Die AfD schneidet vor allem in der Arbeiterschaft gut ab. Die taz hat in Magdeburg und Rügen nachgehakt, was die Menschen bewegt und was sie umstimmen würde.

Fast hätte das Interview zu einem Ehestreit geführt. „Das bringt doch nichts mit der Lügenpresse“, krakeelt der Grauhaarige, als die taz-Reporterin seine Frau in der Magdeburger Innenstadt anspricht. Er grapscht nach dem Handgelenk der adretten Blonden und versucht, sie weiter zu zerren. „Mit wem ich rede, entscheide immer noch ich“, feuert sie zurück.

Dann reißt sie sich los, macht auf dem Absatz kehrt und wendet sich der Reporterin zu. „So, was wollen Sie wissen? Ich bin gut informiert“, beginnt sie das Gespräch. Der Mann stapft davon. „Ich werde AfD wählen“, erklärt sie im zweiten Satz. Dass die AfD die Demokratie abbauen könnte, kommentiert sie nur mit: „Jeder hat seinen Makel.“

So sehr der Sieg der Rechtsextremen am Sonntag in Sachsen-Anhalt zu befürchten ist, so sehr haben auch viele Akteure der Region gezeigt: Aufgeben ist keine Option. Und: Nach der Wahl ist immer auch vor der Wahl, zum Beispiel der Bundestagswahl 2029. Den anderen Parteien bleibt nichts anderes übrig, als zu versuchen, Stimmen zurückzugewinnen. Besonders viele haben sie in der Arbeiterklasse verloren. Aber es entscheidet sich mit 30 Prozent bislang nur eine Minderheit von ihnen für die rechtsextreme Partei – obwohl das bürgerliche Feuilleton teils einen anderen Eindruck vermittelt.