Der «Megxit» endet. Geht das gut?Harry und Meghan kehren offenbar nach Grossbritannien zurück. Dort zählen sie zu den unbeliebtesten Mitgliedern der Königsfamilie21.08.2026, 19.41 Uhr5 LeseminutenMeghan und Harry schauen 2026 ein Basketballspiel in Los Angeles.Ronald Martinez / GettySeit einigen Tagen dreht sich die halbe Medienwelt wieder um die britischen Royals. Beziehungsweise: die «Ex-Royals».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Königliche Sensation» titelte die «Daily Mail» am Mittwochabend. Der Anlass: Prinz Harry und seine Frau Meghan sollen noch diesen August aus den USA nach Grossbritannien zurückkehren. Offizielle Stellungnahmen blieben zwar bisher aus. Inzwischen haben aber mehrere Medien den baldigen Umzug bestätigt.Geht es um die beiden Royals, dann ist Aufmerksamkeit garantiert. «Harry und Meg kommen nach Hause», heisst es auf der Titelseite der Boulevardzeitung «The Sun». Die «volle Geschichte» finde sich auf den Seiten «2, 3, 4, 5, 6 und 7». Ähnlich sieht es bei internationalen Leitmedien aus. Von der «New York Times» bis hin zu «Spiegel Online» – überall drängen Übersichten zum «Megxit» und Befragungen von «royal experts» in die Schlagzeilen.Wie so oft bei Harry und Meghan mischt sich eine gewisse Häme in die Betrachtungen. Ihre Rückkehr nach Grossbritannien sei eine «gewaltige Demütigung für Harry und Meghan», schreibt die «Daily Mail» in einem Meinungsbeitrag. Nachdem ihre Unternehmungen in den USA gescheitert seien, versuchten sie nun wieder Teil der Königsfamilie zu werden. Ein beliebter Leserkommentar bei der «New York Times» lautet: «Das sind Betrüger, denen das Geld ausgeht.»Warum polarisieren gerade Harry und Meghan so sehr?Der Party-PrinzHarry kam 1984 in London auf die Welt. Nach seinem Bruder William war er der zweite Sohn des damaligen Prinzen Charles und Prinzessin Dianas. Äusserlich glichen sich die Jugendjahre der beiden Knaben: Beide besuchten das Eton-College, eine elitäre Privatschule, die bereits im Spätmittelalter gegründet wurde. Später liessen sich die Brüder in der Militärakademie Sandhurst zu Offizieren ausbilden, wenn auch nur Harry zeitweise an Fronteinsätzen teilnahm.Harry war nie der Musterknabe wie William. In Eton hatte er schlechte Noten, die Medien bezeichneten ihn später als «Party-Prinzen». Im Alter von 20 Jahren sorgte er für einen Skandal, als er an einer Kostümparty in einer Nazi-Uniform fotografiert wurde.2016 kam Harry mit Meghan Markle zusammen, zwei Jahre später heirateten die beiden. Meghan war eine untypische Prinzengattin. Sie war Amerikanerin, hat eine dunkelhäutige Mutter, war politisch engagiert und beruflich als Schauspielerin tätig. In den sozialen Netzwerken hatte sie sich vor ihrer Verlobung mit Harry bei den amerikanischen Wahlen für Hillary Clinton ausgesprochen und Bücher des Linksintellektuellen Noam Chomsky empfohlen.Meghan für Verstösse gegen das höfische Protokoll zu kritisieren, entwickelte sich in der britischen Boulevard-Presse fast zu einem eigenen Genre. Als sie etwa bei einem Anlass dunklen Nagellack trug, wurde dies als Affront gegen Queen Elizabeth gewertet, die dezente Farben bevorzugte. Andernorts schlug sie die Beine am Knie statt an den Knöcheln übereinander; die «Daily Mail» zitierte einen Etikette-Experten, der dies als schweren Fauxpas bezeichnete.Eine NiereIm Jahr 2019 wurde es Harry mit dem «Mobbing» zu viel. «Ich habe meine Mutter verloren, und nun muss ich mit ansehen, wie meine Frau denselben mächtigen Kräften zum Opfer fällt», schrieb er in einer Mitteilung. Harry und Meghan kündigten darauf an, nach Nordamerika zu ziehen, um dort ungestört leben zu können. Dabei wollten sie aber weiter gewisse königliche Funktionen wahrnehmen.Die Queen akzeptierte die Idee der «Teilzeit»-Royals nicht. Harry und Meghan verloren ihre offiziellen Funktionen. In einem viralen Oprah-Interview von 2021 warfen sie dem britischen Königshaus vor, Meghan nicht ausreichend gegenüber der Presse geschützt zu haben.In seiner Autobiografie «Spare» attackierte Harry seine Familie weiter. Er zeichnet das Bild einer kalten, formelhaften Atmosphäre, in der nicht der Verdienst oder die Persönlichkeit zählt – sondern allein die von Geburt zugewiesene Rolle, die man auszufüllen, und die Regeln, die man zu befolgen hat. William war als der Thronfolger vorgesehen, Harry dagegen als der «Ersatz, der Schattenmann, der Plan B».Im Buch schreibt Harry weiter: «Ich wurde geboren für den Fall, dass Willy etwas zustiesse. Wurde hierherbeordert, um ihm Ablenkung und Zerstreuung zu verschaffen und, wenn nötig, ein Ersatzteil. Womöglich eine Niere. Eine Bluttransfusion, eine Portion Knochenmark.» Diesen Umstand habe ihm die Familie bereits als Kind eingebleut und ihn fortan immer wieder daran erinnert.Wenig beliebtHarry und Meghan – sie sind selbstbestimmt, rebellisch, lehnen sich gegen verkrustete Traditionen auf. Eigentlich wäre es eine Erzählung, die in der heutigen Zeit auf Zustimmung stossen möchte. Und doch gehören die beiden zu den unbeliebtesten Mitgliedern des britischen Königshauses. Während Prinz William und seine Frau Kate derzeit beide von rund drei Vierteln der Briten positiv bewertet werden, sind es bei Harry nur 33 und bei Meghan 22 Prozent.Wieso eigentlich?Eine gewisse Rolle dürfte der Rassismus spielen. Gewichtiger scheint aber zu sein, dass Harry und Meghan in ihrem Wunsch nach Abstand zu den Royals und dem Wunsch nach Privatsphäre nicht als authentisch empfunden werden. In Amerika zogen sich die beiden nicht zurück. Im Gegenteil: Sie waren präsenter denn je.Nach ihrem Oprah-Interview starteten Meghan und Harry eine eigene Dokumentationsserie, die angeblich intime Einblicke in ihre Liebesgeschichte bietet. Meghan startete ihre eigene Lifestyle-Show, in der auch Gespräche mit ihren Freundinnen gezeigt werden. Harry veröffentlichte in seinem Buch solch private Einblicke, wie es kaum ein Mitglied des Königshauses je getan hat.Bei Harry und Meghan bleibt das Thema oft das Gleiche: ihre königliche Vergangenheit, Klagen über die Familie und die Suche nach einem normalen Leben. Trotzdem betonen die beiden noch immer ihre Adelstitel: «Duke and Duchess of Sussex». Und das Geschäft als royale Promis scheint lukrativ zu sein: In Santa Barbara leben sie in einer Villa, die sie für 15 Millionen Dollar kauften. Harry hat allein mit seinem Buch-Deal laut Schätzungen 20 bis 40 Millionen Dollar verdient.Die Satiresendung «South Park» brachte den Widerspruch in brutaler Weise auf den Punkt: Dort tingeln Harry und Meghan auf einer «World Wide Privacy Tour» von Talkshow zu Talkshow, verkaufen Bücher und schreien auf der Strasse Passanten mit dem Megafon zu, endlich «ihre Privatsphäre zu respektieren».Privilegien und PflichtenWie es mit Harrys und Meghans Rückkehr nach England nun weitergeht, bleibt abzuwarten. Auch ihre Karriere in Amerika dürfte bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben: Auf spektakuläre Millionenverträge folgte eine eher durchzogene Bilanz. Spotify beendete die Zusammenarbeit mit Meghan bereits 2023, der grosse Netflix-Vertrag wurde durch eine kleinere Vereinbarung ersetzt. Am Freitag wurde bekannt, dass Harry aufgrund eines verlorenen Prozesses gegen britische Medien wahrscheinlich eine teure Rechnung begleichen muss.Harry könnte mit seiner Familie nun wieder näher an das Königshaus rücken. Nicht alle Monarchisten dürften diese Aussicht begrüssen, wie ein Blick auf die britischen Medien und ihre Kommentarspalten zeigt.Zum Königshaus zu gehören, bringt viele Privilegien mit sich: Personal, Paläste, ein gewaltiges Vermögen. Doch ein «Royal» zu sein, birgt auch Verantwortung und Pflichten. Wer die Krone aufhat, ist Staatsoberhaupt von 15 Ländern, symbolisches Oberhaupt des Commonwealth-Bundes und oberstes weltliches Haupt der «Church of England».König zu sein, bedeutet, sich über die schnelllebige Gegenwart und gesellschaftliche Spaltungen erheben zu müssen. Dazu gehört es, sich an strenge Rituale und Traditionen zu halten. Und dazu gehört auch Verzicht: auf Streit in der Öffentlichkeit, auf politische Stellungnahmen, auf persönliche Extravaganzen. Nur wenn die Königsfamilie ihre Rolle im Staat übernimmt – als Symbolträgerin, die von «Labour» bis «Reform UK» respektiert wird –, dann akzeptiert die Bevölkerung auch die Privilegien, die ihr zugestanden werden.Was die Briten Harry und Kate übelnehmen, ist nicht der Wunsch nach einem normalen Leben. Sondern der Anspruch auf ein privilegiertes Prominentenleben ohne die Zwänge des Königshauses.Passend zum Artikel
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