die Arsenal zur Verschuldung eines Elfmeters und damit des Ausgleichs zwang.Doch als sich das Spiel in der Verlängerung nach etlichen Auswechslungen wieder ausbalancierte, wirkten die Engländer streckenweise so, als könnten sie offensiv noch mehr zulegen. Sie taten es nicht und fühlten nach dem entscheidenden Fehlschuss von Gabriel Magalhães nur «Schmerz», wie der Trainer Mikel Arteta düster berichtete.Arsenal muss wohl aufpassen, dass es nicht zum neuen Atlético Madrid wird; zu einem Team, das in der Champions League immer um den Titel mitspielt, aber ihn auch deshalb nie gewinnt, weil es im entscheidenden Moment zaudert statt zuzugreifen. Denn Europas Krone gehört in aller Regel den Mutigen.Luis Enriques PSG hat ein beeindruckendes Selbstverständnis entwickelt. Aus dem einst flatterhaften Ousmane Dembélé ist ein kaltschnäuziger Leader geworden, der den Elfmeter zum Ausgleich ohne Hauch von Zweifeln verwandelte. Der Abgang von Weltgoalie Gianluigi Donnarumma konnte kompensiert werden, mit dem Russen Matvei Safonov reichte auch der Ersatz vom Ersatz. Ansonsten spielte in Budapest exakt dieselbe Startelf wie vor einem Jahr in München. Ausser dem Captain Marquinhos und Mittelfeldmann Fabián Ruiz ist aus ihr noch niemand älter als 30. Hört sich ziemlich nach Dynastie an.Passend zum Artikel
PSG verteidigt Champions-League-Titel: Der Beginn einer Dynastie?
Paris Saint-Germain gelingt als zweiter Mannschaft die Titelverteidigung in der Champions League. Auf der Basis seiner Spielidee hat es beeindruckende Varianz und Mentalität entwickelt.











