Es kann vorkommen, dass Menschen etwas als Privatperson gut finden, dieselbe Sache aber in ihrer beruflichen Funktion ganz anders beurteilen. Der Hamburger Thomas Dittmann ist zum einen begeisterter Bahnfahrer. Seit 19 Jahren besitzt er eine BahnCard 100, schon viele Male reiste er mit dem Zug ins Ausland. Nach Wien, Kopenhagen, Malmö und Südtirol. Als Kunde begrüßt er, dass die Europäische Kommission kürzlich angekündigt hat, Bahnfahren in Europa einfacher zu machen.

Dittmann arbeitet allerdings auch als Head of Operations bei der Benex GmbH, die an sieben Eisenbahnunternehmen beteiligt ist, die Regionalzüge in verschiedenen Teilen Deutschlands fahren lassen. Zum Beispiel in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Hessen. Als Manager findet Dittmann die Pläne der EU nicht so toll. Er hat Sorge, dass die Verbesserungen, die für ihn als Fahrgast gedacht sind, seinem Unternehmen schaden könnten. Und das, obwohl die Benex gar keine Verbindungen ins Ausland anbietet.

Aber von vorn: Mit dem sogenannten Passenger Package will die EU-Kommission das Angebot internationaler Bahnfahrten erhöhen, Buchungsprozesse vereinfachen und die Fahrgastrechte bei Verspätungen und Ausfällen stärken. Damit reagiert die Kommission auf eine Umfrage des EU-Parlaments aus dem Jahr 2024. Darin gaben 25 Prozent der mehr als 25.000 Befragten an, bei ihrer letzten grenzüberschreitenden Zugreise Schwierigkeiten gehabt zu haben. 43 Prozent gaben an, noch nie mit dem Zug über eine europäische Grenze gefahren zu sein. Die Hürden dafür sind offenbar groß. Dabei betrachtet die EU Bahnfahren als wichtigen Baustein auf dem Weg, den Kontinent bis 2050 klimaneutral zu machen. Wenn die Menschen mit dem Zug in den Urlaub fahren, verursachen sie schließlich weniger CO₂, als wenn sie das Flugzeug nehmen.