Vor dem Beginn der Haushaltsberatungen für 2027 im Bundestag warnen Ratingagenturen Deutschland vor einer steigenden Zinslast bei wachsenden Schulden. „Obwohl Deutschland weiterhin von vergleichsweise günstigen Finanzierungskonditionen profitiert, verteuern höhere Kapitalmarktzinsen und die wachsende Kreditaufnahme den Schuldendienst“, sagte Malgorzata Wegner, Deutschland-Expertin der Ratingagentur Fitch, der „Welt am Sonntag“.
Die europäische Ratingagentur Scope sieht dies ebenfalls als Problem. „Wenn ein größerer Teil des Haushalts für Zinsen aufgewendet werden muss, stehen weniger Mittel für andere politische Vorhaben zur Verfügung. Das erhöht den Druck, die Staatsfinanzen zu konsolidieren und die Defizite langfristig zu senken“, sagte Deutschland-Analyst Julian Zimmermann der Zeitung.Warnungen kommen auch aus der Unionsfraktion. „Die immer weiter steigenden Zinsausgaben werden auf Sicht zu unserem größten Problem“, sagte der Chefhaushälter der Unionsfraktion, Christian Haase.
Hohe Neuverschuldung geplantIm Bundestag beginnen ab Dienstag die Beratungen zum Etat 2027. Der Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (48; SPD) sieht Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor. Geplant ist eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro – nach geplanten 98 Milliarden 2026. Dazu kommen neue Schulden aus den Sondervermögen für Infrastruktur und für die Bundeswehr. Insgesamt soll die Neuverschuldung 2027 damit bei gut 200 Milliarden Euro liegen.












