Fast 75.000 Frauen kämpfen in der ukrainischen Armee. Doch es fehlt an passgenauen Schutzwesten und Uniformen. Das kann gefährlich werden.

Es war gleich zu Beginn der russischen Vollinvasion: Beim Befehl „Luftalarm!“, sprang die ukrainische Soldatin Nataliya Lischschyschena von einem Lkw. Die 18 Kilo schwere Standard-Schutzweste schlug schmerzhaft gegen ihre Brust. Doch sie wusste, dass sie in Lebensgefahr schwebte und beachtete den Schmerz nicht weiter. Der Befehl „Luftalarm“ ertönte noch häufig an diesem Tag.

Als sie abends ihre Schutzweste auszog, bemerkte Nataliya große blaue Flecke an ihrem Oberkörper. Dann wurde ihre Einheit verlegt, der Krieg ging weiter, die blauen Flecke verschwanden und Nataliya dachte nicht weiter darüber nach. Bis einige Jahre später eine Krebsvorstufe bei ihr diagnostiziert wird, was dazu führte, dass ihre beiden Brüste amputiert werden mussten.

Nataliya Lischschyschena war eine der ersten Soldatinnen in der Ukraine, die dokumentierte, dass sie durch das Tragen einer regulären kugelsicheren Weste der Armee gesundheitliche Schäden erlitten hat.

Die „Standardweste“ genannte Schutzkleidung, den Nataliya trug, kann man eigentlich als männliche bezeichnen. Denn sie wurden für Männerkörper gemacht. Und obgleich heute fast 75.000 Frauen in den ukrainischen Streitkräften (ZSU) dienen, gibt es für sie noch immer keine anatomisch angepassten Schutzwesten, keine eigenen Uniformen, nicht einmal Frauenunterwäsche.