Provenienzforschung befördere ein unangemessenes „Schuldgefühl“, findet die AfD. Also sollte niemand nach geraubtem Kulturgut fragen? Wie die Forschung dagegenhält.
Magdeburg, 14. November 2023: das Kruzifix aus Bronze gehörte dem jüdischen Unternehmer Ottmar Strauss
Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/picture alliance
Petra Koch hat etwas mitgebracht. Die Leiterin des Salzland-Museums im sachsen-anhaltischen Schönebeck packt einen aus silberfarbenem Zinn gefertigten Teller aus. Darauf sind zwei hebräische Buchstaben zu erkennen. Koch wünscht sich eine Antwort auf ihre Frage, ob das Objekt Raubkunst der Nazis aus jüdischen Besitz sein könnte.
Anne Paschen kennt den Teller, denn sie und ihre Kollegin sind gerade in ähnlicher Mission unterwegs. Nur geht es dabei nicht um einen Museumsbestand, sondern um gleich 22. Die 43-jährige Kunsthistorikerin ist damit beauftragt, einem Verdacht nachzugehen. Bei allen diesen 22 Museen in Sachsen-Anhalt besteht die begründete Vermutung, dass sich in den Beständen von den Nazis geraubte Objekte befinden – seien es nun klassische Judaica wie ein Chanukkaleuchter, Alltagsgegenstände wie ein Taschenkalender oder ein hölzerner Kleiderbügel mit aufgedruckter Werbung für ein jüdisches Geschäft. „Es geht um 208 Objekte“, sagt Paschen auf einer Tagung zur Provenienzforschung in Halberstadt, wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.








