Nach Deutschlands Vorwürfen an Moskau: Die EU bereitet neue Sanktionen vor – zum ersten Mal sass auch die Schweiz am TischDeutschland macht Russland für den Drohnen-Vorfall von Leipzig verantwortlich und erhält dabei viel Unterstützung von den EU-Staaten. Die Ukraine wünscht sich mehr als Worte.02.09.2026, 16.59 Uhr3 LeseminutenDer deutsche Aussenminister Johann Wadephul am informellen Treffen der EU-Aussenminister in Irland.Thomas Imo via ImagoBeim Treffen der EU-Aussenminister in Irland wurde ein Wort inflationär verwendet: Solidarität. Ungefragt sicherten praktisch alle Teilnehmer der deutschen Regierung Unterstützung zu. Diese hatte am Dienstagabend Russland als Urheber des versuchten Sprengstoffanschlags auf den Flughafen Leipzig benannt. Während die deutschen Oppositionsparteien die Kommunikation der Regierung in erwartbarer Weise kritisierten, tanzte im irischen Wicklow kein europäischer Minister aus der Reihe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die unmissverständliche, an den Kreml gerichtete Botschaft war, dass man sich von dessen hybridem Krieg nicht einschüchtern lassen werde. «Für Russland ist es ein billiger Weg, Spannungen in unserer Gesellschaft zu schüren. Aber diese Aktivitäten werden uns nicht davon abhalten, die Ukraine zu unterstützen und unseren Druck auf Russland aufrechtzuerhalten», sagte der litauische Aussenminister Kestutis Budrys stellvertretend.Die Frage ist nur, wie: Hunderte Milliarden Euro haben die EU-Staaten seit 2022 in Form von Waffen und Finanzhilfen in die Ukraine investiert und 21 Sanktionspakete gegenüber Russland geschnürt. Ohne diese Unterstützung würde die Ukraine in der heutigen Form möglicherweise nicht mehr existieren. Gleichzeitig reichte der Druck offensichtlich nicht aus, um das Regime von Wladimir Putin von seinem Feldzug abzubringen.Die Ukraine braucht Patriot-RaketenAls unmittelbarste Reaktion auf die deutsche Schuldzuweisung beriefen verschiedene europäische Staaten, im Einklang mit dem Kanzleramt, die russischen Botschafter ein. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas kündigte Strafmassnahmen gegen 1600 weitere Personen aus dem Umfeld der russischen Armee an, die Aussenminister diskutierten auch weitere Sanktionen gegen die russische Schattenflotte.Selbst das in Belgien eingefrorene Staatsvermögen Russlands kommt wieder auf den Tisch. Letzten Herbst waren die Gespräche fortgeschritten, davon 90 Milliarden Euro der Ukraine zugänglich zu machen. Wegen rechtsstaatlicher Bedenken verzichteten die EU-Staaten letztlich darauf und sprachen einen durch Schulden finanzierten Kredit in der Höhe von 90 Milliarden Euro. Eine Handvoll Länder hat nun aber die Debatte neu lanciert – mit offenem Ausgang. Da es sich um ein informelles Treffen handelte, wurden in Irland keine Entscheide gefällt.Die Ukraine hätte allerdings lieber mehr Rüstungsgüter – angesichts des nahenden Winters vor allem Patriot-Flugabwehrraketen – zum Schutz der Energieinfrastruktur. Mindestens 300 Stück wünscht sich Kiew. Der ukrainische Aussenminister Andri Sibiha, der in Irland ebenfalls zugegen war, reiste jedoch ohne verbindliche Zusagen wieder ab.Cassis musste an die BundesratssitzungDie russische Regierung sprach von einem «schweren Fehler», den die deutsche Regierung mit der Schuldzuweisung begangen habe. Angesichts der drohenden Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt habe sie taktisch gehandelt, so Präsident Putin. Darauf angesprochen, sagte der deutsche Aussenminister Johann Wadephul, dass das Gegenteil der Fall sei – aus wahltaktischen Gründen hätte man das Thema wohl besser gemieden, weil es nun zu «vielen Diskussionen» führe.Vielmehr freue er sich über die Geschlossenheit und die Unterstützung, die er bei den Ministerkollegen spüre – «übrigens über den Kreis der EU-Staaten hinaus», so Wadephul. Er meinte damit unter anderem die Schweiz, die gemäss Angaben des Aussendepartements (EDA) zum ersten Mal zu einem informellen Treffen der EU-Aussenminister eingeladen worden war. Weil Ignazio Cassis an der Bundesratssitzung teilnehmen musste, reiste der Staatssekretär Alexandre Fasel nach Irland. Ob die Schweiz neuerliche EU-Sanktionen ebenfalls anwenden würde, ist offen. Der Bundesrat prüft jeweils den Einzelfall, bisher hat er die Strafmassnahmen bis auf wenige Ausnahmen aber stets übernommen – zuletzt am 19. August.Passend zum Artikel