PfadnavigationHomePanorama„Maybrit Illner“„In dem Moment, wo wir mit der AfD zusammenarbeiten, ist die CDU kaputt“, warnt RadtkeVon Tonci PetricStand: 04.09.2026Lesedauer: 5 MinutenCDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke bei „Maybrit Illner“Quelle: ZDF/Svea PietschmannAngesichts der anstehenden Landtagswahl diskutieren die Gäste bei „Maybrit Illner“ über die AfD im Osten, die Zukunft der Brandmauer und die Frage, warum CDU und SPD das Vertrauen der Wähler verlieren. Dennis Radtke warnt seine Partei eindringlich vor einer Kooperation mit der AfD.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenSachsen-Anhalt wählt, und auch im Berliner Kanzleramt wächst die Nervosität. Kann der rechtsextreme Landesverband der AfD nach der Landtagswahl mit absoluter Mehrheit regieren, droht Bundeskanzler Friedrich Merz ein politisches Desaster und dem Land ein Umbau: Die AfD plant bereits offen den Austausch von 200 Spitzenbeamten, Experten warnen vor Einschnitten bei Medien und Unis.„Der Osten wählt – die letzten Tage der Brandmauer?“ fragt Maybrit Illner in ihrer Sendung den CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke, Sprecher der Arbeitnehmer in der CDU und Mitglied im Europäischen Parlament, den früheren Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), Ruth Moschner, Moderatorin und Vorständin bei teilensWert, einem eingetragenen Verein für Demokratieförderung, sowie den Autor Hendrik Bolz (unter anderem „Nullerjahre“) und die „WELT“-Journalistin Nena Brockhaus.Illner fragt Radtke, ob sich CDU-Mitglieder insgeheim eine absolute AfD-Mehrheit wünschen, um dem Dilemma zwischen AfD und Linken zu entgehen. „Es ist schwer zu quantifizieren. Es ist ja auch keine Rateshow hier“, sagt er und hält die AfD „einfach für einen Scheinriesen, der völlig zu Unrecht Debatten und Diskurse bestimmt“. In Bezug auf die Brandmauer erklärt Radtke: „Die Brandmauer ist nicht ein Tool, um die AfD zu bekämpfen, sondern am Ende eine Sicherheitsvorkehrung, damit das Feuer eben nicht übergreift.“ Doch darauf, welche Mittel notwendig sind, um die AfD zu bekämpfen, gibt der CDU-Politiker keine Antwort.„Die Leute haben keinen Bock mehr auf die CDU“„WELT“-Journalistin Nena Brockhaus findet, dass die Debatte fern der Realität geführt wird, vor allem wenn man Radtke zuhöre: „Die Leute haben keinen Bock mehr auf die CDU.“ Das merke man ja ganz klar in Umfragen. In Sachsen-Anhalt liegt die CDU mittlerweile etwa 20 Prozent hinter der AfD. Lesen Sie auchAuf Illners Frage, was sie den demokratischen Parteien nach einem starken AfD-Ergebnis empfehlen kann, hält die Journalistin der CDU den Spiegel vor. Ein Bündnis mehrerer Parteien allein mit dem Ziel, die AfD von der Regierung fernzuhalten, sei „fern der Realität“: „Ich mache jetzt hier die gefühlte Regenbogenkoalition, Hauptsache nicht mit der AfD“, ist „doch wieder ein Schlag ins Gesicht“ für die Wähler. Brockhaus stelle sich die Frage, „warum die Menschen denn noch die CDU wählen sollen“.Radtke verteidigt die Brandmauer und widerspricht der Forderung nach einer Zusammenarbeit mit der AfD. Stattdessen verlangt er eine konkrete Diskussion darüber, was am politischen Angebot der CDU tatsächlich nicht stimmt.Die Moderatorin und Vorständin bei dem Demokratieverein teilensWert, Ruth Moschner, ist der Meinung, die AfD „verarscht die Wähler“ – was die Menschen erwarten würden: ein bisschen mehr im Geldbeutel, „das könne die AfD gar nicht schaffen“.Lesen Sie auchSie fordert von CDU und SPD, endlich aus der reinen Reaktionspolitik gegenüber der AfD auszusteigen, Inhalte in den Mittelpunkt zu stellen und wieder stärker mit den Wählern über deren konkrete soziale Probleme zu sprechen. „Da muss man gar nicht groß drum herumreden. Die demokratischen Parteien müssten eigene Versäumnisse anerkennen“, findet Stephan Weil (SPD), ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen, und sagt: „Es ist unbestreitbar so, dass viele von denen, die jetzt AfD wählen, viele Jahre lang CDU oder SPD gewählt haben.“„Keiner kann uns zwingen, mit einer Partei zu verhandeln, mit der uns nichts verbindet“Radtke verschärft in der weiteren Diskussion die Position der CDU deutlich. Er widerspricht der These, die Brandmauer sei der Grund für die Stärke der AfD. Als Gegenbeispiel führt er Österreich an: Dort gebe es keine entsprechende Brandmauer und die FPÖ liege trotzdem vorne. Eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD lehnt er kategorisch ab. Für Radtke sei die AfD keine CDU „von früher“, sondern von Beginn an eine „antieuropäische“, „prorussische“, „antiamerikanische“ und „antiwestliche“ Partei. Die Tatsache, dass viele Menschen AfD wählen, müsse man zwar zur Kenntnis nehmen. Daraus folge für die CDU aber nicht, dass sie mit der AfD verhandeln müsse. „Man kann uns in die Opposition schicken, aber keiner kann uns zwingen, mit einer Partei zu verhandeln, mit der uns nichts verbindet“, sagt Radtke eindringlich in die Runde, aber auch in Richtung Nena Brockhaus.Lesen Sie auchIllner stellt Radtke eine konkrete strategische Frage und bringt ihn bewusst in ein Dilemma. Sie geht davon aus, dass die CDU in Sachsen-Anhalt nach der Wahl vor einer schwierigen Regierungsbildungsfrage stehen könnte. Wenn die AfD keine absolute Mehrheit erreicht, könnte die CDU theoretisch vor der Entscheidung stehen, mit der Linken oder mit der AfD zu kooperieren. Was macht die CDU, will sie von ihm wissen?Radtke bekräftigt den CDU-Grundsatz „mit keinem – weder AfD noch Linke“. Eine Kooperation mit der AfD würde seiner Ansicht nach genau deren langfristige Strategie erfüllen, die CDU zu zerstören: „In dem Moment, wo wir mit dieser Partei zusammenarbeiten, sie in Verantwortung bringen, in diesem Moment ist die CDU kaputt“, warnt Radtke.Lesen Sie auchIllner lenkt die Debatte weg von der AfD und hin zur Verantwortung von CDU und SPD: Was müssen die demokratischen Parteien ändern, damit die politische Mitte wieder überzeugt und das Vertrauen der Wähler zurückgewinnt? SPD-Politiker Weil nennt drei Schwachstellen der politischen Mitte: Sie müsse das bezahlbare Leben stärker in den Mittelpunkt rücken, verständlicher kommunizieren und neben Fakten auch wieder mehr empathisch sein, Leidenschaft und Werte vermitteln. Politik dürfe nicht allein als Kampf um Macht erscheinen. Die Politik müsse wieder differenzierter sprechen und die Lebensrealität der Menschen vor Ort stärker berücksichtigen.Lesen Sie auchIllner konfrontiert Radtke mit seinem umstrittenen Lanz-Auftritt und dem Vorwurf der „totalen Selbstaufgabe“. Radtke verteidigt seine umstrittene Lanz-Aussage: Er wolle Probleme keineswegs verharmlosen, betont aber die Grenzen des Rechtsstaats. Ihm geht es nicht darum, Dinge schönzureden: „Ich bin wirklich nicht der Meinung, man muss in diesem Land aus jedem Misthaufen verbal einen Luftkurort machen“, und warnt vor einer Politik, die nur noch Defizite beschreibt. Die CDU müsse stattdessen wieder eine positive Zukunftserzählung entwickeln und zeigen, welches Potenzial Deutschland habe: „Wir haben in der Europäischen Union mehr Patente angemeldet als in den USA. Da redet überhaupt gar keiner drüber.“