In dem Trash-Klassiker „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ aus dem Jahr 1989 ist die Versorgung der Vereinigten Staaten mit Avocados gefährdet. Die verbliebenen Anbaugebiete in Kalifornien liegen im Gebiet eines männermordenden Amazonenvolkes, zu dem nun eine Expedition unter der Leitung einer Feminismusforscherin ausgesandt wird. Ein Desaster von einer Drehbuchidee, das allerdings an einen richtigen Punkt rührt: Die grünen Früchte der tropischen Baumart Persea americana aus der Familie der Lorbeergewächse sind für die USA von besonderer Bedeutung.Die Amerikaner vertilgen aktuell 13 Prozent der globalen Avocadoproduktion von rund elf Millionen Tonnen im Jahr. Ihr Verbrauch hat sich im Zeitraum 2000 bis 2021 glatt verdreifacht, und heute hat kein anderes Land einen größeren Appetit auf ihr Fruchtfleisch. Dieses hatten die ersten Europäer, die im 16. Jahrhundert in Mexiko davon probierten, mit Butter verglichen. Tatsächlich besteht die gelbgrüne Masse zu bis zu dreißig Prozent aus Fett. Askesefreier Veganismus ohne Avocados wäre kompliziert.Der Triumph der Hass-FruchtDen Amerikanern verdankt die Avocado überhaupt erst ihren Status als besonders profitable Cash Crop. Zwar war die Frucht bereits im alten Süd- und Mesoamerika bedeutend – ihr heutiger Name kommt von dem aztekischen Wort āhuacatl (das etymologisch durchsichtigerweise auch „Hoden“ bedeutet), und im zivilen Kalender der Maya zeigt die Glyphe für den Monat K’an k’in („gelbe Sonne“) einen Baum samt Avocado.Doch 80 Prozent aller heute verzehrten Avocados gehören zu der Sorte, deren Züchtung 1926 dem Amerikaner Rudolph Hass gelang. Ihre Schale ist deutlich dunkler und rauer als die anderer Sorten, und ihre Beliebtheit verdankt sie nicht nur ihrem Geschmack, sondern auch ihrer besseren Haltbarkeit sowie der hohen Erträge ihrer Bäume.Charlotte WagnerNun erfolgt die hortikulturelle Vermehrung der Hass-Avocadobäume fast ausschließlich durch Veredelung. Die Pflanzen sind daher Klone, haben also alle praktisch ein identisches Genom und daher auch alle die gleichen Empfindlichkeiten gegenüber Krankheitserregern oder Verschiebungen von Klimamustern. Daher gab es 2024 tatsächlich eine amerikanische Expedition in den Avocado-Dschungel, allerdings nach Mittelamerika, in die Staaten Honduras, Nicaragua und das südliche Mexiko. Dort dokumentierte ein Team um den Archäobotaniker Kevin Wann von der Smithsonian Institution die genetische Diversität der in Gärten und kleinen Plantagen angebauten „alten“ Avocados. Dahinter steht die Hoffnung der Nutzpflanzengenetiker, die globale Avocado könnte sich durch Einkreuzen solcher Sorten wieder robuster machen lassen.Ihre Ergebnisse haben die Forscher nun in der Fachzeitschrift „Plants, People, Planet“ vorgestellt. Wie sich dabei herausstellte, ist die genetische Diversität von Persea americana in den feuchtwarmen Tiefländern Nicaraguas und an der honduranischen Küste besonders hoch, schreiben die Forscher. Auch seien die Sorten dort keine Abkömmlinge der aztekischen Ahnen der Hass-Avocado, deren Vorfahren Menschen in Mexiko archäologischen Funden zufolge schon vor 10.000 Jahren verspeisten. Vielmehr seien die honduranischen und nicaraguanischen Avocados vor rund 5000 Jahren aus Südamerika eingeführt worden.Allerdings ist diese Diversität nun selbst in Gefahr. In seinen Interviews mit Avocadobauern in Nicaragua erfuhr Kevin Wenn von Landwirten, die Bäume lokal angestammter Sorten gefällt hätten, um Platz für ertragreichere und als Exportgut in die USA besser geeignete Sorten zu machen. Zur rechtzeitigen Sicherstellung ausreichender Mengen an Saatgut dürften die Forscher daher rasch in den Avocado-Dschungel zurückkehren wollen.
Avocado-Vielfalt in Gefahr: Was Forscher in den USA besorgt
Der Konsum von Avocados steigt rasch, insbesondere in den USA. Ihrer genetischen Vielfalt ist dieser Publikumserfolg allerdings wenig bekommen. Daher begaben sich Wissenschaftler auf die Suche nach mehr Diversität.







