Längst ist die Brandmauer zwischen AfD und CDU mürbe. Immer mehr Menschen und Medien rechts der Mitte, auch im Umfeld der Christdemokraten, sehen in der AfD lediglich eine etwas ungehobeltere, vulgärere oder auch konsequentere Variante der CDU. Käme man endlich zusammen, könne sich die CDU aus dem Zwang befreien, immer weiter nach links hin Kompromisse schließen zu müssen. Die CDU könnte wieder zu sich finden, und so viele Leute da draußen wollten es schließlich auch. Umgekehrt könne die AfD von der CDU lernen, mit Messer und Gabel zu essen. Staatsämter disziplinieren doch, Würde durch Amt! Das ist letztlich gemeint, wenn die CDU aufgefordert wird, lediglich mit ein paar roten Linien bekleidet auf die AfD zuzugehen oder sich von ihr tolerieren zu lassen.

Ein Gebräu aus tiefster Verachtung und komplettem Verfall der guten Sitten Diese brandgefährliche Mischung aus Arroganz und Naivität ist es, die hinter der These von der »Entzauberung« der AfD durch Regierungsbeteiligung steckt. In der dunklen Vorahnung, schon verloren zu haben, trösten sich viele: Im AfD-Programm steht doch gar nichts von Abschaffung der Demokratie! Ulrich Siegmund will nur auf der Simson ins Glück der Neunzigerjahre zurück, das ist vielleicht ein bisschen verschmockt, aber faschistisch ist es ja wohl nicht. Wäre die Partei die Bedrohung, von der dauernd die Rede ist, dann hätte man sie doch längst verboten. Aber den Gerichten hat bisher nicht ausgereicht, was da vorliegt – also sind die Warnungen vielleicht einfach ein unlauteres Mittel der AfD-Gegner im Wahlkampf?