KommentarDer neuste Inflationssprung ist eine Aufforderung an die EZB: Sie sollte die Leitzinsen weiter nach oben schraubenDie hohe Teuerung trifft vor allem die ärmere Bevölkerung. Die EZB sollte das wirtschaftliche Umfeld nutzen, um die Inflation zu stoppen.03.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDas Euro-Zeichen im Foyer der EZB in Frankfurt: Die Zentralbank hat den Anstieg der Inflation noch nicht unter Kontrolle gebracht.ImagoDie Bedrohung des Wohlstands durch eine zu hohe Inflation ist noch längst nicht gebannt. Im August sind die Preise in der Euro-Zone nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat von 2,9 auf 3,3 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit drei Jahren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch die Kerninflation, aus der die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, notiert weiter bei zu hohen 2,4 Prozent. Sie liegt damit seit fünf Jahren deutlich über dem gewünschten Niveau. Die Daten gleichen einer Aufforderung an die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen zu erhöhen, um die Teuerung zu zähmen.Anstieg der Erdöl- und ErdgaspreiseDer Haupttreiber des Inflationssprungs war der starke Anstieg der Energiepreise um satte 14,3 Prozent. Die neuerliche Sperrung der Strasse von Hormuz hat die Erdöl- und damit die Benzinpreise wieder angeheizt. Zudem ist der europäische Erdgaspreis infolge des Konflikts zwischen den USA und Iran auf den höchsten Stand seit Anfang 2023 geklettert. Auch der Preisanstieg bei den Dienstleistungen ist weiterhin zu hoch. Inzwischen notiert die Inflationsrate in 6 der 21 Mitgliedsländer der Euro-Zone über 4 oder gar über 5 Prozent.Die EZB kann mit einem zweiten Zinsschritt nach jenem im Juni zwar die Strasse von Hormuz nicht wieder öffnen. Sie kann mit einer Zinserhöhung jedoch die Gefahr verringern, dass ein relativer Preisanstieg zu einem dauerhaften Inflationsregime führt, weil Bürger und Unternehmen sich mittelfristig auf eine überdurchschnittlich hohe Teuerung einstellen. Erfahrungsgemäss führen aus dem Ruder laufende Inflationserwartungen nämlich zu einer Verfestigung der Teuerung.Besonders ärmere Bevölkerungsschichten leiden unter einer hohen Inflation, weil sie einen höheren Anteil des verfügbaren Einkommens für Produkte des täglichen Bedarfs ausgeben und weil sie ihre geringen Ersparnisse oft in niedrig verzinsten Anlageformen halten. Eine Beispielrechnung zeigt die kalte Enteignung der Bürger durch eine zu hohe Inflation: Bei einer Inflationsrate von 3 Prozent über fünf Jahre würde sich die Kaufkraft von 10 000 auf 8600 Euro verringern. In zehn Jahren würde sie gar auf 7400 Euro sinken.Zur Lage am Energiemarkt kommt, dass Ökonomen aufgrund mehrerer Entwicklungen deutliche Preissteigerungen bei Lebensmitteln erwarten. Viele Betriebe dürften versuchen, die höheren Energiepreise an ihre Kunden weiterzugeben. Zudem sind durch den Konflikt im Nahen Osten die Düngerpreise gestiegen, und die jüngste Dürre wird an vielen Orten der Welt zu Ernteausfällen führen. Ferner bleibt die Versorgung mit Getreide aus der Ukraine und Russland aufgrund des Kriegs gestört.Glücklicherweise erscheinen mögliche Kollateralschäden eines Zinsschritts gering, etwa ein Abwürgen der Konjunktur. Die Wirtschaft in der Euro-Zone entwickelt sich zwar nur verhalten. Sie hat sich jedoch in den vergangenen Quartalen als widerstandsfähig gegenüber den Krisen in der Welt gezeigt. Zugleich liegt die Arbeitslosenquote im Euro-Raum noch immer auf dem tiefsten Niveau seit Gründung der Währungsunion. Die Situation ist also entspannt.Sorgen über StaatsanleihemärkteDas gilt jedoch nicht für die Lage am Staatsanleihemarkt. Dort haben die Anleger die Aussicht auf steigende Zinsen bereits vorweggenommen. Das Renditeniveau von zehnjährigen Staatsanleihen liegt in vielen Ländern auf dem höchsten Wert seit langem. In Deutschland notiert die Rendite mit 3,4 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 2011 und in Frankreich mit 4,2 Prozent sogar seit 2008. Da die Renditen für italienische und spanische Staatsanleihen jüngst deutlich weniger stark gestiegen sind, herrschen an den Märkten allerdings noch keine zu grossen Sorgen über eine mögliche neue Euro-Schuldenkrise.Der derzeitige Strauss an Wirtschaftsdaten gibt der EZB also genügend Spielraum, um an der Zinsschraube zu drehen. Wie viele Zinsschritte nötig sein werden, dürfte vor allem von der Entwicklung des Iran-Kriegs abhängen. Bei der nächsten Ratssitzung in der kommenden Woche sollte die EZB den derzeit massgebenden Einlagensatz jedenfalls um 0,25 Prozentpunkte auf dann 2,5 Prozent erhöhen.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.11 KommentareMarcel Truffer 03.09.20264 EmpfehlungenNicht nur die Schulden des Staates werden mit Inflation ausradiert, auch die Vermögen der Sparer, welche statt Aktien zu kaufen ihr Geld ohne Zins, also gratis den Banken zur Verfügung stellen. Das ist die überwiegende Mehrheit der Schweizer. Dazu akzeptieren diese "Sparer " auch noch sehr happige und wiederkehrende Spesen. Zur Erinnerung: Aktienfonds wie die Spesen günstigen ETF, welche den Index breit abstützen, verdoppeln sich im Durchschnitt in weniger als 10 Jahren, dank Zinseszinseffekt, falls die Dividenden gleich wieder reinvestiert werden. Thesaurierende ETF zahlen keine Dividenden und reinvestieren diese gleich wieder. Akzeptieren Sie auch keine Depotgebühren und Beratergebühren, welche die Dividende völlig unnötig schmälern.03.09.2026Passend zum Artikel