KommentarPro ArtikelMitten im Iran-Krieg geht der personelle Aderlass im Departement des amerikanischen Verteidigungsministers weiter. Loyalität stellt er dabei über Integrität und Qualifikation. Langfristig wird dies das Militär der Supermacht von innen aushöhlen und demoralisieren.04.09.2026, 11.47 Uhr3 LeseminutenUmstrittene Entlassungen und Beförderungen: Pete Hegseth vor dem Pentagon in Washington.Mark Schiefelbein / APDer amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth ist ein traumatisierter Veteran des Irakkriegs. Ganz geheilt sieht er sich selbst nicht: Er sei ein «genesender Neokonservativer», sagte Hegseth 2024 in einem Interview. In seinen Büchern erklärt der ehemalige Fox-News-Moderator das militärische Scheitern der USA im Irak und in Afghanistan gerne mit einer zu woken Armeeführung. Diese habe zu viel Rücksicht auf das humanitäre Völkerrecht genommen und «dem amerikanischen Krieger» auf dem Schlachtfeld damit die Hände gebunden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei einer Rede im vergangenen Herbst gelobte Hegseth, mit «der politischen Korrektheit und dem ideologischen Giftmüll» beim Militär aufzuräumen. Bei Beförderungen sollten Hautfarbe, Geschlecht oder sexuelle Orientierung keine Rolle mehr spielen. Nur die fähigsten, fittesten und mutigsten Krieger wollte er fördern, um die amerikanische Armee wieder «todbringender» zu machen. Doch nun belohnt Hegseth vor allem absolut loyale Offiziere, während er hochkarätige Generäle entlässt und Beförderungen von Personen blockiert, die ihm suspekt erscheinen. Mindestens zwanzig Generäle, Admiräle und zivile Spitzenbeamte wurden unter Hegseth entlassen oder aus dem Amt gedrängt.Kaum erwünscht: Frauen und SchwarzeDie «New York Times» berichtete am Dienstag von einem eklatanten Beispiel: So strich Hegseth den Kommandanten einer Luftlandetruppe von einer Beförderungsliste, weil er diesen fälschlicherweise verdächtigte, eine Mentorengruppe für Fallschirmspringerinnen in seiner Einheit erlaubt zu haben. Der Offizier diente in Afghanistan und im Irak und soll unter seinen Kameraden als einer der fähigsten Anführer auf dem Schlachtfeld gelten.Hegseth blockierte insbesondere die Beförderung vieler Frauen und dunkelhäutiger Personen in hohe Führungspositionen. Frustriert über die Amtsführung seines Vorgesetzten, trat diese Woche nun Dan Driscoll, der zivile Heereschef, zurück. In einem Post auf X gab sich der erst 40-Jährige zwar versöhnlich gegenüber Hegseth und bemüht, im Hinblick auf seine künftige Karriere nicht zu viel Geschirr zu zerbrechen. Gemäss Medienberichten schilderte er Präsident Donald Trump aber vor seinem Abgang die Missstände im Pentagon.Im Kern soll sich Driscoll vor allem um die Personalpolitik und die Auswirkungen auf die Modernisierung des Militärs gesorgt haben. Der zivile Heeresleiter hatte mit dem früheren Stabschef des Heeres, Randy George, unter anderem die Anpassung an künftige Kriege mit Drohnen und Robotern vorangetrieben. Sie bauten dazu ein neues Bataillon in Europa auf, das in enger Zusammenarbeit mit der ukrainischen Armee von deren Erfahrungen im Krieg gegen Russland hätte lernen sollen. Im April drängte Hegseth den erfahrenen General jedoch zum Rücktritt. In dem Streit soll es ebenfalls um die Personalpolitik des Verteidigungsministers und ein Disziplinarverfahren gegen Piloten gegangen sein, die der Villa des Sängers und Trump-Anhängers Kid Rock in Militärhelikoptern einen Besuch abgestattet hatten. George wollte die Untersuchung angeblich regulär durchführen, Hegseth drängte ihn dazu, diese fallen zu lassen.Das von Driscoll und George im Hinblick auf künftige Kriege aufgebaute Bataillon in Europa wird nun in eine herkömmliche Luftlandetruppe umgewandelt. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, hat das Heer geplante Vorträge ukrainischer Offiziere in Fort Benning gestrichen. Hegseth war früh ein vehementer Kritiker der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine.Toxische FehlerkulturFür die Fehler- und Lernkultur im Pentagon sind das schlechte Nachrichten. Das Verteidigungsministerium hat kürzlich auch dem Herausgeber, dem Chefredaktor und der Nahostkorrespondentin der Armeezeitschrift «Stars and Stripes» gekündigt. Die Publikation wird mit Steuergeldern finanziert, soll redaktionell aber unabhängig sein. Die drei Betroffenen klagen nun gegen das Pentagon. Ihr Vorwurf: Sie seien wegen ihrer Berichterstattung über die Missstände auf dem Flugzeugträger «Abraham Lincoln» entlassen worden, der zur Aufrechterhaltung der Blockade gegen Iran während vieler Monate ohne Unterbruch auf hoher See war. «Stars and Stripes» berichtete früh über die Not der Schiffsbesatzung.Gerade in Kriegszeiten ist es wichtig, die Moral hochzuhalten und Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen. Hegseths Personalpolitik indes erhöht das Risiko, dass diese ignoriert, übersehen oder vertuscht werden. Das kann in seinem Ministerium tödliche Folgen haben.7 KommentareAgnes Juillerat 05.09.20262 EmpfehlungenWas die US-Armee bestimmt nicht braucht sind Angehörige des Typus Bradley Manning /Chelsea Manning. Der/Die, wegen Enthüllungen geheimer Dokumente zu 35 Jahren Verurteilte kam schon nach 4 Jahren Strafverbüssung frei, der damalige Präsident Obama hat die Begnadigung ausgesprochen.