Wichtige UpdatesSortierungLiebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle endet das News-Update für die Woche bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wir informieren Sie natürlich weiter über alle Ereignisse rund um die Wahl auf SPIEGEL.de. Am Sonntag wird es einen tagesaktuellen Liveblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geben. Wir freuen uns, Sie dort morgen wieder begrüßen zu dürfen!Impressionen aus MagdeburgCarlotta BöttcherDerzeit in MagdeburgMagdeburg: »Es fühlt sich alles ein bisschen an wie 1989« Drei Frauen sitzen am Rand der Demonstration in Magdeburg, eine knapp 50-Jährige, ihre Stiefmutter und ihre Tochter. Sie haben einen Korb dabei, darin eine Flasche Wein und ein paar Flaschen Piccolo. Gerade sprechen sie über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt vor anderthalb Jahren, ganz hier in der Nähe. Auch hier könnte ja eigentlich jemand reinfahren, sagt die Frau, »wie gruselig das alles ist«.Sie seien hauptsächlich wegen der Musik da, hätten nur am Rand gesessen, sich nicht auf der Veranstaltung umgeschaut. Die Frau sagt: »Es fühlt sich alles ein bisschen an wie 1989.« So viel los, so politisch alles, überall Plakate, Demonstrationen, Veranstaltungen. Die ganze Welt schaue nach Magdeburg. »Da merkt man schon, irgendwas wird hier passieren.«Die Stiefmutter sagt, sie halte nichts von der AfD und ihrem »Strahlemann«. Aber viele würden die Partei vermutlich aus Protest wählen, weil sich endlich was ändern müsse. Siehe Weihnachtsmarkt. Oder der Hasselbachplatz hier in Magdeburg, ergänzt die Anfang 20-Jährige. Wenn sie abends in Magdeburg ausgehe, müsse ihr Vater sie hinfahren und wieder abholen, so gefährlich sei es inzwischen auf der Straße. Dann verabschieden sie sich, nach Hause.AfD setzt auf einen Ministerpräsidenten Siegmund Die AfD hat zum Abschluss des Landtagswahlkampfs ihren Willen bekräftigt, die Regierung übernehmen zu wollen. Ab Montag beginne erst richtig die Arbeit als angehender Ministerpräsident, sagte der AfD-Co-Bundeschef Tino Chrupalla zum Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. »Wir werden dich mit aller Kraft unterstützen.«Bei der Veranstaltung mit Hunderten jubelnder und Fähnchen schwenkender Unterstützer sagte Chrupalla weiter: »Diese blaue Welle von Magdeburg wird über Mecklenburg-Vorpommern auch nach Berlin schwappen. Sie wird am Ende auch im Bund zu Veränderungen führen.«Oliver Kirchner, Co-Fraktionschef der AfD im sachsen-anhaltischen Landtag, erklärte: »Wir werden hier in Sachsen-Anhalt die Wahl gewinnen und Sachsen-Anhalt zum Leuchtturmprojekt für fünf gute Jahre in Sachsen-Anhalt machen und somit auch den Stein für die Bundespolitik ins Rollen bringen.« Carlotta BöttcherDerzeit in MagdeburgEin buntes, fröhliche Fest, obwohl »wir aus wirklich ungemütlichen Gründen hier sind« Jetzt spielt Berq in Magdeburg, einer der Hauptacts an diesem Abend. Mit einem Regenbogen ist er auf die Bühne gekommen. Die meiste Zeit scheint die Sonne, ab und an gibt es einen kurzen Regenschauer. Vor der Bühne stehen Fans, die lautstark mitsingen. Berq sagt: »Es ist wirklich erschlagend, wie viele hier sind. Es ist so so schön, dass wir so viele sind.« Er wird unterbrochen von lautem Applaus. Es sei paradox, dieses bunte, fröhliche Fest, obwohl »wir aus wirklich ungemütlichen Gründen hier sind. Aber wir sind auch hier, um uns gegenseitig Mut machen.«Carlotta BöttcherDerzeit in MagdeburgOrganisator in Magdeburg: »Hier passiert gerade etwas, worauf die ganze Welt sehr besorgt schaut«Hinter dem Demokratiefest in Magdeburg steht ein breites Bündnis aus mehr als 300 zivilgesellschaftlichen Organisationen und mehr als Hundert Privatpersonen. Einer der Mitglieder im Kernteam ist Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Der Andrang habe alle Erwartungen übertroffen, sagt er. »Wir haben es gehofft und es ist eingetreten. Es ist großartig, wie viele Menschen sich auf den Weg hierher gemacht haben.«Herrfurth glaubt nicht, dass man damit noch etwas kippen könne oder das Wahlergebnis beeinflussen. Es gehe hier um ein Dankeschön an alle, die Gesicht und Haltung zeigten. Und darum, all diejenige zu ermutigen, die in einer bunten Gesellschaft leben wollen. Auch wenn alle Organisatoren bereits Erfahrung haben mit Demonstrationen und Engagament – »das hier ist eine krasse Nummer. In der Größenordnung hat das noch niemand von uns gemacht.«Die vergangenen Tage sei er vor allem mit Presseanfragen aus der ganzen Welt beschäftigt gewesen. Zum einen sei er sehr dankbar um die Anteilnahme und das Interesse. »Andererseits merkt man da natürlich: Hier passiert gerade etwas, worauf die ganze Welt sehr besorgt schaut.«Proteste gegen die AfD auch in HalleIn Halle haben sich am Bahnhof Hunderte Antifa-Demonstranten versammelt. »Bambule, Randale, Nazis in die Saale«, rufen sie. Die linksradikale Szene in Halle ist berüchtigt. 2019 trug ihr massiver Protest etwa dazu bei, das »Haus Flamberg« der rechtsextremen »Identitären Bewegung« aus der Stadt zu verdrängen. In dem Haus sollten Tagungen stattfinden, zudem befand sich dort das Abgeordnetenbüro des AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider. Aufgrund der anhaltenden Proteste wurde das Projekt schließlich aufgegeben.2019 verübte ein Rechtsextremist in Halle einen Terroranschlag auf die Synagoge. Der Täter selbst kam allerdings aus dem Umland. Die AfD erzielt in Halle ihre landesweit schwächsten Ergebnisse.Leseempfehlung: Dass unsere Städte und Dörfer gesichtslos werden, geht uns alle anDie AfD hat den Unmut über Investorenarchitektur zum Wahlkampfthema gemacht. Doch die Sehnsucht nach schönen, unverwechselbaren Orten sollte nicht den extremen Rechten überlassen werden. Lesen Sie hier den Gastbeitrag von Jan Grossarth.SPD-Ministerin Alabali Radovan: »Die Stimmung vor Ort ist manchmal besser als die Umfragen« Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan gibt sich vor den Landtagswahlen kämpferisch. »Man darf die Menschen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nicht unterschätzen, die sich für Demokratie und demokratische Werte engagieren«, sagte die SPD-Politikerin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). »Ich bin da weiterhin hoffnungsvoll«, so Alabali Radovan, die selbst in Schwerin lebt. »Die Stimmung vor Ort ist manchmal besser als die Umfragen. Wie es dann konkret aussieht, wird sich nach den Wahlen zeigen.« Leseempfehlung: Hitlergruß und »Vergasen«-Rufe bei einer Siegmund-VeranstaltungVor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigen manche Anhänger der AfD ihr wahres Gesicht. Sie treten aggressiv auf und präsentieren Neonazi-Symbole. Besonders Grüne und Linke berichten von krassen Drohungen. Lesen Sie die Reportage hier.Merz: Lassen uns das Land nicht von der AfD kaputt redenBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine stärkere Auseinandersetzung mit der AfD gefordert – auch, was die Wortwahl betrifft. Dabei verwies Merz auf eine Aussage von Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt, der bei einem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation »Generation Deutschland« erklärt hatte, der Staat sei »ein nach Dope stinkender, fauler Asi«.Das zeige, »was diese Leute von unserem Land halten«, sagte Merz am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Niedersachsen. Es zeige auch, wie man mit diesen Leuten umgehen müsse.»Wir lassen uns von diesen Leuten unser Land nicht kaputt reden«, erklärte Merz. Die Bundesrepublik Deutschland blicke auf eine fast 80-jährige Erfolgsgeschichte – mit vielen Problemen und vielen Herausforderungen. »Aber wir sind immer noch eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Wir sind immer noch eines der sichersten Länder der Welt. Und wir sind immer noch eine stabile, gefestigte Demokratie.«Magdeburg: Polizei spricht von 6000 Demonstranten – vor FestivalbeginnDer Polizei zufolge waren in Magdeburg bereits vor dem offiziellen Beginn des Demokratiefestivals rund 6000 Menschen bei Zubringerdemonstrationen unterwegs. Bis zum Abend spielen Musikerinnen und Musiker wie Kerstin Ott, Sebastian Krumbiegel von den Prinzen und Juli auf dem Magdeburger Domplatz. Dazu kommen Reden unter anderem von Luisa Neubauer und der Publizistin Carolin Emcke.Leseempfehlung: Er will endlich als Mann leben. Trotz der AfD, trotz seiner MutterJulian Kern hat sich für ein Geheimprojekt entschieden – als trans Mann in der AfD-Hochburg Sachsen-Anhalt. Lesen Sie seine Geschichte hier.Carlotta BöttcherEhemaliger ICE-Kommandant empfiehlt AfD-Mann Siegmund zur Wahl: »Mach ihnen die Hölle heiß«Kurz vor der Wahl wünscht der ehemalige ICE-Kommander Gregory Bovino Ulrich Siegmund viel Glück. »Give them hell on Sunday«, schrieb Bovino auf X. In etwa: »Mach ihnen am Sonntag die Hölle heiß«. Siegmund bedankte sich bei Bovino für die Wahlempfehlung. Bovinos Gesicht wird wie kein anderes mit Trumps Razzien mit hochgerüsteten Beamten in den USA in Verbindung gebracht.Er war Chef eines mobilen Kommandos der Border Patrol und leitete in vielen Großstädten die Verfolgung von Migranten, die mutmaßlich kein Aufenthaltsrecht hatten. Auch nach auf Video festgehaltenen Gewaltexzessen verteidigte er seine Soldaten noch. Erst nach zwei Vorfällen mit tödlichen Schüssen von Grenzschützern auf US-Bürger in Minneapolis zog Trump Bovino aus Minneapolis ab. Wenig später verließ er die Truppe in den vorzeitigen Ruhestand. Sein martialisches Auftreten machte Bovino weit über die USA hinaus bekannt. Wegen seines auffälligen Haarschnitts und zweireihigen Mantels mit ausladendem Kragen wurde ihm vorgeworfen, sich einer Nazi-Ästhetik zu bedienen. Carlotta Böttcherderzeit in MagdeburgTausende Demonstranten in MagdeburgIn Magdeburg beginnt die Demonstration des Bündnisses »Sachsen-Anhalt. Weltoffen!«. Rund mehrere Tausend Menschen haben sich vor dem Hauptbahnhof versammelt und laufen in Richtung Domplatz, wo am Nachmittag das Demokratiefestival stattfinden soll. Unter den Demonstranten sind zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter die »Omas gegen Rechts«, der CSD Sachsen-Anhalt und der Migrantenverband LAMSA.Anti-AfD-Projektion am Magdeburger DomEin zivilgesellschaftliches Bündnis hat einen Slogan an die Fassade des Magdeburger Doms und des Landtags projiziert. Dort war am Freitagabend zu lesen: »Was wir lieben, geben wir nicht auf. Wahre Heimatliebe ist nicht die AfD.« Weitere Gebäude sollen offenbar am Samstag folgen. Es handelt sich laut einer Sprecherin um den Abschluss der Kampagne »Wahre Heimatliebe ist« des Vereins »Mehr als uns trennt«, der nach eigenen Angaben überparteilich, unabhängig und spendenfinanziert arbeitet. Zu den Unterstützern gehören neben Schauspielern wie Sandra Hüller und Christian Friedel, Menschen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Die Initiative hatte unter anderem mit Plakaten und einer Bustour für die Wahl demokratischer Parteien geworben. Sie will eine Alleinregierung der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem AfD verhindern. Landesschülersprecherin nimmt ZDF nach »KiKa«-Interview mit Siegmund in die VerantwortungDie Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt hat sich zu ihrem Interview mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund geäußert. Sie hatte für den öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa« mit dem Politiker gesprochen. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund. Einordnungen der ZDF-Redaktion fehlten in dem »KiKa«-Format. Dafür gab es nach der Veröffentlichung erhebliche Kritik. Landesschülersprecherin hat darauf nun in einem Social Media Post reagiert, da sie viel Kritik erreiche. »Die fehlende Einordnung und Aufklärung wäre nicht meine Aufgabe gewesen, sondern die des ZDF«, heißt es darin. Und weiter: »Ich distanziere mich ganz klar gegen Rechtsextremismus.«Christina Christiansen on Instagram: "Die Schülersprecherin selbst hat mich inzwischen angeschrieben und ausdrücklich klargestellt, dass die fehlende Einordnung nicht in ihrer Verantwortung lag, sondern beim ZDF. Meine Kritik richtet sich nicht gegen eine junge Frau, die in ihrer Funktion ein überparteiliches Interview geführt hat, sondern gegen die redaktionelle Verantwortung eines öffentlich-rechtlichen Kinderformats. #Rechtsextremismus #AfD #ZDF #Demokratie #Medienkritik"937 likes, 33 comments - christiansen_christina_ on September 4, 2026: "Die Schülersprecherin selbst hat mich inzwischen angeschrieben und ausdrücklich klargestellt, dass die fehlende Einordnung nicht in ihrer Verantwortung lag, sondern beim ZDF. Meine Kritik richtet sich nicht gegen eine junge Frau, die in ihrer Funktion ein überparteiliches Interview geführt hat, sondern gegen die redaktionelle Verantwortung eines öffentlich-rechtlichen Kinderformats. #Rechtsextremismus #AfD #ZDF #Demokratie #Medienkritik".instagram.comExterner InhaltBeim Anzeigen externer Inhalte werden Daten an Dritte übertragen.Kinderkanal gewährt AfD-Spitzenkandidat halbstündiges InterviewDie Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird medial umfangreich begleitet – auch vom öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa«. Der steht nun allerdings für ein Sendeformat in der Kritik. Der AfD-Spitzenkandidat hat im »KiKa« umfangreich Sendezeit erhalten, im Rahmen eines Schülerinnen-Interviews. Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund. In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus.Debatte: Wie blicken Sie auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt? Wie ist Ihre Meinung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt? Teilen Sie sie hier mit uns und anderen Leserinnen und Lesern bei SPIEGEL-Debatte.Klöckner weist AfD-Spekulationen über Wahlbetrug zurück Bundestagspräsidentin Julia Klöckner weist Spekulationen der AfD über angebliche Wahlmanipulationen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zurück. Aus ihrer Sicht gebe es keinen Anlass, an der Integrität von Wahlen in Deutschland zu zweifeln, sagte die CDU-Politikerin dem SPIEGEL. »Ohne konkreten Beweis Wahlen infrage zu stellen, scheint daher ein Ziel zu haben: Misstrauen in unsere Regeln zu streuen und ihr Ergebnis nur unter Vorbehalt des eigenen Abschneidens akzeptieren zu wollen«, sagte Klöckner. »Die Wahlen für unsere Parlamente werden nach klaren Regeln und transparent durchgeführt. Und wenn Fehler passieren, wird geprüft und wenn nötig korrigiert«, betonte sie. Fälle von Wahlbetrug oder Manipulation würden geahndet. »Im Übrigen: Jede und jeder Wahlberechtigte kann Einspruch gegen ein Wahlergebnis einlegen. Das ist Ausdruck der Stärke und des Selbstverständnisses unserer Demokratie«, sagte Klöckner. Mehr dazu lesen Sie hier.IW-Chef Hüther: AfD-Regierung würde Sachsen-Anhalt »wirtschaftlich an die Wand fahren« Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnt im Fall eines Wahlerfolgs der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer »ruinösen« Zuwanderungspolitik und deren Folgen für das Bundesland. »Deutschland ist angesichts seiner Demografie auf qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen«, sagte Hüther der »Rheinischen Post«. »Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen ihre Ausweisung fordert«, fügte er hinzu.»Für Sachsen-Anhalt selbst wäre eine Zuwanderungspolitik nach Vorstellungen der AfD ruinös. Wegen der ungünstigen Demografie sinkt die Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt nach unseren Prognosen ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel. Auf jeden Erwerbsfähigen in Sachsen-Anhalt käme dann mehr als ein Mensch, der nicht arbeitet«, führte Hüther aus und betonte, dies würde das Land »wirtschaftlich an die Wand fahren«.»Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre eine Belastungsprobe für die liberale Demokratie und würde deren Widerstandsfähigkeit testen«, erklärte der IW-Chef. Umfragen des Instituts zufolge würden »sechs von zehn ostdeutschen Unternehmern« die Demokratie gefährdet sehen.Videoempfehlung: Auf rechts gedrehtWut, Frust und eine AfD, die auf einen historischen Wahlsieg hofft. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geht es um die Kitakrise oder den Ärztemangel, aber vor allem um einen großen Denkzettel. Sehen Sie hier den Beitrag von SPIEGEL-TV.Magdeburger Bischof: »Nicht jeder, der demokratisch wählt oder gewählt wird, ist ein Demokrat«Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige wurde schon persönlich von der AfD attackiert, in einem Interview warnt er nun vor der Partei. Feige sagte der »Augsburger Allgemeinen«: »Menschen sind verführbar, zu allen Zeiten. Das macht mir Angst. Jetzt wieder.« Die AfD werde normalisiert und damit verharmlost, das erschüttere ihn. »In den vergangenen Jahren gab es so viele Dammbrüche und Grenzverletzungen.«Feige führte aus, inzwischen sei vieles, das die AfD propagiere, im Alltag angekommen. »Die Begriffe ›Altparteien‹ oder ›Remigration‹ sind nun das Normalste der Welt, alle sprechen davon. Dabei ist mit ›Remigration‹ die Zwangsausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte gemeint.« Nach dem »Potsdamer Treffen« von Rechtsextremen und AfD-Politikern dazu seien Anfang 2024 Hunderttausende Menschen dagegen auf die Straßen gegangen. »Heute steht das Wort im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt – und das stört viele offensichtlich nicht.«Der Bischof erinnerte: »Victor Klemperer hat 1947 über die Sprache des Nationalsozialismus geschrieben – und wie über die Sprache das Bewusstsein verändert wird.«Er verstehe immer besser, wie es einst zum Erstarken der NSDAP kam, so Feige. »Die Demokratie trägt ein Selbstzerstörungspotenzial in sich. Sie lässt sich mit ihren eigenen Methoden abschaffen.« Daher sei er überzeugt: »Nicht jeder, der demokratisch wählt oder gewählt wird, ist ein Demokrat.« Ministerpräsident Schulze verteidigt Auftritt mit Didi Hallervorden Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat seinen Wahlkampfauftritt mit dem umstrittenen Kabarettisten Dieter Hallervorden im Interview mit dem »Kölner Stadt-Anzeiger« gerechtfertigt. »Die AfD schreibt auf ihre Plakate, nur mit ihr gebe es Meinungsfreiheit. Mir ging es darum zu zeigen, dass dieses Thema nicht allein der AfD gehört«, sagte er. »Ich habe mit Dieter Hallervorden auf der Bühne gestanden, ihm in einzelnen Punkten aber komplett widersprochen.« Hallervorden hatte bei dem Auftritt angebliche Kriegstreiberei Deutschlands beklagt. Hallervorden sei »einer der bekanntesten Sachsen-Anhalter und ein deutschlandweit bekannter Künstler, der trotz seines hohen Alters hier ein Zeichen setzen möchte«, sagte Schulze.Leseempfehlung: »Sicherheitsrelevante Bedenken« – Landtag verweigert Journalist die AkkreditierungDer freie Journalist Mohamed Amjahid darf bis auf Weiteres nicht an einer offiziellen Wahlveranstaltung in Sachsen-Anhalt teilnehmen. Der Landtag verweist in seiner Ablehnung auf Erkenntnisse der Polizei. Lesen Sie hier die Hintergründe.Bildungsministerin Prien zu AfD-Wahlprogramm: »Die Schulpflicht aufzugeben, wäre gesellschaftspolitisch eine Katastrophe« Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) wendet sich strikt gegen die von der AfD in Sachsen-Anhalt geforderte Abschaffung der allgemeinen Schulpflicht. »Die Schulpflicht aufzugeben, wäre gesellschaftspolitisch eine Katastrophe«, sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa. Stattdessen sollte man aus Sicht der Ministerin »eher über verpflichtende Ansätze in der Kita nachdenken«.Die AfD plädiert in ihrem Programm zur Landtagswahl an diesem Sonntag unter der Überschrift »Bildungspflicht statt Schulzwang« für eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht. Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, sollen halbjährlich zentrale Prüfungen ablegen.Aus Priens Sicht wäre das der falsche Weg. »Ich halte die Schulpflicht für eine der großen Errungenschaften des modernen Rechtsstaats«, sagte die Ministerin. »Kinder brauchen Schule als Lern- und als Lebensort. Kindern, die nicht in die Schule gehen, drohen erhebliche psychische Beeinträchtigungen.« In der Schule träfen sich Menschen unterschiedlicher Milieus, sie seien Orte der Integration und sozialen Interaktion. »Die Menschen bewegen sich ohnehin schon viel zu viel nur in ihren Blasen«, sagte Prien.Der Staat zwinge Kinder keineswegs in staatliche Schulen. Vielmehr könnten sich Eltern für private Alternativen mit unterschiedlichen Konzepten entscheiden, zum Beispiel für kirchliche oder Montessori-Schulen. Für diese Schulen gebe es jedoch eine staatliche Aufsicht und gemeinsame Regeln. Tausende zu Kundgebungen am Wahlwochenende erwartetAm Wahlwochenende werden in Sachsen-Anhalt Tausende Menschen zu Demonstrationen und Kundgebungen erwartet. Nach Polizeiangaben sind ein Dutzend Veranstaltungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und mehrere Kundgebungen für Demokratie in Halle (Saale) angemeldet. Die größte findet ab Samstagnachmittag auf dem Magdeburger Domplatz statt: Hier erwartet ein Bündnis aus Gewerkschaften und Zivilgesellschaft rund 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Daneben begeht die AfD ihren offiziellen Wahlkampfabschluss.Hape Kerkeling spricht Wahlempfehlung gegen AfD ausEntertainer Hape Kerkeling hat seine Auszeichnung mit der »Goldenen Henne« am Freitagabend genutzt, eine Wahlempfehlung für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auszusprechen. »Wenn Sie Ihre Stimme abgeben am Sonntag, dann stimmen Sie auch für den MDR, den Mitteldeutschen Rundfunk und seine Hörfunkwellen«, sagte er bei seiner Dankesrede, wobei er die Menschen in Sachsen-Anhalt direkt ansprach. »Und falls Sie es nicht tun sollten, komme ich persönlich vorbei mit 'ner Taschenlampe und 'nem Mikro und sende allein bei Ihnen«, sagte Kerkeling weiter. Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte angekündigt, im Fall einer Alleinregierung die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Die Partei spricht sich für eine grundlegende Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Der MDR-Staatsvertrag regelt Organisation und Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks. Jedes der drei Trägerländer – Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – kann den Vertrag mit einer Frist von zwei Jahren zum Ende eines Kalenderjahres kündigen.Leseempfehlung: Wie die AfD noch vor der Wahl die Mär vom Stimmenklau verbreitetSpitzenkandidat Siegmund ruft zur Wahlbeobachtung auf, Parteichef Chrupalla raunt von angeblichem Briefwahl-Betrug in Pflegeheimen. Die AfD baut für den Fall vor, dass sie ihr Wahlziel verfehlt. Lesen Sie hier den ganzen Text.Özdemir: »Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt souverän bleibt«Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) warnt vor einer Einflussnahme Russlands und anderer Staaten im Falle einer AfD-Alleinregierung in Sachsen-Anhalt. »Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt weiterhin souverän ist, ob hier entschieden wird, was hier passiert oder ob man sich künftig die Genehmigung von Herrn Putin, von Herrn Trump, von Herrn XI oder von Herrn Erdoğan einholen muss«, sagte der Politiker der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Abschlussveranstaltung der Grünen am Freitagabend im sachsen-anhaltischen Landtagswahlkampf in Halle. »Es geht auch um die Souveränität Deutschlands, Europas. Das steht hier zur Wahl.« Er erneuerte auch seine Forderung nach einem Parteiverbotsverfahren für Teile der AfD. »Ich finde, das muss ernsthaft geprüft werden, ob der Flügel um Höcke, ob der nicht gegen die Prinzipien des deutschen Grundgesetzes, unserer Verfassung verstößt.« Das gelte auch für die übrigen Teile der Partei, die dieser Ideologie folgten, so Özdemir. Das NPD-Verbotsverfahren sei nicht gescheitert, weil die NPD nicht verfassungsfeindlich sei, sondern weil sie zu unbedeutend gewesen sei, um die Demokratie zu gefährden. »Das kann man jetzt bei der AfD nicht sagen.«Es brauche aber auch Selbstkritik. »Das entbindet uns nicht von der Aufgabe, uns mit der Frage zu beschäftigen, warum wir so viele Leute verloren haben«, sagte Özdemir mit Verweis auf die steigenden Wahlergebnisse der AfD. Die demokratischen Parteien müssten sich fragen, was sie falsch gemacht hätten. Zweimal »Heimat«, zweimal »Zusammenhalt«, einmal GrabenDer Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist geprägt von emotionalen Ansprachen, alle wollen die Heimat schützen und den Zusammenhalt stärken. Beide Sätze fallen so sowohl auf AfD- wie Linken-Veranstaltungen. Doch was sagt das über die Zeit nach dem Wahlsonntag aus? Ein kleines Videoresümee: Siegmund sieht sich als Wahlsieger – selbst wenn Wahlziel nicht erreicht wird Mit einiger Verspätung hat Ulrich Siegmund seine Rede beim »Familienfest« gehalten, wie die rechtsextreme AfD ihre Veranstaltungen gerne nennt. Er baut schon mal vor für den Fall, dass die AfD ihr Wahlziel von »45 Prozent plus X« und Alleinregierung nicht erfüllt. »Egal, wie es ausgeht, wir haben es geschafft«, ruft Siegmund, und: »im Prinzip« habe man die »Wahl gewonnen«. Siegessicher klingt das nicht, doch die Menge, mit 2000 Personen deutlich kleiner als im Vorfeld von der AfD erhofft, jubelte. Während seiner Rede stimmten sie »Ost-Ost-Ostdeutschland« und »Wir sind das Volk«-Rufe an. Wie so oft waren bei der Veranstaltung Neonazi-Symbole sichtbar, auf Kleidung, Armen und Beinen, vom Platz verwiesen wurden sie nicht.Nur mäßiger Andrang beim AfD-FestMit knapp 45 Minuten Verspätung beginnt die AfD ihr »Familienfest« in Magdeburg. Die Veranstalter hatten offenbar noch auf mehr Besucherinnen und Besucher warten wollen. Das angemietete Festgelände ist riesig, mit etwa 15.000 Interessierten hat die Partei kalkuliert. Tatsächlich vor Ort war bis Freitagnachmittag nur ein Drittel.Die AfD verkauft das dennoch als Erfolg – und versucht historische Vergleiche. »Das ist ein Bild wie zur Wendezeit 1989«, ruft Co-Landeschef Oliver Kirchner zur Begrüßung. Es seien 5000 Leute hier und das sei für einen Freitagnachmittag beachtlich.Im Publikum sieht man viele Fans mit rechtsextremen und menschenfeindlichen Anspielungen auf ihrer Kleidung, etwa mit Bezügen zur »Remigration« oder mit dem Spruch »Deutschland für Alles« als Anspielung auf die ähnlich lautende verfassungsfeindliche SA-Parole.Videoempfehlung: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sonnt sich in der Zuneigung seiner Fans. Mit seiner Simson mischt er die AfD-»Familienfeste« auf. Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Meine Kollegin Jessy Schrödter und mein Kollege Adrian Altmayer von SPIEGEL TV haben Siegmund über längere Zeit begleitet. In ihrem Film blicken sie auch hinter die Fassade des Populisten-Sunnyboys und fächern das völkische Netzwerk auf, das Siegmund steuert. Dass der seiner Wählerschaft Dinge verspricht, die er als möglicher Ministerpräsident gar nicht umsetzen kann, scheint da fast das kleinste Problem zu sein. Sehen Sie hier den ganzen Film:Matthias DeuringHauptstadtbüroGroßes Interesse aus dem Ausland an Wahl in Sachsen-AnhaltDie Landtagswahl in Sachsen-Anhalt trifft auch im Ausland auf großes Interesse. Neben Journalistinnen und Journalisten deutscher Medien sind so zum Wahltag auch zahlreiche ausländische Medienschaffende vor Ort in Magdeburg.Laut der Pressestelle des Landtags sind derzeit insgesamt rund 800 Personen für die Berichterstattung am Wahlabend akkreditiert, 500 davon werden vor Ort in der Messe Magdeburg erwartet. Unter ihnen befinden sich rund 70 ausländische Medienvertreterinnen und Medienvertreter.Nach Angaben der Landtagsverwaltung berichten diese für Medien aus 14 verschiedenen Ländern, darunter europäische Nachbarn wie Frankreich, Dänemark, Österreich und die Schweiz. Aber auch Journalistinnen und Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, aus Taiwan und der Volksrepublik China seien vor Ort.Kinderkanal gewährt AfD-Spitzenkandidat halbstündiges InterviewDie Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird medial umfangreich begleitet – auch vom öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa«. Der steht nun allerdings für ein Sendeformat in der Kritik. Der AfD-Spitzenkandidat hat im »KiKa« umfangreich Sendezeit erhalten, im Rahmen eines Schülerinnen-Interviews. Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund. In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus.Nach acht Minuten ist der Kanzler schon wieder wegDas war es also: Gerade einmal acht Minuten sind Sven Schulze und Friedrich Merz vor die Kameras getreten. Drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erreicht das Schauspiel »Die CDU versteckt ihren Kanzler im Wahlkampf« im Chemiepark Leuna damit seinen Höhepunkt.Schulze und Merz reden über die Bedeutung der Chemieindustrie, wie diese durch die internationalen Krisen unter Druck gerät – und warnen vor der AfD. Die extrem rechte Partei stelle die EU, den Binnenmarkt und Schengen infrage, sagte der Kanzler. Wer dagegen sei, also auch Milliardeninvestitionen wie in Leuna erhalten wolle, dürfe am Sonntag nicht AfD wählen.Doch glaubt die CDU überhaupt noch daran, einen Wahlsieg erreichen zu können? Angesichts der aufgeregten Debatte in Schulzes Landesverband über den Umgang mit der Linkspartei kann man daran Zweifel haben. Man hätte gern von Kanzler oder Ministerpräsident gewusst, wie sie das so sehen. Doch Nachfragen sind an diesem Abend in Leuna nicht gestattet. Welche Regierungen sind in Sachsen-Anhalt möglich?Eine Alleinregierung der AfD ist laut aktuellen Umfragedaten nicht möglich. Mit dem SPIEGEL-Rechner können sie ausprobieren, wann welche Regierungsoption möglich wird. Sie finden das Tool hier.Leseempfehlung: Muss man die AfD wirklich um jeden Preis von der Macht fernhalten?Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt stehen die Rechtsextremen bei über 40 Prozent. Trägt da noch die Strategie der Ausgrenzung? »Der Schaden einer »Frankenstein-Koalition« wäre für mich kleiner als der Schaden einer AfD-Regierung«, sagt Maria Fiedler, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros. Mathieu von Rohr, Leiter des SPIEGEL-Auslandsressorts entgegnet: »Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre ein gravierender Einschnitt, aber nicht automatisch der Anfang vom Ende der deutschen Demokratie.«Das Streitgespräch der beiden SPIEGEL-Kollegen lesen Sie hier.»Das waren oft sehr anstrengende Gespräche«Die beiden Freunde Björn-Michael Lange und Henry Lindemeier sind aus Berlin – aber seit zwei Wochen in Sachsen-Anhalt unterwegs. Zunächst mit der Idee, AfD-Interessierte über die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei aufzuklären. Dann mit dem Ansinnen, Wechselwählende vom »taktisch wählen« zu überzeugen; also der Idee, je den aussichtsreichsten Gegnern der AfD in einem Wahlkreis Stimmen zu geben.Im Videointerview spricht Lindemeier darüber, wie gut das geklappt hat – und wie es eigentlich auf die Bürgerinnen und Bürger im Land wirkt, wenn zwei »Wessis« zum Belehren aus Berlin anreisen. Udo Lindenberg wirbt gegen die AfDAuf Instagram hat sich Musiker Udo Lindenberg zur Wahl in Sachsen-Anhalt gemeldet. Er ruft die Menschen auf, zu prüfen, für wen sie ihr Kreuz setzen. »Nimm die Sonnenbrille ab und schau dir genau an, was dir versprochen wird.«Weiter schreibt er: »Du darfst diese Regierung verfluchen, auf alle Parteien wütend sein, radikale Veränderung fordern, und du hast absolut recht damit!! Aber Wut ist noch kein Wahlprogramm!!« Mit der AfD werde nicht alles besser – »schon gar nicht für unser schönes Land und unsere hart erkämpfte Demokratie, unsere Verfassung, die unsere Würde und Freiheit sichert, auch die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit.«»Wer Deutschland WIRKLICH liebt, wählt schwarz rot gold, gelb oder grün oder lila, aber definitiv NICHT blau«, so beendet Lindenberg seinen Aufruf.Udo Lindenberg auf Instagram: "Liebe Leute, am Sonntag ist Wahl, und ja, ich weiß - die Schnauze ist voll. Schnauze voll von Parteien, die seit Jahren erzählen, dass alles besser wird – dabei wird nur alles teurer, Krieg und Krisen überall, und auf nix ist Verlass. Aber deshalb umso wichtiger: check bitte ganz genau, wo du dein Kreuz machst. so Detektiv Coolmann mäßig, mit der großen Lupe aufs Kleingedruckte. Nimm die Sonnenbrille ab und schau dir genau an, was dir versprochen wird: Nicht das Plakat, den Spruch, den Wut-Button - sondern das Programm. Weil da steht oft was ganz anderes als auf der Verpackung!! Also: 1. „WIR SENKEN DIE STEUERN!“ klingt super. Aber die Frage ist: für wen? Von den AfD-Steuerplänen profitieren vor allem die Reichen - mit einem Jahreseinkommen über 200.000 Euro! Und die Erbschaftsteuer soll ja komplett weg. also nur geil für Familien mit nem Millionenvermögen. 2. UND DANN DIE WAFFEN: „keine weiteren Verschärfungen des Waffenrechts“ klingt ja erstmal harmlos. Aber wollen wir wirklich mehr Waffen in unserer Gesellschaft? So wie in Amerika, wo Schusswaffen zum Alltag gehören - und selbst Kinder in der Schule lernen, was bei einem Amoklauf zu tun ist…?! Dann doch lieber Gitarren statt Knarren, unsere Devise. 3. „WIR MACHEN DIE GRENZEN DICHT“ heißt übersetzt: mehr Aufwand, mehr Kosten, massive Kontrollen, Wartezeiten, Lkw-Schlangen. Und das betrifft nicht nur die Geflüchteten, sondern auch den Lkw-Fahrer, den Pendler, den Handwerker. Die Familie, die mal eben nach Polen fährt. Den Betrieb, der seine Ware über die Grenze bekommt. Totales Chaos und wirtschaftlicher Overkill. Genau wie die Forderung: (weiter in den Kommentaren)"17K likes, 716 comments - udolindenberg am September 3, 2026: "Liebe Leute, am Sonntag ist Wahl, und ja, ich weiß - die Schnauze ist voll. Schnauze voll von Parteien, die seit Jahren erzählen, dass alles besser wird – dabei wird nur alles teurer, Krieg und Krisen überall, und auf nix ist Verlass. Aber deshalb umso wichtiger: check bitte ganz genau, wo du dein Kreuz machst. so Detektiv Coolmann mäßig, mit der großen Lupe aufs Kleingedruckte. Nimm die Sonnenbrille ab und schau dir genau an, was dir versprochen wird: Nicht das Plakat, den Spruch, den Wut-Button - sondern das Programm. Weil da steht oft was ganz anderes als auf der Verpackung!! Also: 1. „WIR SENKEN DIE STEUERN!“ klingt super. Aber die Frage ist: für wen? Von den AfD-Steuerplänen profitieren vor allem die Reichen - mit einem Jahreseinkommen über 200.000 Euro! Und die Erbschaftsteuer soll ja komplett weg. also nur geil für Familien mit nem Millionenvermögen. 2. UND DANN DIE WAFFEN: „keine weiteren Verschärfungen des Waffenrechts“ klingt ja erstmal harmlos. Aber wollen wir wirklich mehr Waffen in unserer Gesellschaft? So wie in Amerika, wo Schusswaffen zum Alltag gehören - und selbst Kinder in der Schule lernen, was bei einem Amoklauf zu tun ist…?! Dann doch lieber Gitarren statt Knarren, unsere Devise. 3. „WIR MACHEN DIE GRENZEN DICHT“ heißt übersetzt: mehr Aufwand, mehr Kosten, massive Kontrollen, Wartezeiten, Lkw-Schlangen. Und das betrifft nicht nur die Geflüchteten, sondern auch den Lkw-Fahrer, den Pendler, den Handwerker. Die Familie, die mal eben nach Polen fährt. Den Betrieb, der seine Ware über die Grenze bekommt. Totales Chaos und wirtschaftlicher Overkill. Genau wie die Forderung: (weiter in den Kommentaren)".instagram.comExterner InhaltBeim Anzeigen externer Inhalte werden Daten an Dritte übertragen.»Ich hörte, die AfD mag Menschen aus der Ukraine nicht«Xenia, 27, kam vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Wählen darf sie hier nicht, Sorgen macht sie sich umso mehr:»Ich bekomme mit, dass gerade viele über die Wahl reden. Auch mit meinen Freundinnen spreche ich darüber. Wir sind unsicher, wie es nach Sonntag weitergeht. Irgendwann, wenn der Krieg vorbei ist, will ich wieder in der Ukraine arbeiten. Aber jetzt suche ich hier einen Job, mache Weiterbildungen, verbessere mein Deutsch. Ich habe aber Sorge, dass das nicht mehr geht, wenn die AfD regiert. Ich hörte, sie mag Menschen aus der Ukraine nicht. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie gewählt wird – und dann weitersehen!« Zwei Bischöfe warnen vor der AfD: »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar«Christinnen und Christen stehen für Nächstenliebe und Menschenwürde. Dies gelte insbesondere für die Schwächsten der Gesellschaft, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«: »Dazu gibt es keine Alternative, weder in Deutschland noch anderswo«, sagte der Münsteraner Bischof. Die im Parteinamen formulierte Alternative für Deutschland sei »eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden«. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wiederum nannte es die Rolle der Kirche, vor Fehlentwicklungen zu warnen und aktiv für die Demokratie einzustehen. Es gehe um Themen, die für Christen nicht verhandelbar seien, etwa die unveräußerliche Menschenwürde jedes Einzelnen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. Über konkrete politische Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein. »Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar.« Koch zeigte sich überzeugt, dass das persönliche Gespräch entscheidend sei. »Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können, und dass wir diese Themen sehr ernst nehmen.« Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. Aber: Die Kirche müsse Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwendeten. »Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen«, sagte der Erzbischof. »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!«Leseempfehlung: Die Feindseligkeiten gegenüber Journalistinnen und Journalisten erreicht einen neuen HöhepunktDas zeigt eine Auswertung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Ver.di, die dem SPIEGEL vorab vorliegt. Demnach wurden seit Mai über 30 Übergriffe und Behinderungen auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen registriert. Betroffen gewesen seien mindestens 43 Journalistinnen und Journalisten, TV-Teams und politische Influencer, so die dju.25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede.Auch der Rempler eines rechtsextremen Streamers gegen einen SPIEGEL-Reporter bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg wurde in der Statistik erfasst.Warum der Vorfall der Auswertung zufolge kein Einzelfall ist, lesen Sie hier.Bereits 26 Demonstrationen für das Wahl-Wochenende angemeldetDas meldet die Volksstimme unter Berufung auf das Innenministerium in Sachsen-Anhalt. Mehrere Tausend Teilnehmer werden erwartet, auch aus anderen Bundesländern. Die größten Veranstaltungen werden wohl ein »Familienfest« der AfD am Freitag sowie ein Demokratiefestival am Samstag, das sich gegen die AfD richtet. Beide Veranstaltungen finden in Magdeburg statt.Eine Auswahl der sonstigen Veranstaltungen:Am Freitag ist ein Protestcamp angekündigt: »Schlechte Grüße aus Bitterfeld«.Am Samstag startet am Magdeburger Hauptbahnhof eine Demonstration, die anschließend zum Domplatz und dem Demokratiefestival führt. Dazu sind kleinere Demonstrationen, Fahrraddemos und Autokorsos angemeldet, von der Antifa aber auch rechten Gruppen.Am Sonntag sind ebenfalls mehrere Kundgebungen angemeldet, unter anderem eine unter dem Titel: »Sachsen-Anhalt bleibt weltoffen« in der Magdeburger Innenstadt.Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war der Name des Protestcamps falsch angegeben. Wir haben den korrekten Namen eingefügt.So lief die letzte TV-Spitzenrunde vor der WahlDie Spitzenkandidatinnen und -kandidaten haben sich zum letzten Mal vor der Wahl zum Streiten getroffen, es war eine meist lebhafte Debatte – allerdings nur dann, wenn es um die AfD und ihr Programm ging. Drei Erkenntnisse:1. Ulrich Siegmund ist ein sehr talentierter Vermarkter – macht aber eine schlechte Figur, wenn er auf Widerspruch trifft. Vor allem Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen fiel dem AfD-Mann teils vehement in die Parade und legte sich mit ihm an, worauf Siegmund mitunter unsouverän reagierte. Er wirkte wie einer, der sich zu sehr daran gewöhnt hat, auf großen AfD-Fanfesten von seiner Anhängerschaft bejubelt und von rechten »Alternativmedien« unkritisch befragt zu werden.2. Den anderen Parteien ist es dennoch gelungen, nicht als homogener Anti-AfD-Block zu erscheinen. Das ist auch der Moderation zu verdanken: Das Zweiergespann ließ die Debatte zwar zu oft aus dem Ruder laufen, sodass phasenweise kaum etwas zu verstehen war. Mit der Themenwahl aber ermöglichten sie es, dass zentrale Unterschiede deutlich wurden.3. Es war die Runde der kleinen Parteien: CDU-Regierungschef Sven Schulze, der im Zweierduell mit Siegmund zuletzt zweimal gut aufgelegt war, blieb diesmal über weite Strecken eher blass. Vor allem die Grünen und das BSW nutzten die große Bühne hingegen effektiv für sich – was angesichts einer derart unübersichtlichen Runde mit neun Leuten durchaus eine Leistung ist.Dann werden die Spitzenkandidaten gebeten, per Handzeichen ihre Zustimmung zu verschiedenen Aussagen zu signalisieren. Die Vereinfachung der Fragestellungen scheint Siegmund (AfD) und Wittig (BSW) nicht zu stören. Bei Fragen zu einer kostenlosen Kita oder der Forderung, den Spritpreis auf 1,50 Euro zu begrenzen, weisen die anderen Spitzenkandidaten darauf hin, dass sich solche Vorhaben möglicherweise nicht ohne Weiteres umsetzen lassen.Alle reden durcheinander, und die Runde amüsiert sich über das Format. Ob sich die etwas überfordert wirkenden Moderatoren die Fragerunde so vorgestellt haben?Termindruck im WahlkampfHallo aus Merseburg! Hier lädt die Linke heute ins Domstadtkino zum Wahlkampfevent. Der Termin illustriert ganz gut, unter welchem Zeitdruck das Spitzenpersonal steht: Los gehen soll es 18 Uhr, Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern steht aber noch 15 Kilometer nördlich in Halle beim TV-Duell im Fernsehstudio. Bis sie hier ist, sollen die „Silberlocken“ Dietmar Bartsch und Gregor Gysi das Publikum unterhalten.Mehr als 200 Interessierte sind da, der Saal ist voll. Wie es zu den „Silberlocken“ passt, sind vor allem Ältere da. Und das Interesse war größer als es der Kinosaal hergibt. Jene, die die Linke wieder wegschicken muss, werden mit Goodie Bags getröstet.Apropos »Ehre der Frau«: Im Anschluss holt Schulze gegen Siegmund aus. Das Frauenbild der AfD laufe mit Forderungen wie »mehr Kinder kriegen« und der Abschaffung der Schulpflicht im Kern darauf hinaus, Frauen »zurück an den Herd« zu schicken.Zudem zeigt sich Schulze fast schon mitleidig mit Siegmund: Denn alles, was Hans-Thomas Tillschneider ins Wahlprogramm schreibe, müsse Siegmund anschließend mühsam im Wahlkampf erklären.Herr Siegmund und die »Kulturfremden«Wie schon im TV-Duell am frühen Nachmittag geht es um den Begriff der »kulturfremden Fachkräfte« aus dem Wahlprogramm der AfD. Siegmund versucht sich an einer Erklärung, die allerdings nichts erklärt, spricht über die »Ehre der Frau«, über Gewalt. »Wir haben überhaupt kein Problem mit ausländischen Ärzten, die hier einen guten Job machen«, behauptet der Spitzenkandidat einer gesichert rechtsextremen Partei. Und: »Was ist denn Kultur? Die Sprache zum Beispiel.«Am Ende fällt ihm erneut Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz ins Wort, sichtlich entrüstet. Ihr Resümee: »Sie lügen es einfach weg«, was im Wahlprogramm stehe. Das mag man unterhaltsam finden, wirklich erkenntnisreich ist all das allerdings nicht.Siegmund und Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz rasseln aneinanderSusan Sziborra-Seidlitz hat sich für diesen Nachmittag offenbar etwas vorgenommen, jedenfalls für den Umgang mit AfD-Mann Siegmund. Die Spitzenkandidatin der Grünen fällt ihm wiederholt ins Wort – zum Beispiel, als der Rechtsextremist über angeblich linksgrüne »Indoktrination« an Schulen redet. Schließlich blafft ein sichtlich genervter Siegmund die Grüne an: »Sie sind nicht in der Lage, zuzuhören, das ist bedauerlich!« »Ich will nur 'ne Nachfrage stellen.« »Rufen Sie mich doch an, Frau Sziborra-Seidlitz.« »Wir sehen uns regelmäßig im Landtag, das reicht mir.«Dann geht es um das Thema Bildung. Wie soll dem Lehrermangel entgegengewirkt werden? Die SPD möchte das duale Lehramtssystem ausbauen. Die Linke fordert, weniger Geld für die Bundeswehr und mehr Geld für Bildung auszugeben. Die FDP will Lehrerinnen und Lehrer von unterrichtsfernen Aufgaben entlasten.Moderator Nikolaus Blome konfrontiert Siegmund mit den bildungspolitischen Vorschlägen der AfD: »Frontalunterricht«, »Deutschlandflaggen« und eine »Beschwerdestelle beim Bildungsministerium«. Schließlich erklärt Siegmund, Schülerinnen und Schüler würden sich bei ihm über Indoktrination an den Schulen beschweren. »Wir möchten, dass Neutralität herrscht.«Jetzt geht es rundPlötzlich ist kaum noch ein Wort zu verstehen, alle reden durcheinander, einige brüllen sich regelrecht an, es ist ein wildes Durcheinander. Anlass ist der erste längere Redebeitrag von Rechtsextremist Siegmund, es geht um das Schuldenpaket des Bundes, das Siegmunds Parteifreund Hans-Thomas Tilllschneider mal als »Geld der Schande« bezeichnet hat. Die anderen wollen Siegmund seine Halbwahrheiten und Relativierungen nicht durchgehen lassen, zwischendurch sagt Linkenpolitikerin Eva von Angern, man könne mit Siegmund gar nicht reden: »Das bringt nix.« Daraufhin reden mehrere Spitzenpolitikerinnen und -politiker gleichzeitig auf den AfD-Mann ein, der sich schließlich beleidigt zeigt und seinen Vortrag abbricht: »Sie sind nicht mal in der Lage, zuzuhören!« Nun hat Siegmund das Wort. Wie möchte er dem Fachkräftemangel entgegenwirken und verhindern, dass das Bundesland immer männlicher wird?Siegmund erklärt, dies sei ein generelles Problem Deutschlands. Die Moderatoren versuchen daraufhin, ihn zurück nach Sachsen-Anhalt zu lenken, doch Siegmund bleibt allgemein. Die junge Generation sehe in Deutschland keine Zukunft. Er wolle ihr Zukunftsperspektiven bieten und eine Kultur der Freiheit und des Aufbruchs schaffen. Konkreter wird er nicht.Unübersichtliche Debatte – ohne große EmotionenDie TV-Debatte in dieser großen Runde hat so gar nichts gemein mit dem hitzigen Schlagabtausch vorhin zwischen Ministerpräsident Schulze und Rechtsextremist Siegmund. Der AfD-Mann sitzt fast die ganze Zeit unbeteiligt am Rande und kommt kaum zu Wort, der Christdemokrat doziert minutenlang über die Entwicklung heimischer Unternehmen, die außerhalb Sachsen-Anhalts kaum jemand kennen dürfte. Die Liberalen werben für Steuererleichterungen, die Grünen für Klimaschutz, alles ziemlich erwartbar. Das ist ein gesitteter und informativer Meinungsaustausch – aber auch ziemlich zähe Kost, selbst für politisch Interessierte in Ostdeutschland. Die erste Frage richtet sich an Sven Schulze. Es geht um die Maßnahmen der Bundesregierung nach dem versuchten Anschlag Russlands auf den Flughafen in Leipzig. »Es ist richtig, dass die Bundesregierung hier agiert«, sagt Schulze. Claudia Wittig vom BSW bezeichnet die Schließung des Russischen Hauses als falsche Reaktion. Es gehe darum, Gesprächskanäle offenzuhalten.Die AfD habe vor einer solchen Entwicklung gewarnt, wenn man sich an »fremden Konflikten« beteilige, so Ulrich Siegmund. Es gebe immer eine Vorgeschichte; auch der russische Angriffskrieg habe eine Vorgeschichte. Was er damit meint, führt Siegmund nicht weiter aus. TV-Runde mit sieben Spitzenkandidaten startetAuf das Duell von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund von der AfD folgt der nächste politische Schlagabtausch, allerdings in größerer Runde: Die Spitzenkandidaten der Parteien diskutieren ab jetzt in der Wahlkampfarena von RTL/ntv und Radio Brocken. Mit dabei sind neben Schulz und Siegmund Armin Willingmann (SPD), Lydia Hüskens (FDP), Eva von Angern (Die Linke), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) und Claudia Wittig (BSW). Moderiert wird die Wahlkampfarena von Dorothée Oster (Radio Brocken) und Nikolaus Blome (RTL/ntv). 90 Minuten sind vorbei – was sind die wichtigsten Erkenntnisse?Die Debatte zwischen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und seinem Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD ist vorbei. Sie verlief phasenweise hektisch, manchmal sogar ruppig. In Stil und Inhalt konnte auch diesmal fast ausschließlich CDU-Mann Schulze punkten. Er wirkte souverän und ruhig, bisweilen fast staatsmännisch – obwohl er weder ein großer Charismatiker noch ein begnadeter Redner ist. Aber Rechtsextremist Siegmund, eigentlich ein talentierter Vermarkter, hat es ihm auch leicht gemacht: Meist servierte er dem Publikum altbekannte Plattitüden und Wahlkampfparolen, auf die vielen Zwischenrufe und Nachfragen war er oft schlecht vorbereitet. Zudem ließ er sich von Schulze erstaunlich häufig den Schneid abkaufen: Er ließ ihm mal kleinlaut den Vortritt, fiel ihm an anderer Stelle aber ungelenk ins Wort. Ob all das Auswirkungen auf diejenigen hat, die noch nicht ihre Stimme abgegeben haben, ist dennoch offen. Die CDU leidet unter der Unbeliebtheit des Kanzlers und seiner Bundesregierung. Und die meisten AfD-Fans stehen ohnehin unverbrüchlich hinter Siegmund.Jetzt kommt auch noch das BSW zu Wort – indirektAuf den letzten Metern des TV-Duells geht es nun um ein Thema, das in Sachsen-Anhalt stark polarisiert: Ein israelischer Rüstungskonzern plant den Bau einer Rüstungsfabrik in Sangerhausen, im strukturschwachen Südwesten des Landes. Diese Debatte befeuert vor allem das BSW, die dieses Projekt strikt ablehnt, nun sollen sich Siegmund und Schulze positionieren.Der Christdemokrat sagt, es sei wichtig, die Bundeswehr auszustatten, viel mehr kommt da nicht. Noch schwächer ist die Antwort des Rechtsextremisten: »Wir müssen das im individuellen Fall prüfen«, sagt er. »Ich weiß jetzt nicht genau, was mit den Gütern passiert. Gehen die in die Ukraine?«»Ich brauche eine stabile Mehrheit«, sagt Siegmund – die knifflige MachtfrageInteressant wird es nun gegen Ende des TV-Duells, das sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und sein Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD liefern.Es geht um die konkreten Regierungs- und Koalitionsoptionen. Schulze, der laut Umfragen selbst gemeinsam mit SPD, FDP und Grünen keine Mehrheit im Landtag hätte, eiert herum. Die Regierung bilde man mit einer Mehrheit im Landtag, sagt der Regierungschef, und: »Wir werden es erst Sonntagnacht wissen.« Damit lassen sich die Moderatoren zum Glück nicht abspeisen und fragen nach: Würde die CDU mit der Linken kooperieren? Schulze sagt das, was er schon etliche Male gesagt hat – dass er sich von niemandem abhängig mache, dass weder Linke noch AfD bei ihm am Kabinettstisch säßen. Und: »Klare Aussage: Wir wissen nicht, wie das Ergebnis ist.« Das ist alles, nur keine klare Aussage.Siegmund hat es da leichter. Er bekräftigt erneut, dass er ohne Koalitionspartner regieren wolle – lässt dann aber durchblicken, dass er sich selbst bei einer absoluten Mehrheit womöglich nicht zur Wahl stellen würde: »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, tönt er. »Eine Stimme wäre mir ein bisschen zu wacklig.«Siegmund kommt ins StrauchelnDer AfD-Kandidat macht in diesem TV-Duell einen phasenweise katastrophalen Eindruck, etwa in der Debatte über Bildungspolitik. Erst monologisiert Schulze minutenlang über schulpolitische Details, es scheint ruhiger zu werden – aber dann fragen die Moderatoren Siegmund: Wolle auch er das, was sein Parteifreund Hans-Thomas Tillschneider neulich gefordert hatte, nämlich schwarz gekleidete, martialisch aussehende Wachmänner mit Tränengas auf Schulhöfen? Siegmund tut das, was er besonders gut kann, er lächelt, dann sagt er: »Man muss auch mal manche Sachen mit Humor nehmen.« Er sei Tillschneider sehr dankbar, dass er komplexe Sachverhalte so zugespitzt darstelle. »Natürlich war das eine satirische Überspitzung!«An anderer Stelle geht es um das Schulsystem. Siegmund fordert, zum dreigliedrigen Schulsystem zurückkehren, woraufhin ihn die Moderatoren korrigieren: Sachsen-Anhalt hatte noch nie ein dreigliedriges Schulsystem, sondern ein zweigliedriges. Siegmund wirkt kurz blamiert, redet aber schnell weiter: Jetzt sei halt ein dreigliedriges nötig.Siegmund windet sich, Schulze gibt den QuälgeistJetzt geht es um die Behauptung des brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch, Deutschland könne auch mit 60 statt 80 Millionen Einwohnern leben. Die Moderatoren wollen wissen, ob Siegmund das auch so sieht. Er könnte »ja« oder »nein« sagen, aber Siegmund sagt: »Ich höre mir unterschiedliche Perspektiven in der AfD an.« Er teile nicht jede Meinung – dann fällt ihm Schulze ins Wort: »Aber antworten Sie doch mal auf die Frage!« Siegmund windet sich erneut, wieder fällt ihm Schulze ins Wort: »Herr Siegmund, ich hätte jetzt gern die Antwort dazu.« Da verliert der AfD-Mann die Geduld: »Wurden Sie dazu befragt?« Nein, sagt Schulze, »aber ich bin auch Bürger dieses Landes.«Falls Sie sich fragen, ob die Moderatoren auch mal zu Wort kommen: Die beiden haben jedenfalls eine sehr herausfordernde Aufgabe. Ein wildes Hin-und-HerSiegmund: »Sie spinnen sich was zurecht, weil sie inhaltlich blank sind, Herr Schulze!« Schulze: »Ich höre ihnen nur zu.«So geht das gerade immerzu. Immer wieder fällt Schulze seinem AfD-Herausforderer ins Wort, der zusehend gereizt reagiert. »Och Herr Schulze! Wenn das hier jetzt so läuft… geht das so weiter?«, sagt Siegmund, und: »Bleiben Sie doch mal ganz entspannt und unterbrechen nicht die ganze Zeit, Herr Schulze.«Ein paar Augenblicke später fordert auch Schulze vom aufgebrachten Siegmund ein, ausreden zu dürfen. Siegmund, plötzlich kleinlaut: »Na schön, hammse recht.« Siegmund wird laut, Schulze bleibt langsamAfD-Mann Siegmund beantwortet die Eingangsfrage, warum er Regierungschef werden wolle, so: weil »ich die Sprache des Volkes spreche«, weil er eine »Politik für unser eigenes Volk, unsere eigenen Leute« wolle. Schulze hingegen sagt: »weil ich nicht nur labere, sondern auch liefere.« Was zu Beginn der TV-Debatte auffällt: Siegmund ist offenbar bemüht, diesmal einen besseren Eindruck zu machen. Der AfD-Mann wird auch mal laut, redet über die Nachfragen der Moderatoren hinweg, wirkt dabei schon nach wenigen Minuten aggressiv. Schulze hingegen redet langsam und ruhig, auch dann noch, wenn Siegmund ihm ins Wort fällt. Er scheint sich einen staatsmännischen Auftritt vorgenommen zu haben.Das letzte DuellIn Halle läuft das letzte direkte Aufeinandertreffen jener Männer, die um das Amt des Ministerpräsidenten kämpfen: CDU-Amtsinhaber Sven Schulze trifft im Live-Duell auf seinen Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD. Übertragen wird die Debatte im Stream der »Mitteldeutschen Zeitung« und der »Magdeburger Volksstimme«.Die Uhrzeit ist für ein Duell ungewöhnlich, wie so vieles rund um diese Landtagswahl. Aber es geht um viel: Christdemokrat Schulze liegt in den Umfragen mit seiner CDU nahezu 20 Prozentpunkte hinter der AfD. Für ihn geht es daher um alles: Er wird versuchen, möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen – und da er bei den beiden einzigen großen Regionalzeitungen des ganzen Bundeslandes zu Gast ist, handelt es sich um die perfekte Bühne.Bühnen allerdings weiß in der Regel auch Siegmund für sich zu nutzen, er ist ein begabter Redner und Selbstdarsteller. Er mobilisiert die Massen und ist gut darin, die radikalen An- und Absichten seiner Partei zu kaschieren und zu verharmlosen. Das vorherige Aufeinandertreffen der beiden war dennoch ein klarer Punktsieg für den oft eher nüchtern auftretenden Schulze: Siegmund wirkte über weite Strecken defensiv und fast überfordert. Leseempfehlung: Vorbild Trump und Orbán – wie die AfD den Staatsapparat in Sachsen-Anhalt übernehmen willDie AfD plant, nach einem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt den Staatsapparat radikal umzubauen. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern, schreiben die Professoren Tom Mannowitz und Tom Thieme in ihrem Gastbeitrag. Wieso man dafür nach Ungarn und in die USA schauen sollte, lesen Sie hier. Starker Mitgliederzuwachs bei AfD in Sachsen-AnhaltDie Mitgliederzahl der AfD in Sachsen-Anhalt ist seit 2023 jährlich um 30 bis 40 Prozent gewachsen, das berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf Zahlen des Verfassungsschutzes. Ende 2025 hatte die Partei nach eigenen Angaben in Sachsen-Anhalt rund 3500 Mitglieder, und damit fast Tausend mehr als das Jahr zuvor.Mit der Landtagswahl 2016 zog die AfD erstmals in den Magdeburger Landtag ein. Seit den Kommunalwahlen 2019 ist sie in allen Kreistagen sowie in der überwiegenden Zahl der Stadt- und Gemeinderäte des Bundeslands in Fraktionsstärke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent und blieb damit stärkste Oppositionsfraktion im Parlament. Ideologisch ordnet der Verfassungsschutz den Landesverband der sogenannten Neuen Rechten zu. Wie extrem die Landtags-Kandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt sind, lesen Sie hier. Leseempfehlung: An der Uni Magdeburg bereiten sie den Widerstand gegen die AfD vorEine AfD-geführte Landesregierung könnte in Sachsen-Anhalt in die Forschung, Lehre und Hochschulautonomie eingreifen. Wie Lehrende und Studierende das verhindern wollen – und welche Hilfe sie bekommen, lesen Sie hier.SPIEGEL-Debatte: Wäre ein Wahlsieg der AfD eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland? Was denken Sie? Wäre ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland? Schreiben Sie ihre Meinung hier bei SPIEGEL-Debatte.Deutsche-Bank-Chef warnt vor populistischen ParteienDer Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, warnt wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor dem Aufstieg populistischer Parteien. »Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben«, sagte Sewing zum Auftakt des »Handelsblatt-Bankengipfels« in Frankfurt. »Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.«»Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme«, warnte Sewing. »Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet das Wichtigste, was wir jetzt brauchen, nämlich Wachstum.« Wachstum sichere Wohlstand, ermögliche Aufstieg und stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne dieses würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer.»Die Wahlen treffen auf eine polarisierte Gesellschaft und eine politische Mitte unter Druck«, sagte Sewing. »Das Ergebnis kann die politischen Verhältnisse in Ländern, Parteien und Bundesregierung weiter verkomplizieren.« Leseempfehlung: Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen wegen möglicher AfD-RegierungEin Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Lesen Sie hier die Analyse.Merz erneut in Sachsen-Anhalt – und erneut ohne Öffentlichkeit Das Versteckspiel geht weiter: Bundeskanzler Friedrich Merz reist morgen nach Sachsen-Anhalt, erst zum zweiten Mal in der heißen Wahlkampfphase. Und wie schon am Montag in Quedlinburg soll der CDU-Chef erneut nicht mit einer breiten Öffentlichkeit in Kontakt kommen.In Leuna, ganz im Süden des Landes, ist am späten Nachmittag ein Rundgang bei der Firma UPM Biochemicals vorgesehen, anschließend soll es zusammen mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) lediglich eine Stellungnahme vor der Presse geben. Spontane Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern: nicht vorgesehen.Anschließend treffen Kanzler und Ministerpräsident in Braunsbedra am Geiseltalsee Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft und der Landwirtschaft aus der Region. Was dort genau passiert, könnte ein Geheimnis bleiben – bei diesem Termin sind nicht einmal Medien eingeladen.Schulze betreibt seit Monaten einen Wahlkampf, der auf Tausende Einzelgespräche statt auf Großveranstaltungen setzt – und auf maximale Distanz zum unpopulären Parteichef und Kanzler (mehr dazu hier).Rund 20 Prozent wollen per Brief wählenEtwa 1,69 Millionen Menschen sind in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt, viele von ihnen wollen per Briefwahl abstimmen. Bis zum 25. August wurden schon an rund 335.000 Wahlberechtigte Unterlagen dazu ausgegeben – das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Das teilte das Statistische Landesamt in Halle (an der Saale) mit. Demnach steigt das Interesse: Vor fünf Jahren haben knapp 315.567 Menschen bei der Landtagswahl per Brief abgestimmt.Die Frist für die Briefwahl endet am Freitag: »Ein Wahlschein kann bis spätestens 4. September 2026, 15.00 Uhr, beantragt werden«, erklärt die Landeswahlleitung. In besonderen Ausnahmefällen wie einer plötzlichen Erkrankung sei das aber auch am Wahltag noch bis 15.00 Uhr möglich.Brief mit verdächtiger Substanz in AfD-Parteibüro in Magdeburg – Spezialkräfte geben EntwarnungIn einem Parteibüro der AfD in Magdeburg ist ein Brief mit einer verdächtigen Substanz eingegangen. Zudem habe er ein Drohschreiben enthalten, teilte die Polizei laut Nachrichtenagentur dpa mit. Die Feuerwehr sei mit einer spezialisierten Einheit, einem sogenannten ABC-Trupp und einem speziellen Messfahrzeug angerückt. Die Spezialkräfte gaben letztlich Entwarnung und schlossen eine Gefährdung aus, hieß es. Die Polizei ermittelt nun zu den Hintergründen und dem Verfasser des Briefes. Leseempfehlung: Die Möchtegern-Kaderschmiede der AfDUnter neuem Namen sollte sich die AfD-Jugend professionalisieren. Doch beim ersten Parteitag scheitert der Vorstand in der einzigen inhaltlichen Debatte – und Gastredner Ulrich Siegmund zeigt sich weniger siegesgewiss. Lesen Sie den ganzen Bericht von Ann-Katrin Müller hier.Schulze nennt AfD-Kandidaten Siegmund »Marionette«Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund scharf attackiert und ihn als »Marionette« von AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnet. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte der CDU-Politiker: »Am Ende ist doch Herr Siegmund nichts anderes als eine Marionette für ganz andere Menschen, vor allen Dingen für Frau Weidel, die aus Sachsen-Anhalt heraus Einfluss in Berlin bekommen will. Ich will aber eins nicht, ich will nicht, dass meine Heimat, dass unsere Heimat aus der Schweiz regiert wird, sondern aus der Staatskanzlei Magdeburg.« Schulze erklärte, nicht allein Siegmund, sondern besonders die Menschen um ihn herum machten die Partei aus seiner Sicht so gefährlich: »Der Herr Siegmund, der macht das ganz geschickt, der schlängelt immer drumherum, aber es sind die Menschen um Herrn Siegmund herum.« Als Beispiel nannte Schulze den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der maßgeblich am Wahlprogramm der Partei gearbeitet habe. In dessen Wahlkreisbüro in Querfurt steht eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift »Armee Russlands«. Dazu sagte Schulze: »Also ich sage ganz offen, ich möchte die russische Armee nicht wieder bei uns zu Hause auf unserem Boden stehen haben. Und ich war wie Millionen von Menschen in der ehemaligen DDR froh, als die russische Armee hier abgezogen ist. Und ich kann es einfach nicht verstehen, warum ein führender Vertreter einer Partei, die jetzt in Umfragen vorn liegt, die hier den Ministerpräsidenten stellen will, genau das quasi glorifiziert, finde ich überhaupt wirklich sehr, sehr fragwürdig. Natürlich wollen die ein ganz anderes Deutschland, und zwar in ihrem Sinne. Und das ist nicht das Deutschland, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte«. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar.Leseempfehlung: »Ich werde diesen Typen nicht die Hand schütteln«Wie bereiten sich Sachsen-Anhalts Kulturinstitutionen auf einen möglichen rechtsextremen Ministerpräsidenten vor? Stimmen aus einem verunsicherten, ratlosen, kämpferischen Land. Den ganzen Artikel lesen Sie hier.Grüne über rechtsextreme Vergangenheit von Ehemann: Menschen ändern sichDer Ehemann der sachsen-anhaltischen Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat eine rechtsextreme Vergangenheit. Darüber wird aktuell erneut diskutiert. Doch Sziborra-Seidlitz betonte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode, dass Menschen sich verändern können. »Wir müssen daran glauben, dass Menschen für die Demokratie zurückzugewinnen sind. Wir müssen daran glauben, dass nicht 40 Prozent der Menschen in unserem Land Rechtsextreme sind, nur weil 40 Prozent der Menschen in unserem Land Rechtsextreme wählen.«Mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet, dass der Ehemann von Sziborra-Seidlitz in den Neunzigerjahren Teil der rechtsextremen Szene im Harz gewesen sein soll. Das Thema ist allerdings nicht neu, es spielte bereits im Mai 2022 in einer Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Rolle.Sziborra-Seidlitz bestätigte, dass ihr Ehemann in den Neunzigerjahren mit Rechtsextremen »rumgehangen« habe. »Ich will das nicht kleinreden, er war Teil der rechtsextremen Szene in Quedlinburg. Aber das ist 30 Jahre her.« Heute sei er Demokrat und Antifaschist. Der Ehemann von Sziborra-Seidlitz wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Die Grünenpolitikerin sprach von einer »stümperhaften Schmutzkampagne«.»Dass diese seit Jahren bekannte Geschichte wenige Tage vor der Wahl neu aufgewärmt wird, ist ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver aus dem rechtsextremen Umfeld der AfD«, sagte ein Sprecher der Grünen am Montag auf Anfrage. »Es zeigt vor allem die Nervosität angesichts der absehbaren Verfehlung der Wahlziele der AfD.«Sziborra-Seidlitz sagte bei dem Termin Wernigerode, dass es vielleicht ein gutes Timing sei, dass das jetzt noch einmal Thema sei. Es gebe ihr die Gelegenheit, darüber zu sprechen, was nach der Landtagswahl am 6. September los sei. »Es lassen sich auch Rechtsextreme für die Demokratie zurückgewinnen, weil die Demokratie das überzeugendere Argument ist«, so Sziborra-Seidlitz, die auch Co-Landeschefin der Grünen in Sachsen-Anhalt ist. Charlotte LüderNachrichtenressortWahlexperte: »AfD findet Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen« »Eine Partei, die in Umfragen auf um die 40 Prozent kommt, die kann sich eben nicht mehr nur auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe stützen«, sagte Stefan Merz vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Deutschlandfunk. Dem Wahlexperten zufolge findet die AfD inzwischen in allen Bevölkerungsgruppen Unterstützung. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei liegt in den Umfragen deutlich vor der CDU, die derzeit mit SPD und FDP regiert.»Mittlerweile, muss man sagen, findet die AfD Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen«, sagte Merz. Es gebe Unterschiede, die seien aber graduell. »Männer wählen deutlich häufiger AfD als Frauen. Junge und mittlere Altersgruppen machen es häufiger als ältere, Berufstätige wählen häufiger AfD als Rentner und unter den Berufstätigen wiederum sind es Arbeiter, die es häufiger tun als Angestellte und Beamte«, so der Wahlexperte. Menschen ohne Abitur stimmten öfter für die AfD als Menschen mit Abitur und auf dem Land und in Kleinstädten werde häufiger AfD gewählt als in Großstädten.Das bedeute aber im Umkehrschluss nicht, dass die Partei in den anderen Bevölkerungsgruppen nicht gewählt werde. Frauen stimmten für die AfD zwar seltener, aber auch unter ihnen sei die Partei in Sachsen-Anhalt nach den Umfragen derzeit die stärkste Partei. AfD in Umfragen klar vornDas Interesse an der Wahl ist auch deshalb so groß, weil die AfD danach erstmals womöglich einen Ministerpräsidenten stellen könnte. In einer Umfrage von Infratest dimap für die ARD lag die Partei 20 Prozentpunkte vor der CDU. Wegen der Werte für die anderen Parteien wäre eine Alleinregierung der AfD in diesem Szenario nicht möglich.Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Hinzu kommt: Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt lagen Demoskopen deutlich daneben. Lesen Sie hier dazu die SPIEGEL-Datenanalyse. Merz steigt in den Wahlkampf ein In Sachsen-Anhalt grenzt sich CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze vom Kanzler ab. Zum Besuch kommt Friedrich Merz nun trotzdem. An diesem Montag absolviert der Kanzler seinen ersten Wahlkampftermin in dem ostdeutschen Bundesland. In Quedlinburg im Harz nimmt er am ab 18.15 Uhr an einer Gesprächsrunde mit Kandidaten für den Landtag teil, wird von Ministerpräsident Schulze durch den Schlossgarten geführt und äußert sich dann gemeinsam mit dem CDU-Spitzenkandidaten vor Kameras. Zuvor warnte Merz vor einem Sieg der AfD. Im ARD-Sommerinterview am Sonntagabend sagte er, dass ausländische Investoren im Falle einer AfD-Regierung vermutlich um Sachsen-Anhalt künftig einen Bogen machen würden. »Wenn das so kommt, wie das in den Umfragen möglich erscheint, dann wird dieses Bundesland erhebliche Probleme bekommen«, sagte der Kanzler. Er könne sich nicht vorstellen, dass noch internationale Investoren mit einem AfD-Ministerpräsidenten zu einem Spatenstich kommen würden, um dort ein neues Unternehmen anzusiedeln. »Das ist aber eine Entscheidung, die die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt zu treffen haben«, fügte er hinzu. Merz sagte: »Das Land wird erheblichen Schaden nehmen, wenn es so kommt, wie wir das jetzt befürchten müssen.« Auch deshalb werde die CDU in den nächsten Tagen noch aktiv Wahlkampf machen. Ein Teil der Wählerschaft sei noch unentschieden. Ursprünglich waren in Sachsen-Anhalt mal größere Auftritte in Ilsenburg und am Geiseltalsee im Gespräch. Ein klassischer öffentlicher Wahlkampfauftritt vor größerem Publikum soll der Besuch in Quedlinburg nicht werden: Berichten zufolge soll der Kanzler nur auf einen kleinen Kreis von rund 30 ausgewählten CDU-Mitgliedern treffen – unter weitgehendem Ausschluss der breiten Öffentlichkeit. Liebe Leserinnen und Leser, am kommenden Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Wir halten Sie hier über den Wahlkampfendspurt und die politischen Entwicklungen auf dem Laufenden – mit Nachrichten, Hintergründen, Eindrücken aus dem Bundesland. TickarooLive Blog Software