Die Polizei geht von einem Amoklauf aus: Der Schütze von Aarau war womöglich psychisch krank und stiess wohl per «Zufall» auf den RaveZweieinhalb Tage nach der Festnahme des Verdächtigen hat die Polizei über den Stand der Ermittlungen informiert. Das Motiv bleibt weiterhin unklar.02.09.2026, 16.57 Uhr4 LeseminutenDie Aargauer Behörden luden am Mittwochnachmittag zu einer Medienkonferenz.Michael Buholzer / KeystoneBeim Verdächtigen, der nach einem Techno-Festival in Aarau eine Italienerin getötet haben soll, handelt es sich um einen 43-jährigen «Schweizer ohne Migrationshintergrund», der im Kanton Jura lebte und unter psychischen Problemen litt. Das verkündete die Aargauer Kantonspolizei am Mittwochnachmittag an einer Medienkonferenz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut dem kantonalen Polizeikommandanten Michael Leupold hat sich der Beschuldigte in der Nacht auf Montag gestellt: Er sei mit seinem Auto bei der Polizeistation im jurassischen Hauptort Delsberg vorgefahren, habe die Tat gestanden, seine Aussage dann aber verweigert. Er habe nur berichtet, «dass es ihm bereits seit einiger Zeit gesundheitlich schlecht gehe», sagte der leitende Staatsanwalt Christoph Rüedi.Zeugenaussage führt zum FluchtfahrzeugIm Kofferraum des Mannes fanden die Polizisten drei Waffen, zwei Pistolen und ein Sturmgewehr vom Typ AK-74, eine Kalaschnikow. Die Polizei erklärt sich den Tathergang so: Der Mann stellte in der Nacht auf Sonntag seinen Wagen auf einem Parkplatz an der Schachenstrasse ab. Danach nahm er die Waffen aus dem Kofferraum, bewegte sich Richtung Techno-Festival auf der Pferderennbahn, ehe er über vierzig Mal wahllos auf die weit über hundert Personen schoss, die sich nach dem Festival in der Nacht auf Sonntag noch auf dem Areal befanden.Wie Leupold sagte, hat der Verdächtige die Waffen vor rund zwanzig Jahren legal erworben, sie seien registriert gewesen. «Heute wären die Bewilligungsvoraussetzungen deutlich strenger.» Nach der Tat lief der Mann laut der Polizei zurück zum Parkplatz, wo er unter anderem auf ein fahrendes Auto schoss. Dann flüchtete er mit seinem Fahrzeug.Die Polizei deutete an, sie hätte den Täter gefasst, wenn er sich nicht gestellt hätte. Dank den «Aussagen einer Person» habe man den Fahrzeugtyp des Fluchtautos ermitteln können – «mit Kontrollschildern des Kantons Jura». Die Polizei fand bald den Namen des Beschuldigten heraus.Bloss: Warum fährt ein Mann mitten in der Nacht nach Aarau, um auf die verbliebenen Gäste eines Raves zu schiessen? Der Verdächtige habe bei der Einvernahme von seinem «Aussageverweigerungsrecht» Gebrauch gemacht, sagte Leupold am Mittwoch. Die Frage nach dem «Warum?» kann die Polizei vorderhand also nicht beantworten. «Aber wir gehen davon aus, dass es ein Zufall war, dass er auf diesen Event gestossen ist.» Auch, weil es bisher «keinerlei Hinweise auf ideologische Hintergründe» gebe, also «weder rechts- noch linksextreme noch islamistische Motive». Das ist das Beunruhigende an dieser Tat: dass sie bis heute kein Motiv hat. Die Polizei ordnet sie als Amoklauf ein.Zurückhaltende KommunikationRund sechzig Journalistinnen und Journalisten sassen am Mittwoch in der Polizeizentrale in Schafisheim im Kanton Aargau, um der Polizei weitergehende Fragen zu stellen. Die Medienkonferenz war mit Spannung erwartet worden, da bis dahin wenig bekannt war. Noch am Sonntagabend hatte die Polizei angegeben, kaum Anhaltspunkte zu haben. Sie wisse weder, wo sich die Täterschaft befinde, noch, welches Motiv hinter der Tat stecke.Der Medienandrang war gross. Insbesondere aus Italien reisten viele Journalistinnen und Journalisten an.Michael Buholzer / KeystoneWenige Stunden später, in der Nacht auf Montag, wurde der Verdächtige gefasst. Im entsprechenden Communiqué schrieb die Kantonspolizei Aargau von einem 43-jährigen Schweizer, der «unter dringendem Tatverdacht» stehe. Man gehe von einem Einzeltäter aus. Mehr Informationen gab die Polizei nicht preis, sie nannte kein Motiv, schilderte weder Fahndung noch Flucht. Stattdessen verwies sie auf die Medienkonferenz vom Mittwoch.Die Polizei erklärte am Mittwoch, sie habe erst abwarten wollen, bis «keine Gefahrenlage mehr» bestehe. Und als Leupold verlas, welche Arbeiten die Kantonspolizei nach der Tat erledigen musste, klang es ein wenig wie eine Verteidigungsrede vor der internationalen Presse: Man habe die DNA-Proben auswerten müssen, was «wegen des technischen Vorgangs eine gewisse Zeit» beanspruche, habe «sämtliche Kameras im öffentlichen Raum geprüft», sei «weit über hundert Hinweisen» aus der Bevölkerung nachgegangen, habe Autos stoppen und kontrollieren müssen.Zwei Personen im SpitalDie spärlichen Informationen in den vergangenen zwei Tagen boten indes Raum für Spekulationen, vor allem in Italien, woher das Todesopfer stammt. Mehrere Medienschaffende reisten nach Aarau, machten Live-Schaltungen, ermittelten auf eigene Faust. Die Tageszeitungen «Corriere della Sera» und «La Repubblica» deuteten an, der Verdächtige bewege sich im Dunstkreis der Armee. Leupold entkräftete diese These. Zwar habe der Beschuldigte die Rekrutenschule abgeschlossen, sei Truppenkoch gewesen, jedoch schon 2013 aus der Armee ausgeschieden. Die Dienstwaffe habe er abgegeben.Weitere Informationen zum Mann liegen derzeit nicht vor. Zum familiären Hintergrund, darüber, ob der Mann eine Arbeitsstelle hatte oder wie er lebte, machten die Behörden keine Angaben. Sicher ist: Er ist der Polizei nicht bekannt gewesen und hatte «abgesehen von Bagatelldelikten im Bereich Strassenverkehr» auch keine Vorstrafen, wie der Polizeikommandant Leupold sagte.Die Polizei hat die «Sonderlage» beendet und endgültig Entwarnung gegeben, es gebe «keinerlei Hinweise auf Mittäter oder Gehilfen». Die Verletzten schweben nicht in Lebensgefahr, wobei die Polizei die Zahl von fünf auf sechs korrigierte: Eine Frau sei durch einen «Abpraller oder Querschläger» verletzt worden, habe das aber erst am Montag gemeldet. Zwei Personen befinden sich noch im Spital.Passend zum Artikel
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