Die Spieler von Racing Lens bildeten ein Spalier. Sie feixten, lachten und hatten viel Spaß daran, dass der mittlerweile zweimalige Champions-League-Sieger zwischen ihren Reihen hindurchschreiten musste, um sich eine mickrige Silbermedaille abzuholen. Mit ihrem 1:0-Sieg am vergangenen Sonntag gewannen die Nordfranzosen, die fast 45 Minuten in Unterzahl spielten, die Trophée des Champions, den französischen Supercup, gegen das vermeintlich übermächtige Paris Saint-Germain. Es war der erste Titel für Lens’ neuen Trainer Dino Toppmöller. „PSG hat eine unglaubliche Qualität und einen Top-Trainer. Aber ich bin stolz, weil meine Mannschaft die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Mit einem solchen Publikum können wir jeden schlagen“, sagte der Coach des Vizemeisters und Pokalsiegers, der sich auch in der neuen Ligue-1-Saison, die an diesem Freitag beginnt, einiges ausrechnet – nicht zuletzt wegen der herausragenden Atmosphäre im heimischen Stade Bollaert-Delelis.Auf der Gegenseite gab es dagegen bedröppelte Mienen. Eine Niederlage in einem innerfranzösischen Duell um einen Titel, das entspricht nun wahrlich nicht dem Pariser Selbstverständnis. Zehn von elf Finalspielen hatte Luis Enrique als PSG-Trainer mit seiner Mannschaft gewonnen (nur nicht jenes der Klub-WM 2025 gegen Chelsea) und nur vier Tage vor der Niederlage in Lens den Uefa-Supercup gegen Aston Villa eingefahren. Er sah die Enttäuschung in den Gesichtern seiner erfolgsverwöhnten Spieler und beeilte sich, ihnen warme Worte mitzugeben: „Wir haben besser gespielt als erwartet. So ist das Leben, so ist Fußball, das muss man akzeptieren.“Unmittelbar vor dem Liga-Auftakt folgten weitere schlechte Nachrichten für den Großklub aus der Hauptstadt: So wurde der portugiesische Linksverteidiger Nuno Mendes für einen Ellbogencheck kurz vor Ende des Spiels gegen Lens für drei Ligaspiele gesperrt. Und dann präsentiert sich auch noch der Rasen im Prinzenpark-Stadion wegen eines Pilzbefalls infolge der jüngsten Hitze in desolatem Zustand. Der französische Ligaverband LFP reagierte kurzfristig und tauschte am Mittwoch für das Auftaktspiel von PSG gegen Stade Rennes den Spielort, nun findet die Partie am Sonntag (20.45 Uhr) in der Bretagne statt.Dann werden wohl auch die jüngsten beiden Pariser Zugänge im Kader stehen: Für insgesamt etwa 100 Millionen Euro holte der französische Rekordmeister den belgischen Linksaußen Mika Godts, 21, von Ajax Amsterdam, sowie den Spanier Ferran Torres, der das Endspiel der Weltmeisterschaft gegen Argentinien mit seinem Tor in der Verlängerung entschied, vom FC Barcelona. Zuvor hatte man neben Linksverteidiger Lucas Digne in Maghnes Akliouche von der AS Monaco einen weiteren Offensivspieler verpflichtet, was unterstreicht, dass Luis Enrique im Angriff die Karten neu mischt. Denn im Gegenzug verließen Gonçalo Ramos (AC Mailand, 74 Millionen Euro) und Kang-in Lee (Atlético Madrid, 40 Millionen) den Verein. Der 18-jährige senegalesische WM-Teilnehmer Ibrahim Mbaye hat sich laut Medienberichten mit dem FC Liverpool auf einen Transfer geeinigt. Dorthin zieht es auch Bradley Barcola, allerdings sollen die beiden Vereine noch weit voneinander entfernt sein, was die Ablöse angeht: PSG will 170 Millionen, Liverpool bietet angeblich nur 115.Marseille-Trainer Génésio sieht wenig Chancen, PSG den Titel zu verwehrenMit den Personalrochaden versucht PSG, ein ohnehin schon kaum zu besiegendes Team noch besser zu machen. Wobei die Wechsel ausschließlich Ergänzungsspieler betreffen – das in den wichtigsten Champions-League-Spielen gesetzte Offensivtrio Dembélé-Doué-Kvaratskhelia dürfte weiterhin unumstritten sein. In Abwehr und Mittelfeld blieben Transfers dagegen aus – abgesehen von Digne, der als Stellvertreter für den etwas anfälligen Nuno Mendes geholt wurde. Kapitän und Rekordspieler Marquinhos, 32, um den es seit Jahren Gerüchte gibt, er könnte seine Karriere in der katarischen Profiliga ausklingen lassen, zeigt sich auch nach 40 (!) gewonnenen Titeln mit PSG noch immer voll motiviert. Der Ukrainer Illia Zabarnyi und der ehemalige FC-Bayern-Profi Lucas Hernández stehen weiterhin als teure Defensiv-Alternativen zur Verfügung, dürften auch künftig insbesondere in der heimischen Liga eingesetzt werden.Ergänzungsspieler oder mehr? Beraldo (rechts) und Neuzugang Maghnes Akliouche (Nummer 11) spielten im Supercup gegen Lens von Beginn an. Geoffroy van der Hassel/AFPUnd so geht der Meister, der zuletzt fünf Titel in Serie und zwölf der letzten 14 geholt hat, auch diesmal als absoluter Topfavorit in die Saison. Die Konkurrenz versucht erst gar nicht, auf Spannung zu machen. So sagte Trainer Bruno Génésio, der vom OSC Lille zum Pariser Erzrivalen Olympique Marseille wechselte, in einer Pressekonferenz am Donnerstag: „Es scheint schwierig, PSG am Meistertitel zu hindern. Es ist eine Mannschaft, die sich aus den besten Spielern zusammensetzt, mit einem der weltweit besten Trainer und Ressourcen, die mit denen anderer Mannschaften nicht vergleichbar sind.“Womit er das größte Problem der Pariser Konkurrenz bereits erwähnt hat: Durch die Krise bei der Fernsehvermarktung sind bis auf das vom Emirat Katar unterstützte PSG so gut wie alle Ligue-1-Vereine in finanzielle Notlagen geraten. Bei Olympique Lyon kommt dazu noch eine hausgemachte Finanzkrise rund um das mittlerweile beendete Engagement des amerikanischen Investors John Textor. Zumindest dürfen die Lyonnais nach dem 1:1 im Playoff-Hinspiel am Dienstag bei Fenerbahçe Istanbul darauf hoffen, neben PSG, Lens und Lille in die Champions League einzuziehen.
Frankreich vor dem Ligastart: PSG strebt nach Perfektion
Der Rasen unbespielbar, den Supercup verloren – dennoch bleibt Paris Saint-Germain in Frankreich auch in der neuen Saison das Maß der Dinge.








