KommentarWelthandel: Der Westen darf China nicht auf den Leim kriechenChina flutet die Weltmärkte mit subventionierter Ware. In der G-20 schwindet das Verständnis für diese Wettbewerbsverzerrung. Das lässt hoffen.03.09.2026, 17.35 Uhr3 LeseminutenFür China ist der Handel ein strategisches Machtinstrument. Er folgt daher den Regeln des Staates und nicht jenen des Marktes.Cheng Xin / GettyDas Treffen der G-20-Finanzminister im amerikanischen Asheville hat diese Woche im Dissens geendet: Die Gruppe der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer konnte sich nicht auf eine gemeinsame Schlusserklärung einigen. Grund war die Blockadehaltung eines einzigen Landes: China. Die Vertreter der fernöstlichen Wirtschaftsmacht wollten ihre Unterschrift nicht unter ein Dokument setzen, das dazu aufruft, Massnahmen zu ergreifen gegen «nicht marktwirtschaftliche Politiken», welche die globalen Ungleichgewichte verschärfen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dank Staatshilfe erfolgreich im AuslandEs ist erfreulich, dass die 19 übrigen Staaten standhaft blieben und die Erklärung auch ohne Chinas Zustimmung verabschiedeten. Zwar ist aus einer marktwirtschaftlichen Perspektive grundsätzlich wenig einzuwenden gegen eine Schwemme preisgünstiger chinesischer Waren auf den Weltmärkten.Doch wenn die niedrigen Preise vor allem aufgrund staatlicher Unterstützung zustande kommen, ist das sehr wohl ein Problem. Denn in diesem Fall basiert Chinas wirtschaftlicher Erfolg nicht auf überlegener Effizienz, sondern auf unfairem Wettbewerb.Genau dies ist der Fall. Der Einparteistaat spielt mit gezinkten Karten. Das belegen die OECD-Daten zu Industriesubventionen. Gemäss einer konservativen Schätzung der Organisation erhielten chinesische Firmen in den letzten zwei Jahrzehnten drei- bis achtmal mehr staatliche Hilfe als die Konkurrenz im OECD-Raum. Die Konsequenz: Rund 60 Prozent des Marktanteilsgewinns chinesischer Unternehmen sind auf staatliche Subventionen zurückzuführen. Nur dank riesiger Staatshilfe können sich die chinesischen Unternehmen auf ausländischen Märkten durchsetzen.Das alles ist seit Jahren bekannt. Und Chinas Staatsvertreter beteuern ebenfalls seit Jahren, man wolle die Wirtschaftspolitik stärker auf eine Förderung der Binnennachfrage statt der Exporte ausrichten. Doch die Umsetzung dieses sogenannten Rebalancing lässt auf sich warten. Das Land setzt weiterhin auf Exportförderung, mit allerlei intransparenten Subventionen und einer künstlich niedrig bewerteten Währung. Das verschärft die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte und beschleunigt im Westen die Deindustrialisierung und den Verlust von Arbeitsplätzen.19 zu 1 gegen ChinaGewiss birgt es eine gewisse Ironie, dass am Treffen der Finanzminister vor allem die USA die marktwidrige Politik Chinas scharf kritisiert haben. Denn als Hüterin der reinen Marktwirtschaft haben die USA angesichts ihrer Zollpolitik wenig Glaubwürdigkeit. Kommt hinzu, dass Amerikas Abschottung dazu führt, dass etwa Europa umso stärker unter Pekings Exportförderung leidet. Denn angesichts des abgeriegelten US-Markts leiten Chinas Firmen, die mit hohen Überkapazitäten kämpfen, ihre subventionierte Ware nun verstärkt auf europäische Märkte um.Allerdings unterzeichneten in Asheville neben den USA noch 18 weitere G-20-Mitglieder die umstrittene Erklärung. Für diese Staaten steht fest: Chinas Regelverstösse verlieren nicht an Brisanz, bloss weil sich auch die USA nicht mehr an die Prinzipien des fairen Wettbewerbs halten. Das damit verbundene Misstrauensvotum gegenüber Peking lässt hoffen. Es durchkreuzt Chinas Strategie, das global schwindende Vertrauen in die USA für sich zu nutzen und sich, wie etwa regelmässig beim WEF in Davos, als saubere Musterschülerin des Welthandels aufzuspielen.Diese Charmeoffensiven sind geschickt gemacht – und zeigen Wirkung bei irritierend vielen Wirtschaftsführern, die ihre Faszination für das straffe Durchgreifen des autoritären Regimes oft nur schlecht verbergen können. Letztlich ist es aber Propaganda, die sich kaum in Reformen niederschlägt. Dass nun 19 der 20 mächtigsten Volkswirtschaften diese Botschaft an Peking übermitteln, ist zwar noch kein Zeichen für eine geeinte Allianz gegen Chinas marktverzerrende Handelspolitik. Es beweist aber immerhin, dass man sich nicht blenden lässt.6 KommentareChristoph Niederberger 05.09.2026Die grosse Frage ist doch: woher kommt all das Geld für diese angeblichen Subventionen?Markus Henny 05.09.202619 zu 1 kann kaum stimmen, denn Putin hätte so etwas kaum unterschrieben. Die Aussage 19 zu 1 kommt wohl letztendlich von Donald Trump. Denn der südafrikanische Finanzminister durfte gar nicht in die USA einreisen.Passend zum Artikel
19 zu 1: Die G-20 zeigt eine klare Haltung gegen Chinas Handelspolitik
China flutet die Weltmärkte mit subventionierter Ware. In der G-20 schwindet das Verständnis für diese Wettbewerbsverzerrung. Das lässt hoffen.











