Ein Jahr nach dem fabulösen 5:0-Finalsieg gegen Inter Mailand in München hat Paris Saint-Germain den Champions-League-Titel verteidigt – und damit die Grundlage für die Begründung einer neuen Dynastie geschaffen. In einem Finale, in dem der FC Arsenal durch den deutschen Nationalspieler Kai Havertz in Führung gegangen war und sich dann lange Zeit dem Fußball verweigerte, wurde PSG zur erst zweiten Mannschaft, die den wichtigsten Klubwettbewerb der Fußballwelt zweimal nacheinander gewann. Zuvor war das nur dem Hattrick-Sieger Real Madrid gelungen.Die tragischen Helden des Elfmeterschießens waren aus Sicht Arsenals Eberechi Eze und Verteidiger Gabriel Magalhaes. Bei PSG scheiterte nur Nuno Mendes, das Elfmeterschießen endete damit 4:3 für Paris. Die Partie hatte nach Verlängerung 1:1 geendet. Arsenal bleibt damit einer der letzten großen Klubs Europas, der den Fußball-Gipfel nicht erklimmen kann. Und das, obschon die englischen Meister schon beim Aufwärmen von „Campeones, campeones“-Rufen ihrer Fans begleitet worden waren.Nach nicht einmal sechs Minuten schien sich der Optimismus massiv zu bestätigen. Denn Arsenal führte dank einer Karambolage. PSG-Kapitän Marquinhos versuchte sich in Nähe der Mittellinie an einem Befreiungsschlag, traf aber bloß den Körper von Arsenal-Außenbahnspieler Leandro Trossart. Der Abpraller wurde zu einer Vorlage für Kai Havertz, der ein halbes Feld vor sich hatte, im Stile einer Gazelle jedem enteilte, der sich zur Verfolgung aufmachte – und schließlich aus spitzem Winkel, aber kurzer Distanz brutal unter die Querlatte schoss. Was blieb, war die Frage, warum PSG-Torwart Matwei Safonov den Winkel nicht verkürzte. Die andere Frage: Warum er die Arme nicht hochriss. In jedem Fall begünstigte beides, dass Havertz sich schon etwas darauf freuen durfte, womöglich zum zweiten Mal in seiner Karriere ein entscheidendes Finaltor geschossen zu haben. 2021 hatte er einen anderen Londoner Klub, den FC Chelsea, im Endspiel von Porto gegen Manchester City zum 1:0-Sieg befördert. Doch der Weg sollte noch lang werden. Sehr lang. Und sehr zäh.Die Londoner parkten gegen PSG nicht einen Doppeldeckerbus vor dem Tor, sondern zweiDer große Unterschied zur Nacht von Porto war, dass das Havertz-Tor die Partie fundamental veränderte. Die Zahl der Finalisten, die daran interessiert waren zu spielen, halbierte sich im Nu von zwei auf eins. Denn Arsenal verbarrikadierte sich auf eine Weise, die einst den Italienern den Ruf einbrachten, bloß zynische Spielverderber zu sein. PSG suchte Räume, Inspiration, Überraschungsmomente, Chancen – und fand sie nicht.Die Londoner parkten nicht einen Doppeldeckerbus vor dem Tor, das der Spanier David Raya hütete, sondern zwei. Khvicha Kvaratskhelia rieb sich auf, Ousmane Dembélé stach nicht, Desiré Doué hätte als vermisst gemeldet werden können. Vitinha und Fabián Ruiz mussten anerkennen, dass jeder Passweg verstellt war. Und wenn die Gelegenheit günstig war – der Ball zum Beispiel im Aus landete –, nahm der FC Arsenal unter den Flüchen der Pariser enervierend viel Zeit von der Uhr. Der deutsche Referee Daniel Siebert managte die Lage auf skurrile Weise. Er ermahnte kaum einen Arsenal-Spieler; Verwarnungen gab es erst recht nicht. Als aber die Halbzeit nahte, bestrafte Siebert den FC Arsenal, indem er die Ausführung eines Eckballs durch den Pausenpfiff abwendete (oder sich, wie man auch sagen könnte, übers Regelwerk stellte). Den Eckstoß hatte übrigens Havertz herbeigeführt – durch einen vielversprechenden Vorstoß in den französischen Strafraum, denerst Marquinhos mit einer Grätsche stoppte.Was die Mannschaften in die zweite Halbzeit trugen, war das schale Gefühl einer sterilen PSG-Überlegenheit. Sie begann im Grunde mit der ersten Strafe für Zeitspiel des Abends. Cristhian Mosquera sah die gelbe Karte, weil er bei einem Einwurf getrödelt hatte. Mosquera stand dann bei der zweiten nennenswerten Aktion der zweiten Halbzeit im Zentrum des Geschehens, sie führte zum Ausgleich. Nach einem Doppelpass von Dembélé stieg er Kvaratskhelia in die Waden. Siebert zweifelte nicht und zeigte auf dem Punkt, der frühere Dortmunder Dembélé verwandelte sicher.Sein Tor hat in Budapest nicht gereicht: Der deutsche Nationalspieler Kai Havertz verpasst mit dem FC Arsenal den Champions-League-Titel. Tom Weller/dpaDamit wurden die Karten neu gemischt, unter anderem von Arsenal-Trainer Mikel Arteta. Jurrien Timber kam für den rotgefährdeten Mosquera. Zudem kam Stürmer Viktor Gyökeres für den theoretischen Spielmacher Martin Ödegaard. Und siehe: Arsenal hörte auf, wie ein von Ede Geyer betreuter FC Energie Cottbus auszusehen, der sich teure Füße leisten kann. Da der FC Arsenal nichts mehr zu verteidigen hatte, griff er an. Ein bisschen zumindest.Das barg Risiken: In der 77. Minute kam Kvaratskhelia in ähnlicher Position wie Havertz beim Tor zum Abschluss – doch sein Schuss wurde an den Pfosten abgefälscht. Rund fünf Minuten später griffen die Trainer ein. Als das Spiel zum Drahtseilakt geworden war, kamen Gabriel Martinelli und Noni Madueke für Saka und Trossard – sowie Bradley Barcola für Kvaratskhelia. Barcola hatte umgehend eine Szene: Doch er legte sich den in einer Umschaltsituation den Ball einen Hauch zu weit vor, Raya warf sich dem PSG-Stürmer zu Füßen und packte waghalsig zu. In der 90. Minute hatte er die Fortune auf seiner Seite: Doué hatte Vitinha am Strafraumrand freigespielt, doch der Schuss des Portugiesen ging knapp übers Tor. Bei einem weiteren, letzten Angriff der regulären Spielzeit traf Barcola von links nur das Außennetz. Danach ging es in die Verlängerung – ohne Havertz, der für Eberechi Eze ausgewechselt worden war.Die Verlängerung hielt einen großen Aufreger parat, als Madueke im Strafraum bei einem Zweikampf mit Nuno Mendes zu Fall kam – und Siebert richtig entschied: kein Elfmeter! Declan Rice und Arsenal-Trainer Mikel Arteta sahen dafür Gelb. Kurz vor dem Ende der Verlängerung hätte Timber PSG-Keeper Sofanov fast überrascht; ebenso Gyökeres mit einem abgefälschten Schuss. Doch dann kam es zum Elfmeterschießen.
Finale der Champions League: Paris beherrscht den Kontinent
Als erst zweite Mannschaft gewinnt Paris Saint-Germain den wichtigsten Klubwettbewerb zweimal nacheinander. Ein Tor von Kai Havertz und ein Aufreger in der Verlängerung reichen dem FC Arsenal nicht.











