VW-Chef Oliver Blume baut insgesamt 100 000 Stellen ab: Die Börse freut es, doch viele Mitarbeiter müssen weiter bangenDas amtierende Vorstandsteam des VW-Konzerns hat geschafft, was den Vorgängern oft misslungen ist: die sozialverträgliche Sanierung des verkrusteten Autobauers. Doch die Reise ist noch nicht zu Ende.06.09.2026, 14.13 Uhr3 LeseminutenOliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen-Gruppe.Kay Nietfeld / DPAOliver Blume hatte diese Woche ein kleines Jubiläum: Am Dienstag jährte sich sein Einstand als Konzernchef der Volkswagen-Gruppe zum vierten Mal. Doch richtig Grund zur Freude dürfte er erst am Donnerstagabend gehabt haben. Da stimmte der Aufsichtsrat wichtigen Teilen seiner «Zukunftsstrategie 2030» zu.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das war ein bedeutender Schritt bei der Sanierung von Europas grösstem Autobauer, wenngleich einige Entscheide vertagt worden sind. An der Börse machten die VW-Aktien am Freitag einen deutlichen Sprung. Ob sich Blume am Abend wohl ein Wolters Pilsener gegönnt hat, eine beliebte Marke in seiner Heimatstadt Braunschweig?Renditevorgaben für alle KonzernmarkenDie Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit hat sich für den Maschinenbauingenieur zum Marathonlauf entwickelt. Blume ist dabei schon viel weiter gekommen als seine Vorgänger. Dank seinem konsensualen und sachlichen Managementstil ist es ihm erstaunlich oft gelungen, den Widerstand der am Wolfsburger Hauptsitz sehr starken Gewerkschafter zu senken. Dabei hat sicher geholfen, dass selbst dem härtesten IG-Metall-Verhandler die schwierige Lage von VW klar ist.Bereits beim Amtsantritt hatte Blume vom Aufsichtsrat einen klaren Auftrag bekommen: den Konzern fit für die Zukunft machen. Als eine erste Massnahme verkleinerte Blume den Vorstand von zwölf auf neun Mitglieder. Ein Jahr später verordnete der akribisch planende Manager, der trotz seinen 58 Jahren immer noch jungenhaft wirkt, allen Konzernmarken ein Fitnessprogramm mit konkreten Renditevorgaben. Der Kernmarke VW, viele Jahre chronisch ineffizient und wenig rentabel, schrieb er eine operative Rendite von 6,3 Prozent ins Stammbuch. Dabei hoffte Blume sicherlich auf wirtschaftlichen Rückenwind.Doch das hat sich als Illusion erwiesen, die Lage wurde sogar schlimmer: der Ukraine-Krieg, der Einbruch des Absatzes in China sowie eigene Fehler setzten dem Konzern zu. In Europa haben sich die Verkäufe nie wieder dem Niveau von vor der Corona-Pandemie genähert. Dadurch fehlen VW rund 500 000 Verkäufe, was etwa zwei Werken entspricht. Kurz vor Weihnachten 2024 gelang Blume dann in einem Kraftakt der Beschluss zum sozialverträglichen Abbau von 50 000 Stellen, davon 35 000 bei der Kernmarke VW und die übrigen bei Audi und Porsche.Neue Verwendungen für vier deutsche WerkeIn den folgenden Quartalen musste Blume allerdings erkennen, dass das immer noch nicht reicht. Der weiter wegbrechende Markt in China, der Handelskrieg der USA sowie der generell schärfere Wettbewerb drohten VW und die ebenfalls kriselnden, früheren Gewinnbringer Porsche und Audi in existenzielle Not zu bringen.Dass Blume jetzt erneut der Abbau weiterer 50 000 Stellen gelang, ist bemerkenswert. Offen ist aber noch die Zukunft von vier deutschen Werken, für die es keine wettbewerbsfähige Auslastung gibt. Für sie soll es, wie bereits für zwei Werke zuvor, andere Verwendungsmöglichkeiten geben – ob intern oder extern ist unklar. Während die dortigen Mitarbeiter also weiter um ihren Job bangen müssen, hat Blume deshalb weitere harte Verhandlungen vor sich. Der Marathonlauf des Managers ist also noch nicht zu Ende, doch das Ziel kommt langsam in Sichtweite.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel