KommentarDie EU würde China gerne den Meister zeigen, aber für eine echte Konfrontation fehlt ihr der HebelAm EU-Gipfel von dieser Woche waren Chinas unfaire Handelspraktiken das grosse Thema. Die 27 Regierungschefs wollen sich wehren. Sie haben aber bloss die Wahl zwischen Pest und Cholera.20.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenImmer mehr chinesische Güter erreichen Europa: Das Containerschiff «CMA CGM Rivoli», das mit einer Länge von 400 Metern zu den grössten zählt, erreicht den Hamburger Hafen.Chris Emil Janssen / ImagoTeilweise hoch subventionierte chinesische Firmen überschwemmen Europa mit Gütern aller Art, und die Politiker des Kontinents werden deswegen immer nervöser. Es drohen der Verlust weiterer Industriezweige und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Was also tun?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Leider scheint der Kontinent vorerst nur zwei schlechte Optionen zu haben. Entweder schützt er seine Industrien mit Zöllen und Importquoten, was sich Chinas Regierung nicht gefallen lassen wird. Oder man überlässt gewisse Industrien ihrem Schicksal. Das ist zwar die ordnungspolitisch saubere Variante, der wirtschaftliche Wandel fiele aber brutal aus.Nur China nicht provozierenAm Gipfel der 27 EU-Regierungschefs von dieser Woche war mit Händen zu greifen, wie sehr sie dieses Dilemma plagt. Die Politiker sprachen sich zwar Mut zu. Zum ersten Mal sei man sich darüber einig gewesen, dass Europa ein Problem habe, hiess es.Die Analyse ist allerdings der einfachere Teil der Diskussion. Schwieriger ist die Frage, wie Europa reagieren soll. Auch da haben sich die EU-Regierungschefs angeblich angenähert, klare Ergebnisse hat der Gipfel jedoch nicht gebracht. Vielmehr erwartet man von der Kommission Vorschläge – als ob das Problem mit Chinas unfairen Handelspraktiken neu wäre.Das zeigt die Angst von Europas Politikern, das Land als Handelssünder zu brandmarken. Offensichtlich wollen sie Chinas Herrscher Xi Jinping keinesfalls vor den Kopf stossen. Gleichzeitig fehlen Europa die Hebel, um auf China Druck auszuüben.Schutzzölle kämen die Konsumenten teuer zu stehenManche Politiker sagen zwar, Chinas Firmen seien auf den grossen europäischen Absatzmarkt angewiesen. Deshalb müsse die EU dem Land klarmachen, dass es mit dem Feuer spiele, wenn es Europa an die Wand drücke und so letztlich Schutzzölle provoziere.Dieses Argument ist aber nicht überzeugend. Die EU würde sich in einen Widerspruch verstricken, wenn sie China mit einer breiten Palette von Zöllen drohte. Auf die Einfuhrabgaben der USA hat die EU-Kommission jeweils mit dem Argument reagiert, eine solche Politik schade den Amerikanern – diese bezahlten schliesslich den Zoll in erster Linie und nicht die europäischen Hersteller.Gemäss dieser zutreffenden Logik würde sich Europa mit Zöllen gegen chinesische Waren ins eigene Fleisch schneiden. Vieles würde massiv teurer, wenn sich etwa französische Ideen durchsetzten, gewisse chinesische Waren mit einer Abgabe von 30 Prozent zu belegen.Zumal China heftig reagieren würde, falls Europa einen solchen Handelskonflikt anzettelte. Im schlimmsten Fall liefert das Land dann weniger verarbeitete kritische Rohstoffe, die der Kontinent so sehr benötigt.Chinas Regierung muss allerdings nicht einmal ihr schärfstes Schwert zücken, um Europa einzuschüchtern. Ihr stehen auch subtilere Massnahmen zur Verfügung: etwa die Strategie des «Teile und herrsche», die im Umgang mit den 27 so unterschiedlichen EU-Ländern schon immer gut funktionierte. Chinesische Gegenzölle, etwa auf Rindfleisch, träfen Irland oder Frankreich. Und würden mit der Landwirtschaft auf eine Branche zielen, die gut organisiert ist und sich Gehör zu verschaffen weiss. Die am EU-Gipfel beschworene europäische Einheit würde rasch bröckeln.Chinesische Autofirmen in Europa zementieren AbhängigkeitEuropa will seine Wirtschaft nicht in ordnungspolitischer Schönheit sterben lassen. Aus der Abhängigkeit von China wird sich der Kontinent aber nur schwerlich befreien. Selbst Erfolge im schwelenden Handelsstreit sind zweischneidig. So verlangt die EU auf chinesische E-Autos seit über einem Jahr Zölle.Erstaunlicherweise liess China den Konflikt nicht eskalieren, wahrscheinlich weil es die eigene Autoindustrie tatsächlich massiv unterstützt hat und eine Debatte darüber vermeiden will. Chinas Autohersteller reagieren stattdessen mit dem Bau und der Übernahme von Fabriken in Europa.Das schafft auf dem Kontinent zwar Arbeitsplätze, ändert aber nichts an der Abhängigkeit von chinesischer Technologie. Asiens Wirtschaftsmacht ist am längeren Hebel – Europa kann unternehmen, was es will.Passend zum Artikel
Im Kampf gegen Chinas Handelspraktiken kann Europa nur zwischen schlechten Optionen wählen
Am EU-Gipfel von dieser Woche waren Chinas unfaire Handelspraktiken das grosse Thema. Die 27 Regierungschefs wollen sich wehren. Sie haben aber bloss die Wahl zwischen Pest und Cholera.











