Die Leiden des verwöhnten Prinzen: was das Drama um die Rückkehr von Harry und Meghan über die Briten und ihr Verhältnis zu den Royals sagtDer jüngste Sohn von König Charles und seine Frau sind aus den USA nach England zurückgekehrt. Die Reaktion der Boulevardzeitungen ist geradezu hysterisch. Zweifellos ist das Verhalten des Prinzen oft widersprüchlich – aber dasjenige der Medien und der Bevölkerung ebenso.02.09.2026, 16.30 Uhr5 LeseminutenPrinz Harry und Meghan Markle am 17. April in Sydney, Australien.Hollie Adams / ReutersPrinz Harry und seine Frau Meghan Markle sind nach sechs Jahren in den USA nach England zurückgekommen. Diese Heimkehr löst in der britischen Öffentlichkeit heftige Emotionen aus. Seit Tagen sind sowohl rechte wie linke Medien voll mit Nachrichten und Analysen zum Thema, wobei die Fülle der Beiträge mit dem Mangel an gesicherten Informationen kontrastiert. Viel mehr, als dass sie wieder da sind, weiss man nicht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Warum wühlt die banale Tatsache eines Umzugs die Briten dermassen auf? Die Aufregung sagt einiges aus über das vielschichtige und widersprüchliche Verhältnis zur Monarchie.Die Superprivilegierten als OpferPrinz Harry und Meghan haben schon immer polarisiert. Die einen sehen in ihnen Vertreter einer jungen, modernen Generation, die sich gegen die rigiden Konventionen am Hof auflehnen und für mehr Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen – ähnlich wie schon Harrys Mutter Diana, die 1997 ums Leben kam. Diese Bewunderer teilen die Empörung des Ehepaars darüber, dass einige Royals der dunkelhäutigen Meghan mit rassistischer Ablehnung begegnet seien. Und sie verstehen Harrys Wut über die sensationslüsternen Boulevardmedien, die dem Ehepaar das Leben angeblich zur Hölle machten. Beides waren offenbar wichtige Gründe für die Auswanderung oder gar Flucht nach Kalifornien.Andere hingegen wittern Heuchelei. Aus ihrer Sicht sind Harry und Meghan Narzissten, die unaufhörlich um Aufmerksamkeit buhlen und sich zugleich beklagen, dass man sie nicht in Ruhe lasse. Kaum waren sie den britischen Paparazzi entkommen, breiteten sie in einem Buch («Spare») und in einer Netflix-Serie («Harry & Meghan») ihr Privatleben aus und zogen bei Oprah Winfrey über den Königshof her. Ein Rückzug ins Private sieht anders aus. Stossend wirkt auf viele auch, dass sie zwar als arbeitende Mitglieder des Königshauses zurücktraten, zugleich aber noch immer Wert legen auf die Titel als Herzog und Herzogin von Sussex.Auf Normalverdiener wirkt die permanente Klage über ihr Leiden zudem wehleidig: Hyperprivilegierte inszenierten sich als Opfer. Auch Harrys juristischer Kampf um die Bezahlung seiner Leibwächter befremdete. Warum sollte er, wenn er sich schon vom Königshof losgesagt hat, nicht auch persönlich für seine Sicherheit aufkommen? Zugleich schwang Wichtigtuerei mit. War er wirklich so gefährdet, wie er meinte? Warum drängte er dauernd ins Rampenlicht und lamentierte nachher, er sei exponiert und auf permanenten Schutz angewiesen?Noch mehr Spott ergiesst sich über Meghan, die sich in der Serie «With Love, Meghan» und mit ihrer Produktreihe As Ever mit banalen Achtsamkeitsweisheiten als Lifestyle-Beraterin inszeniert. Natürlich interpretiert das Paar die Ablehnung gegenüber Meghan postwendend als Hetze.Die Royals sollen vorbildlich und skandalös seinGleichzeitig wirft die obsessive Beschäftigung der Briten mit Harry und Meghan ein grelles Licht auf die widersprüchliche Beziehung des Volks zur Monarchie. Einerseits sollen die Royals die britischen Ideale repräsentieren, so dass man sich in ihnen wie in einem schmeichelhaften Spiegel wiedererkennen kann. Die Queen verkörperte diese Rolle vorbildlich. Sie wirkte in aller Vornehmheit bescheiden, fleissig, selbstlos, diskret, höflich und nett – ganz so, wie sich auch die Briten selbst gerne sehen.Andererseits will die Öffentlichkeit Storys und Skandale. Schliesslich sind die Royals auch Teil der Unterhaltungsindustrie. Die Steuerzahler wollen etwas fürs Geld, und die Boulevardmedien wären längst bankrott, wenn alle Royals so anständig und langweilig wie Queen Elizabeth wären. Man empört sich zwar, wenn Harry aus der Rolle fällt – etwa als er an einer Party im Nazi-Kostüm erschien –, aber zugleich wünscht man sich solche Aufregung. Das Königshaus muss eben auch die Dekadenz, Amoralität und Masslosigkeit ausleben, die sich brave Briten versagen.Die Monarchie soll in eine Aura des Geheimnisvollen und Mythischen gehüllt sein. Aber ebenso giert das Volk, wie bei jedem Star, nach intimen Enthüllungen. Die sind umso reizvoller, je mehr sich das Königshaus abschottet. Von dieser Spannung und dem Tabubruch leben nicht nur die – eigentlich konservativen – Boulevardmedien, die im Namen des Anstands täglich Sauereien servieren, sondern auch die Royals selbst, für die es nichts Verheerenderes gäbe, als in der Vergessenheit zu versinken. Das alles ist paradox und verlogen, aber es ist bekanntlich noch nie jemand an Widersprüchen gestorben.Reinszenierung des Diana-DramasDie Aufregung um Harry und Meghan ist nur verständlich vor dem Hintergrund der Diana-Geschichte. Denn die Tragikomödie um Meghan wirkt wie ein müdes Remake des Lady-Di-Dramas. In beiden Fällen geht es um eine junge Frau, die gegen die jahrhundertealten Mauern des Königshofes anrennt und auf kalte Ablehnung stösst. Bloss besteht der Unterschied darin, dass Diana die Herzen der Briten gewann – was die Queen nicht amüsierte. Meghan jedoch finden zwei Drittel der Briten laut Umfragen doof. Dass Harry, wenn er von Meghan spricht, dauernd das Schicksal seiner Mutter beschwört, macht es nicht besser.Für manche riecht der permanente Vergleich nach einer PR-Strategie, um Meghan als eine Art Wiedergeburt der vergötterten Diana zu präsentieren. Vielleicht handelt es sich tatsächlich um eine Reinszenierung, aber im psychologischen Sinne. Es ist offensichtlich, dass Meghans Persönlichkeit in vielem an Diana erinnert. Es wäre denkbar, dass Harry, der seine Mutter im Alter von zwölf Jahren verlor – als sie von Paparazzi verfolgt wurde und ihr Wagen gegen einen Betonpfeiler im Tunnel knallte –, dieses Trauma nicht nur wieder und wieder durchlebt, sondern auch immer wieder von neuem inszeniert.Abermals hat Harry den Eindruck, seine Frau werde von Journalisten verfolgt und in den Wahnsinn getrieben, wobei dem Hof jedes Verständnis für die prekäre Lage abgehe. Immer wieder sagt er, dass er nicht möchte, dass sich die Geschichte wiederhole. So versucht er dieses Mal, Meghan zu beschützen – durch die Abnabelung vom Hof, den Wegzug nach Amerika, seine Prozesse gegen die Presse und die Forderung nach Personenschutz.Das alles ist nachvollziehbar, aber zugleich entsteht der Eindruck einer Show – nicht unbedingt im Sinne einer bewussten Manipulation, aber im Sinne des Unechten und Paranoiden. Zudem: Weil es Harry in all den Büchern, Serien und Interviews ja nicht nur um die Wahrheit, sondern auch um die Kommerzialisierung seiner Geschichte geht, besteht der Verdacht, er bausche jedes Problemchen zu einem shakespeareschen Drama auf.Solche Egomanie braucht der Königshof im Moment nicht. Nach den Enthüllungen um Andrew im Zusammenhang mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist das Image der britischen Monarchie sowieso angeschlagen. Das Risiko ist gross, dass der ichbezogene Harry und seine selbstverliebte Gattin dem Ansehen der Royals zusätzlich schaden.Die Briten sind vollauf mit den steigenden Lebenskosten, der wirtschaftlichen Stagnation, der innenpolitischen Instabilität und der Frage konfrontiert, ob der neue Premierminister Andy Burnham das Ruder herumreissen kann. Da fehlen ihnen die Nerven für die Leiden eines verwöhnten Prinzen, der sich penetrant in den Mittelpunkt stellt und zugleich darüber beklagt, dass man seine Privatsphäre nicht respektiere.Passend zum Artikel
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Der jüngste Sohn von König Charles und seine Frau sind aus den USA nach England zurückgekehrt. Die Reaktion der Boulevardzeitungen ist geradezu hysterisch. Zweifellos ist das Verhalten des Prinzen oft widersprüchlich – aber dasjenige der Medien und der Bevölkerung ebenso.








